Stern gründet investigative Elite-Truppe

Ein Allheilmittel in der Verlagswelt lautet: investigativer Journalismus. Die SZ gönnt sich schon lange ein solches Ressort unter der Regie von Hans Leyendecker, Springer lobte gerade dafür ein Sonderbudget von einer Million Euro aus, und nun beruft der Stern ein fünfköpfiges Team für Recherche ein. "Ziel ist, die investigative Kompetenz des Stern weiter auszubauen", erklärte die Chefredaktion gegenüber MEEDIA. Geleitet wird die vor etwa drei Wochen gegründete Abteilung von Oliver Schröm.

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Der neue Ressort-Chef wechselte aus der Hauptstadtredaktion an die Spitze des neuen Ressorts. Unterstützt wird er von Uli Rauss, langjähriger Auslandsreporter des Stern und gemeinsam mit Schröm 2005 nominiert für den Henri-Nannen-Preis in der Kategorie "Beste investigative Leistung". Beide gelten als ausgewiesene Terrorismus-Experten. Die stellvertretende Leitung des Ressorts übernimmt mit Andreas Mönnich hingegen kein Reporter, sondern ein erfahrener Stern-Dokumentar. Ergänzt wird das Team durch den Tech-Spezialisten Dirk Liedtke, zuvor tätig beim jüngst aufgelösten Auto-, Computer- und Technik-Ressort des Stern.

Daneben nennt das Impressum als ständigen freien Mitarbeiter Johannes Gunst, der es mit einer Stern-Enthüllungsgeschichte über das iranische Atomprogramm gemeinsam mit seinen neuen Ressort-Kollegen Rauss und Schröm bereits auf die erweiterte Nominierungsliste (‚Shortlist‘) beim diesjährigen Henri-Nannen-Preis schaffte. Es kann also durchaus von einer "Elite-Truppe" die Rede sein, mit der man bei Gruner + Jahr das klare Bekenntnis zu investigativem Qualitätsjournalismus untermauern möchte.

Gegenüber MEEDIA erklären die Chefredakteur Thomas Osterkorn und Andreas Petzold, dass die Gruppe vor allem gegründet wurde, "um verstreutes Fachwissen über investigative Recherchen an einer Stelle zu bündeln und zu professionalisieren. Parallel dazu bieten wir seit längerem im Rahmen der STERN-internen Fortbildung allen Kollegen verschiedene Seminare an, um ihre Kenntnisse über Recherchen speziell im Internet zu verbessern."

Die neue Abteilung soll einerseits alle Redaktions-Kollegen unterstützen. Andererseits übernimmt sie aber auch auf Anweisung ganze Aufträge für Geschichten an. Natürlich dürfen und sollen Schröm und seine Mitstreiter auch Themen selbst entwickeln.

Die neue Abteilung ist sicherlich auch ein Signal in Richtung des ewigen Rivalen von der Brandstwiete. Dorthin, also zum Spiegel, wanderte bereits im vergangenen Jahr mit Markus Grill, dem Aufdecker des Lidl- und diverser Pharma-Skandale, eines der größten investigativen Talente des Stern ab. Es erscheint daher nahe liegend, dass mit dem neuen Ressort nicht nur investigative Top-Leute gehalten, sondern auch deren Recherche-Ergebnisse noch fester an die Redaktion gebunden werden sollen.

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