Schland-Sieg: „Ööööööözil, ist das schön“

Es war eine Zitterpartie, die die deutsche Elf gestern in Soccercity gegen Ghana zeigte. Mesut Özils "Schuss ins Glück" (Spiegel Online) verhalf der Mannschaft zum Gruppensieg und dem Einzug ins Achtelfinale. Bild.de stimmt zum "Ööööööözil, ist das schön!" an, die New York Times feiert den Bremer als "neuen König". Dennoch: Das Spiel war "nicht schön" (Focus.de), die Führung nach einer Stunde war "mehr glücklich als verdient" (FR-Online) und für die FAZ war es eine "Reifeprüfung der Generation 2010".

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Spiegel-Online.de:
"Joachim Löws Team ist Gruppensieger und steht in der K.-o.-Runde der WM, weshalb für Millionen in der Heimat Özils Siegesschuss ein Schuss ins Glück war. Aber das Auftreten der Mannschaft gibt noch Grund zur Sorge. Wird dieses junge Team im Achtelfinale am Sonntag gegen England bestehen können? Ein Team, dem es ja immer noch passiert, dass zum Beispiel der Tagessieger Özil in der ersten Halbzeit eine fast hundertprozentige Torchance verschenkt?"
Focus.de:
"Deutschlands junge Auswahl hingegen ließ sich von der Prickel-Stimmung nicht zu wütenden Attacken aufs afrikanische Tor anstacheln. Sie zitterte, von Anfang an. In jeder Aktion, in jedem Angriff spürte man in wieder mal kalter Abendluft den Druck, der auf der Mannschaft lastete. Ruhe strahlte allein Bastian Schweinsteiger aus, gestählt durch viele internationale Begegnungen im schwarzweißen Dress und mit den Bayern."
Bild.de:
"Ööööööözil, ist das schön! Deutschland gewinnt durch einen Hammer von Mesut Özil 1:0 gegen Ghana und zieht damit als Gruppenerster ins Achtelfinale der WM ein."
Nachtrag: Die Headline "Ööözil ist das schöön" ist auch Schlagzeile der Donnerstagsausgabe des Berliner Kuriers. Chefredakteur Hans-Peter Buschheuer erklärt dazu in einer Mail an MEEDIA: "Bild.de hat vom KURIER abgeschrieben (…) Sie zitieren also fremde Federn." Bild.de-Sportchef Tobias Holtkamp sagte zu dem Vorwurf auf Anfrage: "Es ist natürlich Unsinn, dass BILD.de vom Berliner Kurier abgeschrieben hat. BILD.de hatte die Schlagzeile unmittelbar nach dem deutschen Sieg. Da war der Kurier wahrscheinlich noch gar nicht im Druck. Es stellt sich ja vielleicht viel eher die Frage, wer hier von wem abgeschrieben hat."
FAZ:
"Deutschland hat die Vorrunde überstanden. Das ist seit 1934 deutsche Tradition. Aber diesmal bedeutete das für ein junges Team mehr, als nun im Achtelfinale den Fußball-Klassiker gegen England spielen zu dürfen. Man muss sich das nach einem spielerisch mäßigen und lange nervenaufreibenden Auftritt des Gruppensiegers noch einmal vergegenwärtigen: Das Endspiel gegen Ghana war die Reifeprüfung der Generation 2010."
Welt Online:
"Schön war es nicht und bestimmt kein weiterer Beleg für die von Experten weltweit attestierte Zukunftsfähigkeit dieser deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Doch um all das ging es im Hier und Jetzt auch nicht. 1:0 (0:0) gegen Ghana im letzten Spiel der Vorrundengruppe D bei dieser Weltmeisterschaft – ein Ergebnis, das nicht zu Unrecht Minimalismus nahe legt, hat für grenzenlose Erleichterung gesorgt."
Zeit-online.de:
"Es war eine schwächere Leistung der deutschen Elf als gegen Serbien, ein nervöses Auftreten, ungenau im Passspiel. Doch sie hat ihr erstes K.o.-Spiel gewonnen. Özil Torschütze des einzigen Tores. Wunderbarer Distanzschuss, dem eine lange und lang…same Ballstaffette vorausging. Ghana litt an seiner Abschlussschwäche. (…) Wir Deutsche freuen uns auf ein Elfmeterschießen. Und hoffen auf eine Relöwisierung des deutschen Spielstils."
FR-Online.de:
"Die Führung nach einer Stunde war mehr glücklich als verdient. Zumal Ghana weiter gefährlicher blieb und sich gegen die unsichere deutsche Defensive schnell zwei klare Chancen erspielte."

Süddeutsche Zeitung:
"Es entwickelte sich allerdings keineswegs eine durchweg hitzige Partie, sondern eine phasenweise so erstaunlich langsam geführte, dass die Zuschauer im Stadion von dem Verdacht beschlichen wurden, die Super-Zeitlupe habe sich der Realität bemächtigt. Dieser Eindruck verstärkte sich, weil manche Szenen sehr wohl in normalem Tempo gespielt wurden."
Tagesspiegel.de:
"Sie zitterten, sie zweifelten, sie schwammen – am Ende aber ist die deutsche Nationalmannschaft ihrem Ruf wieder einmal gerecht geworden. Wenn es wirklich ernst wird, ist auf sie Verlass. So war es auch gestern Abend im Soccer-City-Stadion von Johannesburg."
Taz.de:
"Das sind sie diese unangenehmen Spiele für die Mannschaft, der aufgezwungen wird, das Spiel zu machen. Die Ghanaer hatten die deutsche Mannschaft für diese Rolle vorgesehen. Extrem beweglich in der Abwehr und hochkonzentriert warteten sie auf die Fehler ihrer Gegner. Und die kamen. Es waren ihrer nicht wenige. Die Deutschen kamen schlecht zurecht mit dem Druck, unter den irrsinnig fleißige Ghanaer die jeweils Ballführenden setzten."
New York Times.com:
"So many consequences from the solitary strike of Özil, a 21-year-old whose talents may yet emerge as the natural successor to Michael Ballack on this team. Not all Germans embrace with open arms this son of Turkish descent who reads the Koran before games. But there are 1.7 million people of Turkish origin in Germany, and with the national team, the Mannschaft, becoming a league of many nations, there could be more nights like this, more new heroes like Özil."

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