„Wir durchbrechen Schallmauern“

Frank Schirrmacher sieht "eine Schallmauer durchbrochen", für Mathias Müller von Blumencron fühlt es sich "ein bisschen an wie in New York 1998": Das iPad reißt den FAZ-Herausgeber wie den Spiegel-Co-Chefredakteur zu ungewöhnlichen Vergleichen hin. In einem Interview für die FAZ zeigen sich beide einig, dass die neue Generation von Tablet-Computern einen Umbruch bewirkt: "Das iPad verändert, wie zuvor das Internet, den Journalismus", heißt es im Vorspann.

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Das eher philosophisch gehaltene Gespräch kreist ausführlich um die Geschichte des Internets und die Erlebnisse der beiden prominenten Journalisten damit, ehe die App des Spiegels für das iPad zur Gegenwart führt: Schirrmacher bekennt, er werde das Magazin fortan digital auf dem iPad konsumieren, "obwohl es noch gar nicht perfekt ist". Blumencron berichtet von "mehreren zehntausend" Downloads der Applikation, er wisse aber nicht, wie häufig das Heft heruntergeladen wurde. Der frühere Chefredakteur von Spiegel online klingt überwiegend euphorisch: "Ich habe das Gefühl, dass wir eine neue Generation von Lesegerät haben, das endlich mobiles Lesen ermöglicht." Allerdings warnt er auch: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einem Hype nachlaufen und dann nach ein paar Monaten total enttäuscht sind."
Das Stichwort "Schallmauer" stammt von Schirrmacher, Blumencron sagt dazu: "Wir durchbrechen ständig Schallmauern." Es gebe "eine Beschleunigung, Informationen werden blitzschnell ausgetauscht, Neuigkeiten kommen im Sekundentakt." Er nimmt das iPad aber vor allem als Gegenbewegung wahr: "Es bedient die Sehnsucht nach Simplifizierung, ohne eine Entsagung von der digitalen Welt zu verordnen. Es ist also ein Gerät des Fortschritts und kein Rückwärtsgang. Und deshalb ist es ideal für die Menschen, die derzeit angesichts der digitalen Informationsflut Zeichen der Erschöpfung zeigen."
Der Feuilletonist Schirrmacher stimmt zu: "Ich glaube, dass das iPad eine Antwort auf die Überforderung ist." Im Wechselspiel der beiden Tablet-Apologeten kommt eine geradezu lyrische Stimmung auf, die Blumencron auf die Spitze treibt: "Sie, Herr Schirrmacher, haben kürzlich gesagt: Das iPad ist wie eine Insel. Auch der Spiegel ist auf dem iPad ja wie eine Insel. Es gibt eine mächtige Strömung drum herum, aber die Leute sehnen sich nach dem festen Grund."
Etwas handfester wird es schließlich bei der Frage nach der Bedeutung von Marken im Internet, die Blumencron für überaus wichtig hält: "Es braucht Beständigkeit, Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit. Adressen, die diese Werte verkörpern, sind für den Leser von unschätzbarem Wert, deshalb werden es Marken." Das könne nur verwässern, wenn sich von journalistischen Werten entferne: "Wenn wir Werbung und Inhalt miteinander vermischen, wenn wir nicht mehr vor Ort sind, wenn wir nicht mehr selbst recherchieren."

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