Microsoft: Ist Ballmer noch der Richtige?

Es könnte mehr als eine Wachablösung an der Spitze der Technologiebranche sein: Mit Apples Aufstieg zum wertvollsten Tech-Unternehmen könnte nämlich gleichfalls der Niedergang des Software-Riesen Microsoft einhergehen, glauben immer mehr Marktexperten. Noch sind die Anzeichen dank des großen Erfolgs von Windows 7 kaum sichtbar. Doch was kommt nach dem Bestseller? Im Internet und auf dem Mobilfunkmarkt hat Microsoft weiter keine Antwort. Im Mittelpunkt der Kritik: CEO Steve Ballmer.

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Es könnte mehr als eine Wachablösung an der Spitze der Technologiebranche sein: Mit Apples Aufstieg zum wertvollsten Tech-Unternehmen könnte nämlich gleichfalls der Niedergang des Software-Riesen Microsoft einhergehen, glauben immer mehr Marktexperten. Noch sind die Anzeichen dank des großen Erfolgs von Windows 7 kaum sichtbar. Doch was kommt nach dem Bestseller? Im Internet und auf dem Mobilfunkmarkt hat Microsoft weiter keine Antwort. Im Mittelpunkt der Kritik: CEO Steve Ballmer.

Knapp ein Monat ist es her, als das Realität wurde, was viele Technologie- und Börsenexperten seit Langem haben kommen sehen: Apple überholte Microsoft an den Aktienmärkten nach dem Börsenwert. Knapp drei Milliarden Dollar war Apple zum Handelsschluss an der Wall Street am 26. Mai mehr wert als Microsoft – keine Riesensumme angesichts der Marktkapitalisierungen der beiden Schwergewichte von seinerzeit 222 und 219 Milliarden Dollar.

Seitdem ist Apple jedoch wie ein Rennfahrer vorbeigezogen – und hat nicht einmal zurückgeschaut. Bis auf 20 Milliarden Dollar war der Vorsprung gestern in der Spitze bereits angewachsen. Das liegt natürlich einerseits an Apples Stärke und dem neuen Produktzyklus von iPad und iPhone 4, andererseits aber auch an Microsofts Schwäche, ebensolche Innovationen verpasst zu haben.

Letztes Quartal: Nach Umsatz und Gewinn liegt Microsoft noch vor Apple

Keine Frage: Noch kann sich der Redmonder Software-Riese rühmen, mehr Umsatz und höhere Gewinne als Apple zu erzielen – Microsoft erzielte bei Umsätzen von 14,5 Milliarden Dollar einen Profit von 4,01 Milliarden Dollar, während Apple bei Erlösen von 13,5 Milliarden Dollar unterm Strich 3,07 Milliarden Dollar einfuhr.  

Die Börse ist also bereit, Apple mit einem Premium-Aufschlag zu bewerten, während Microsoft mit einem KGV von 13 geringer gehandelt wird als der Durchschnitt der im S&P 500 gelisteten Aktien (KGV 15). Doch die Käufer-Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr: An den Aktienmärkten wird bekanntlich die Zukunft gehandelt – und für viele Investoren scheint Microsoft immer mehr wie ein Unternehmen der Vergangenheit zu erscheinen.

Noch kann Microsoft seine Internet-Schwäche mit Windows und Office kaschieren

Dass inzwischen weitaus mehr auf dem Spiel steht als der Verlust der Platzhirsch-Position, glaubt etwa der frühere Internetaktien-Analyst Henry Blodget, der Microsoft vor schweren Zeiten stehen sieht: "Die Annahme, dass Microsoft weiter wächst, nur eben langsamer, wird sich als Wunschdenken erweisen", schreibt Blodget in einer ausführlichen Analyse auf seinem Technologieportal "Alley Insider".

Den Grund dafür sieht Blodget wie andere Marktexperten auch in Microsofts klarer Unterlegenheit auf den Spielfeldern der Zukunft, die Apple und Google unter sich auszumachen scheinen – dem klassischen und dem mobilen Internet. Noch kann Microsoft seine Internet-Schwäche, die durch fehlende Antworten auf das iPhone, iPad oder Googles Suchgeschäft immer eklatanter wird, durch seine beiden Cashcows kaschieren – Windows und Office bringen weiter Milliarden ein.

Verlorene Dekade: In den Nullerjahren verbrannte Microsoft im Web 7 Milliarden

Doch was passiert eigentlich, wenn der Zyklus ausläuft und sich Googles Gratisangebote (Google Apps) im Office-Bereich durchsetzen und Apples iOS zum mobilen Betriebssystem der Zukunft wird, in der immer mehr Menschen ihr digitales Leben via Apps verwalten und erleben? "Der Desktop-PC ist nicht mehr das Zentrum des Universums. Das Internet ist es. Aber das Internet braucht nicht Windows", legt sich Blodget fest. "Der Monopol-Status, der Windows all die Jahre geschützt hat, bricht zusammen."

Folge: Microsoft könnte nicht ein langsamer Abstieg bevorstehen – sondern ein regelrechter Absturz: "Von Tag zu Tag wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass Microsofts Geschäft in einigen Jahren schlicht kollabiert", fällt Blogets vernichtendes Urteil aus. Ein vernichtendes Zeugnis auch für den Ober-Verantwortlichen: CEO Steve Ballmer.  

Das liegt nicht zuletzt daran, dass es das Unternehmen in der vergangenen Dekade trotz aller Anstrengungen nicht vermocht hat, sich als ernst zu nehmender Google-Konkurrent im Internet zu etablieren. 23 Milliarden Dollar hat Microsoft im vergangenen  Jahrzehnt im Web umgesetzt – und dabei in einem Zeitraum, in dem Google vom Studenten-Startup zum Weltkonzern aufstieg, unglaubliche 7 Milliarden Dollar verbrannt.    

Steve Ballmer: Erste Wetten auf die Ablösung laufen

Zu verantworten hat das in erster Linie Bill Gates’ Studienfreund Steve Ballmer, der das Unternehmen seit eben einer Dekade führt. Erschreckende Bilanz für Aktionäre: Der Börsenwert des Unternehmens hat sich seitdem gedrittelt! Entsprechend könnte der Sohn von Schweizer Einwanderern bald selbst in der Diskussion stehen: "Microsoft setzt Ballmer 2010 vor die Tür", wettet das renommierte Nachrichtenmagazin Newsweek  bereits in seiner Jahres-Prognose auf das diesjährige Ende des 54-Jährigen.   

Es wäre der traurige Abgang einer der exzentrischsten CEOs der Technologiebranche, der einst wie von der Tarantel gestochen über die Bühne lief und brüllte: "I love this company". Heute stellt sich die Frage: wie lange noch?

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