„Die Chancen liegen im digitalen Geschäft“

Der Aufstieg des erst 1996 gegründeten Kommunikations-Dienstleisters Telegate zur Nummer zwei auf dem deutschen Markt war steil. Der Slogan "Da werden Sie geholfen" aus der Kampagne für die "11 88 0" gehört zu Klassikern kultiger Werbung. Doch längst gilt die Formel für mehr als Telefonauskunft. Seit Jahren erweitert Telegate sein Portfolio an Services. Im Interview mit MEEDIA spricht Vorstandschef Andreas Albath über Herausforderungen des digitalen Strukturwandels und Unternehmensstrategien.

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Wie haben sich die Rahmenbedingungen für Ihr Unternehmen geändert?
Telegate ist historisch betrachtet mit der 11 88 0 Telefonauskunft als klassisches TK-Unternehmen gestartet. Dieser Markt ist heute gesättigt. Die Chancen liegen künftig im digitalen Geschäft. Das erfordert von den Marktteilnehmern ein Umdenken und eine Transformation, und genau darauf ist unsere Wachstumsstrategie ausgerichtet.
Auf den Punkt gebracht heißt das?
Telegate wird zum Premium-Anbieter für die Lokale Suche auf allen Medienkanälen. Die Lokale Suche ist dabei für uns im Prinzip nichts Neues: Wir waren immer schon immer im Markt für lokale Informationen unterwegs. Telegate ist dort gut positioniert und bringt neben der hohen Kompetenz auch den großen Vorteil bekannter Marken mit.
Warum sehen Sie ausgerechnet im lokalen Bereich große Wachstumschancen?
Wir haben analysiert, wie viel mittelständische Unternehmen in Deutschland für Werbung ausgeben. Die Gesamtaufwendungen belaufen sich dabei auf etwa sechs Milliarden Euro brutto bei einem Gesamtmarktvolumen von etwa 25  Milliarden Euro. Von diesen sechs Milliarden Euro werden nur ein einstelliger Prozentsatz in den Online-Bereich investiert, der Rest geht in traditionelle Werbeformen wie zum Beispiel Anzeigenblätter, Out of Home, Prospekte oder regionale Zeitungen. In den USA liegt der Anteil der digitalen Werbung dagegen heute schon bei durchschnittlich 22 Prozent. Unternehmen, die drei Jahre und jünger sind, setzen sogar schon zu 30 Prozent auf digital. Marktexperten gehen davon aus, dass sich die Investitionen für Online-Werbung auch in Deutschland in naher Zukunft vervielfachen werden. Diesen Markt haben wir im Fokus.
Wie wird sich das auswirken?
Die wesentlichen Treiber des digitalen Business sind Mobile, Social und Local, wobei die Erlöspotenziale der digitalen Geschäftsbereiche für uns nicht in der Nutzer-, sondern in der Werbefinanzierung liegen.
Ist bei lokalen Firmen bei solchen Werbeformen nicht eher eine Do it yourself-Mentalität vorhanden?
Für Mittelständler ist die werbliche Präsenz im Internet vor dem Hintergrund einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu sehen. Natürlich kann man vieles auch selber machen, aber faktisch tun das nur sehr wenige. Viele Unternehmer haben keine Berührungspunkte mit diesen Themen, und gerade junge Firmenchefs konzentrieren sich lieber auf die Entwicklung des Kerngeschäfts, als sich auch noch um Homepage, digitale Werbung und Marketingstrategien Gedanken machen zu müssen. Die Konsequenz: ‚Do it for me’ ist für viele sinnvoller als ‚Do it yourself’.
Wie gehen Sie dabei vor?
Es ist unsere klare Strategie, diesen lokalen digitalen Werbemarkt konsequent weiter zu erschließen. Wir bieten unseren Kunden dabei als Full Service-Anbieter ein breites Portfolio an Dienstleistungen und Angeboten. Kleine und mittelständische Unternehmen erhalten über unsere Vertriebsmarke „Telegate Media“ ein modernes „One-Stop-Advertising“-Angebot: Branchenwerbung in den fünf Telegate-Auskunftskanälen kombiniert mit Vermarktung über reichweitenstarke Partner. Gerade im lokalen Markt spielt Vertrauen eine große Rolle. Mit bundesweit 450 Vertriebsmitarbeitern verfügen wir über eine Infrastruktur, die es ermöglicht, den direkten Kontakt zu den Gewerbetreibenden zu pflegen und auch der für viele wichtigen Ratgeberfunktion nachzukommen. Und viele überzeugt es auch, dass wir hochkarätige Kooperationspartner gewinnen konnten. Wenn Google mit Telegate zusammenarbeitet, denken viele zu Recht: ‚Dann müssen die ja was drauf haben’.
Unter Telegate-Media bieten Sie das Dienstleistungsspektrum der Klicktel AG an, woran Sie eine Mehrheitsbeteiligung halten. Welche strategischen Kooperationen mit anderen Unternehmen stehen noch an?
Vodafone, Nokia und Freenet sind 2010 als Partner dazugekommen. Mit allen haben wir erfolgsabhängige Kooperationsmodelle vereinbart. Wir betrachten diese Partnerschaften als Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Was heißt das mit Blick auf die Zahlen?
Im ersten Quartal 2010 hat sich vor allem unser Werbevertriebsgeschäft positiv entwickelt – der Umsatz des Geschäftsbereichs Media stieg um fast 20 Prozent. Das verdeutlicht, welche Wachstumspotenziale hier liegen.
Viele Medienhäuser sehen großes Potenzial bei den Tablet-Computern, vor allem beim iPad. Wird dies den Markt verändern?
Das Thema iPad ist interessant, allerdings haben viele dabei unrealistische Erwartungen. Entscheidend scheint mir, dass Tablet-Computer zum selbstverständlichen Teil der digitalen Nutzung in vielen Haushalten werden, was sicher positive Effekte auch im Bereich der Werbeaufwendungen mit sich bringt.

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