Cannes 2010: die Löwenjagd ist eröffnet

Die Werbebranche feiert sich wieder: Seit Sonntag ist das 57. Internationale Werbefestival in Cannes eröffnet. Bis zum 26. Juni tummeln sich an der Croisette tausende Delegierte, um die Gewinner der Cannes-Löwen zu küren. Eingereicht wurden 24.242 Arbeiten aus 90 Ländern – viel Arbeit für die Juroren, die in zwölf Kategorien Preise vergeben. Und ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Krisenjahr 2009: Damals wurden nur 22.652 Konzepte eingereicht. Die Deutschen hielten sich dagegen zurück.

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Das größte Werbefestival der Welt 2010 verzeichnet wieder Zuwächse. Im Lauf der Woche finden Workshops, Seminare, Vorträge und Ausstellungen statt, gekrönt von den insgesamt vier Preisverleihungs-Galas, bei denen die Werbe-Oskars verliehen werden.
Das Festival scheint sich von der Wirtschaftskrise zu erholen, nach dem Rekordjahr 2008 waren die Einreichungen 2009 um 20 Prozent eingebrochen, die Teilnehmerzahlen halbierten sich. 2010 haben sich die Zahlen wieder stabilisiert, die Zahl der Beiträge ist um sieben Prozent auf 24.242 gestiegen. Das liegt allerdings vor allem an der neu eingeführten Kategorie "Film Craft", auf die ganze 1110 Beiträge entfallen.
Dagegen führend die Veranstalter diese Entwicklung auch auf ihre Bemühungen zurück, das Festival attraktiver zu machen: Neben der neuen Film-Kategorie gibt es 2010 auch einen eigenen Wettbewerb für Wohltätigkeits-Kampagnen, sowie für die "Independent Agency of the Year". Weil das Programm-Pensum für die Teilnehmer damit immer komplexer wird, bieten die Veranstalter sogar einen eigenen Orientierungsworkshop "How to Cannes" – jeden Morgen gibt es Tagesablauf-Tipps.
Die immer neuen Kategorien sorgen nicht nur für Konfusion, sondern zunehmend auch für Unmut. Kritiker monieren, dass nicht die Kommunikationskanäle, sondern die dahinter stehende Idee prämiert werden sollte. Zudem kostet jede Einreichung Geld – und die Veranstalter des Werbefestivals verdienen damit bestens.
Zudem lassen sich immer mehr Promis für die Cannes-Lions einladen: Hollywood-Star Ben Stiller will über gute Werbung referieren, die Regisseure Spike Jonze und Wim Wenders haben sich ebenfalls angekündigt und Yoko Ono plant an der Croisette einen Vortrag über Musik.
Und doch: Der erste Blick täuscht. Denn aus Deutschland kommen 2010 mit 1891 Einreichungen sogar weniger Arbeiten als in den Vorjahren. Damit sinken auch die Chancen für Deutschland, Löwen zu gewinnen. Qualität statt Quantität hat sich die Branche verordnet und hatte damit schon einmal Erfolg: Im Krisenjahr 2009 hat Deutschland mit weniger Einreichungen fast genau so viele Löwen gewonnen (51) wie 2008 (54). Das macht Mut für die Löwen-Ausbeute in diesem Jahr.
Darüber hinaus haben sich 2010 so wenige deutsche Werber wie lange nicht akkreditiert. Nur 150 zahlende Deutsche nehmen am Wettbewerb teil – nur ein Bruchteil früherer Zeiten. Dennoch fahren viele trotzdem als Touristen nach Südfrankreich und hoffen auf kostenlose Restplätze. Denn genau wie ihre Kunden müssen auch die Kreativen sparen.

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