Fußball-WM zwingt Twitter in die Knie

Horror-Monat für Twitter: Der beliebte Mikroblogging-Dienst hat immer öfter Schluckauf. Der schlafende Wal, Symbol der Unzulänglichkeit, treibt User rund um den Erdball zur Weißglut. Und nicht nur das: Tagelang war bei vielen Nutzern der Großteil der Tweets verschwunden. Ganz offenbar ist der hochgewettete Facebook-Herausforderer dem User-Ansturm seit Beginn der WM nicht gewachsen. Darauf deutet auch die jüngste Verschiebung des Authentifizierungsprotokolls OAuth hin.

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Eine Woche ist die 19. Fußball-Weltmeisterschaft nun schon alt. Für den hippen Mikroblogging-Dienst waren es nicht gerade die besten sieben Tage der noch jungen Firmengeschichte. Im Gegenteil: Twitter zeigt Schwächen, die in dem Ausmaß nicht bekannt waren.

Dabei hatte vergangenen Freitag noch alles so farbenfroh begonnen: Wer über Spiele bei der WM twittert, kann dies mit "Flag Tags" dokumentieren, die als Länder-Kürzel per Hashtag zum Tweet  zugefügt wurden – fertig ist das Twitter-Fähnchen. Bald jedoch sahen User bis auf den "Failwhale" gar nichts mehr: Immer öfter ging der Social Media-Dienst in die Knie.

Twitter: "Wir wissen um den besonderen Einfluss der Fußball-WM"

Ganz ohne Vorwarnung kommen die Aussetzer, die vor allem beim Vorrundenspiel England gegen die USA zu besichtigen waren, nicht: Erstmals muss die gerade mal vier Jahre alte Internet-Plattformen mit einem wochenlangen Weltereignis umgehen, das tatsächlich rund um den Erdball für großes Mitteilungsbedürfnis sorgt. Auf 190 Millionen Nutzer kommt Twitter COO Dick Costolo zufolge inzwischen bereits – 65 Millionen Tweets werden jeden Tag versendet.      

Die WM macht nun deutlich, dass die Infrastruktur des kalifornischen Start-ups dem Massen-Ansturm offenbar nicht gewachsen ist. "Wir wissen um den besonderen Einfluss der Fußball-WM", gibt Twitter-Pressesprecher Sean Garrett zu, "wir haben aber nicht mit einigen Komplikationen bei der Anpassung und Optimierung gerechnet, die sich dann ergeben haben."

Mashable: "Dieser Monat wird für Twitter zur Hölle"

Ergebnis: Doppelt und dreifach gepostete Tweets, während im User-Archiv plötzlich bis zu zwei Drittel der Beiträge verschwanden, um dann wieder aufzutauchen. Dazu summierte sich die "Downtime" im Juni bereits auf über fünf Stunden, während noch im letzten November gerade mal Aussetzer von 22 Minuten gezählt wurden. "Was die Stabilität unserer Seite angeht, war das unser schlimmster Monat seit vergangenem Oktober", gibt Twitter-Pressesprecher Garret unumwogen im letzten Blogeintrag  zu.  
 
Doch das ist noch nicht alles. Um die jüngste Probleme in Griff zu bekommen, wurde vergangene Nacht die seit Monaten angekündigte Einführung des neuen Authentifizierungsprotokolls OAuth auf Mitte August verschoben.  Das erste Feedback ist vernichtend: "Angesichts der Umstände ist die Verschiebung von OAuthcalypse zwar der richtige Schritt des Unternehmens", schreibt der Internetbranchendienst Mashable. "Man muss sich aber auch fragen, welche anderen Features und Projekte wegen der massiven Ausfälle verschoben werden. Dieser Monat wird für Twitter zur Hölle."  

Eifrigen deutschen Fußball-Twittern dürfte das erst mal egal sein. Für heute 13.30 Uhr dürften sie nur einen Wunsch  haben, den aber gleich doppelt: Hauptsache Twitter hält – genau wie die DFB-Abwehr.

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