Ist der Kult um Apple schon bald vorbei?

Eigentlich scheint alles für Apple zu laufen: Das frisch gelaunchte iPad verkauft sich wie geschnitten Brot, das neue iPhone 4 ist kurz vorm Verkaufsstart, und jüngst hat man den Langzeit-Rivalen Microsoft als das wertvollste Unternehmen der Welt abgelöst. Alles supergut in Cupertino? Nicht ganz: Denn mit der neuen Größe kommen neue Probleme. Der Apple-Hype könnte schon bald seinen Zenit überschritten haben, zudem drohen unschöne Auseinandersetzungen mit den Kartellbehörden.

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Eigentlich scheint alles für Apple zu laufen: Das frisch gelaunchte iPad verkauft sich wie geschnitten Brot, das neue iPhone 4 ist kurz vorm Verkaufsstart, und jüngst hat man den Langzeit-Rivalen Microsoft als das wertvollste Unternehmen der Welt abgelöst. Alles supergut in Cupertino? Nicht ganz: Denn mit der neuen Größe kommen neue Probleme. Der Apple-Hype könnte schon bald seinen Zenit überschritten haben, zudem drohen unschöne Auseinandersetzungen mit den Kartellbehörden.

Der „Hype“ gehört längst zum Grundvokabular, wenn es um Apple geht: „Ein Hype geht um die Welt„, titelte die Süddeutsche Zeitung etwa zum internationalen Verkaufsstart des iPads. „Der Apple-Hype und die Realität“, schlagzeilte auch die österreichische „Presse“, als Apple Ende Mai nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder den großen Rivalen Microsoft an der Börse überholt hatte und zum wertvollsten Tech-Konzern der Welt aufgestiegen war. Und der Spiegel hatte den Mac-Hersteller rund einen Monat zuvor erstmals auf das Cover gehoben und getitelt: „Der iKult – Wie Apple die Welt verführt

Keine Frage: Apple ist auf dem Thron angekommen. Nie war der Konzern wertvoller und die Produkte heißer begehrt als heute. Doch gerade in der Stunde des größten Triumphs stellt sich bekanntlich die Frage, welche Probleme nun auf das Unternehmen zukommen könnten? Schließlich hat Apple nach mehr als einem Jahrzehnt der Serienhits ein Lauf hinter sich wie er noch keinem anderen Technologiekonzern gelungen ist.

Nach dem Erfolgsjahrzehnt: Hält der Hype an?

Hierin könnte die zukünftige Gefahr des Computer-, Mobiltelefon- und Unterhaltungselektronik-Herstellers liegen: Der phänomenale Wiederaufstieg Apples ist so eng wie bei keinem anderen Konzern mit ihrem Gründer selbst verbunden. Steve Jobs hat eine Krebserkrankung und eine lebensbedrohliche Lebertransplantation hinter sich. Er ist 55, und eine Nachfolgeregelung ist weiter völlig ungeklärt.

Und selbst wenn Jobs fünf oder gar zehn weitere Jahre an der Spitze des Konzerns bleibt, scheint es nicht gesichert, dass sich seine Erfolgssträhne in dieser Form beliebig fortsetzen lässt. Eine gewisse Apple-Müdigkeit könnte einsetzen, je mehr der Konzern, der tief in der Pop-Kultur verankert ist, im Mainstream ankommt. Noch sind die Produkte hochpreisig – doch iPhone, MacBooks und iPads sind so erschwinglich wie es Apple-Angebote vor zehn Jahren nicht waren. Was für operativen Erfolg gut ist, könnte irgendwann auch das exklusive Image des Unternehmens ankratzen.

Adobe-Fehde tritt Ermittlungen der US-Handelsaufsicht FTC los

Ein weitaus unmittelbareres Problem könnte auf das Unternehmen im Zuge seiner immer marktbeherrschenderen Stellung zukommen – es ist das alte Microsoft-Problem der Monopolstellung. So hat die US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) vergangene Woche nun tatsächlich ein Verfahren gegen Apple aufgenommen, das zum Gradmesser für die Geschäftspraktiken des Kult-Unternehmens werden könnte.

Ins Visier der FTC ist Apple in erster Linie durch sein restriktives Auftreten gegen den Softwarehersteller Adobe geraten, dessen Flash-Player trotz zahlreicher Nachbesserungen immer noch von CEO Steve Jobs als Standard abgelehnt und von iPhone und iPad verbannt wird. Auch das undurchsichtige Verhalten gegenüber Software-Entwicklern war in der Vergangenheit immer wider kritisiert worden.

Google-Beschwerde gegen iAds

Doch das ist längst noch nicht alles: Google hatte sich erst vergangene Woche über Restriktionen der zum 1. Juli startenden mobilen Werbeplattform iAds beschwert, die es nicht erlauben soll, Online-Werbung von Google, Microsoft oder anderen Unternehmen zu integrieren. Googles eigener Werbedienst AdMob würde demnach ausgeschlossen werden.

Betroffen wären davon auch App-Entwickler, wie sich Googles Admob-Chef Omar Hamoui beklagt: „Diese Auflagen schaden sowohl großen als auch kleinen Entwicklern, indem sie ihre Möglichkeiten, Geld zu verdienen, drastisch einschränken. Und da enorm viele kostenlose oder billige Apps durch Werbung finanziert werden, schaden Apples Auflagen damit auch dem Verbraucher.“

Juristische Maßnahmen könnte sich jahrelang hinziehen

Doch das sind noch nicht alle Baustellen. So hat das US-Justizministerium unlängst bereits seine Ermittlungen gegen Apple nach Beschwerden der Musikindustrie eingeleitet. Mit einem Marktanteil von 70 Prozent nimmt der iTunes Musikstore eine monopolartige Stellung auf dem Download-Markt ein – und kann entsprechend die Bedingungen diktieren. Und dann gibt es da noch die Patentklagen von Nokia und HTC auf dem Mobilfunkmarkt.

„Wir werden eine vertiefende Unterhaltung mit Apple haben“, kündigte der demokratische Senator Mark Pryor schon die neue harte Gangart Washingtons an. Für den neuen Technologie-Platzhirsch Apple könnte sich da also einiges zusammenbrauen.

Die Verfahren-Praxis gegen Microsoft zeigt aber auch: Bis es zu juristischen Schritten und drakonischen Strafen kommt, können viele, viele Jahre ins Land gehen. Mehr als zehn Jahre ist etwa es, dass ein US-Richter wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens eine Zerschlagung Microsofts forderte – den Redmonder Rivalen gibt es bekanntlich noch heute in Gänze.

Problematischer könnte für Apple die zunehmend kritische Haltung der Medien werden, die einerseits große Hoffnungen in die edle Hardware setzen und Jobs für die Etablierung eines Geschäftsmodells in einem schon verloren geglaubten Markt bewundern – andererseits aber massive Schwierigkeiten mit den Geschäftsbedingungen und inhaltlichen Restriktionen. So berichtet etwa Zeit.de heute über einen Fall von Zensur, bei dem Apple in einer App zu Herman Melvilles Klassiker der Weltliteratur Moby Dick aus dem Sperm Whale (englisch für Pottwal) einen s***m whale – das Wort Sperm bedeutet im Englischen auch Sperma und wird deshalb von Apple verfremdet.

Solche Eingriffe sehen Verlagsmanager mit Grausen, der Widerstand gegen die willkürliche Diktatur der globalen Hardware-Avantgarde wächst. Die Bereitschaft auf Alternativ-Produkte, die vielleicht weniger schick sind, dafür aber ohne Knebelvorschriften als Plattform der Verlagsinhalte genutzt werden können, wird immer größer.

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