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Wut-Wut-Zelas: Megakrach um WM-Tröten

Die noch junge Fußball-WM hat ihren ersten großen Streit. Viel Lärm um Nichts, sagen die einen, andere glauben an eine ernsthafte gesundheitliche Gefahr. Alles dreht sich um Vuvuzelas, die afrikanischen Tröten, mit denen Fans ihre Teams anfeuern. Wie höllisch laut summende "Killerbienen", so eine TV-Kommentatorin, sind die Geräusche selbst in durch Doppelglas abgeschotteten Fernsehkabinen zu hören, im Stadion erreicht der Gerräuschpegel die Lautstärke eines startenden Düsenjets. Oder einer Motorsäge.

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Spiegel Online zitiert am Sonntag den wohl weltbesten Fußballer, Argentiniens Lionel Messi, für den die Vuvuzela ein Ärgernis seien: "Es ist unmöglich sich mitzuteilen, wenn man wie taub ist."  Immerhin gelang es seiner Mannschaft, einen 1:0-Auftaktsieg einzusacken. Die Franzosen, die gegen Uruguay seltsam blass aussahen und nur ein enttäuschendes 0:0 markierten, waren dagegen außer sich: Aufgrund des ständigen Tröten-Lärms rund um das Mannschaftshotel hätten die Spieler nachts kaum schlafen können.
Bei Facebook gibt es bereits Anti-Vuvuzela-Gruppen, Twitter quillt über von genervten Tweets der WM-Enthusiasten. Aber natürlich gibt es auch Stimmen, die mahnen, dass der afrikanische Brauch als landestypische Folklore akzeptiert werden sollte, egal ob dass Dauergedröhne nervt oder nicht.
Bei den übertragenden Fernsehanstalten wird das Ganze nüchterner beurteilt. Denn die Sender stehen vor dem Problem, entweder den kompletten Geräuschpegel und damit auch die Stimmung herunterzuregeln oder es hinzunehmen, dass die Reporter und die TV-Zuschauer vom Vuvuzela-Alarm belästigt werden, der bei vollem Stadion problemlos 120 Dezibel erreicht. Wie reagieren die WM-Organisatoren und die von der Fifa beauftragten TV-Produzenten, die das Standardsignal für alle Fernsehmedien liefern?
"Die müssen sich da was einfallen lassen", zitiert Spiegel Online einen ARD-Mitarbeiter: "Das Problem mit den Vuvuzelas ist seit dem Confed-Cup 2009 in Südafrika bekannt. Das sind Unzulänglichkeiten, an denen gearbeitet werden muss." Angeblich haben sich bereits etliche Fernsehanstalten aus aller Welt über den kollektiven Störton beschwert und Maßnahmen dagegen eingefordert.
Bei großen deutschen Public Viewings ist das Gedröns bereits untersagt, aber auch der Weltverband könnte nachziehen. Wie die BBC berichtet, wollen die Organisatoren beobachten, wie sich die massenhafte Nutzung von Vuvuzelas auf den Spielbetrieb auswirkt und bei einer nachweislichen Beeinträchtigung handeln. Es gibt also durchaus Grund zur Hoffnung, dass das Dauer-Gebrumme im Lauf der Weltmeisterschaft verstummt. Dagegen spricht, dass Fifa-Präsident Sepp Blatter eine Zwangsmaßnahme kategorisch ablehnt. Der Schweizer, der sein Amt vor allem mit Stimmen aus Afrika ergatterte, stilisiert die Nutzung der Nerv-Trompeten quasi zum Menschenrecht. Und Blatters Widerstand ist alles andere als leicht zu knacken.
Der Streit um die volle Fan-Dröhnung dürfte vorerst also weitergehen.

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