TV-Fußball im Büro: erlaubt oder verboten?

Heute beginnt das Sportereignis des Jahres. Zur Arbeitnehmer-unfreundlichen Anstoßzeit um 16 Uhr ertönt der Anpfiff zur Weltmeisterschaft in Südafrika. Der Gastgeber trifft auf Mexiko. Zeitgleich werden unzählige Fans an ihren Werkbänken stehen und an ihren Schreibtischen sitzen und leiden. Denn wenn der Chef nicht will, kann das eigenmächtige Public Viewing im Großraumbüro schnell mit der Roten Karte für den Angestellten enden. Das Radio darf hingegen, anders als Bewegtbilder, nicht verboten werden.

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Gelobt seien die Mitarbeiter der Elektromärkte dieses Landes. Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig, als die WM zu verfolgen. Von den zahlreichen Flachbildschirmen wird ihnen mit größter Wahrscheinlichkeit in den nächsten vier Wochen kaum einmal etwas anderes entgegen flimmern. Die Mehrheit der Arbeitnehmer sehnt sich in diesen Zeiten wohl nach einem solchen Beruf. Doch auch der normale Schreibtischtäter oder die Großraumsitzerin haben durchaus ihre Chance, nicht ganz auf das Sport-Event verzichten zu müssen.

Grundsätzlich ist es so, dass der Arbeitgeber es seinen Angestellten nicht komplett verbieten kann, ein Medium, das die Spiele überträgt, am Arbeitsplatz zu benutzen. Da sich das entsprechende Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 1986 aber eher auf das Radio bezieht, bleiben bewegte Bilder weiterhin draußen. Und selbst wenn kein offizielles Verbot eines Fernsehers vorliegt, ist das kein Freibrief für die arbeitenden Fußballfans.

Fernseher lenken aufgrund ihres optischen Reizes stärker von der eigentlichen Arbeit ab als das nebenbei laufende Radio. Deshalb warnt der Bremer Fachanwalt für Arbeitsrecht Klaus-Dieter Franzen auf der Homepage des Verbands deutscher Arbeitsrechts-Anwälte davor, ohne ausdrückliche Genehmigung des Bosses die Flimmerkiste einzuschalten. Wer sich trotzdem dazu entschließt, eine 90-minütige Pause einzulegen, riskiert dabei seinen Job oder zumindest eine Abmahnung. Ebenso wenig darf der Angestellte seinen Feierabend eigenmächtig vorverlegen, bloß um Spanien gegen die Schweiz daheim beim Bierchen genießen zu können.

Und nicht einmal bei den Abendspielen ist man davor gefeit, diese wegen der Arbeit zu verpassen. "Richtig bitter kann es für den Arbeitnehmer werden, wenn das Spiel erst am Abend nach Feierabend laufen soll und der Vorgesetzte von dem Arbeitnehmer verlangt, Überstunden zu machen", so Franzen. Hier sei ein Blick in den Arbeits- oder Tarifvertrag notwendig.

Wer nun glaubt, die Fernseher-Regelung mit Livestreams im Internet oder dem eigenen Handy umgehen zu können, guckt arbeitsrechtlich wieder in die Röhre. Denn selbst wenn privates Internet-Surfen ansonsten zum Tagesgeschäft gehört, muss das Verfolgen der WM wie beim Fernseher ausdrücklich erlaubt sein. Schließlich ist die Arbeitszeit, die dafür draufgeht, erheblich höher.

Und so werden vor allem am Freitag, dem 18. Juni um 13.30 Uhr, Millionen von Arbeitnehmern hoffen, dass ihr Chef sich auch dafür interessiert, was Philipp Lahm und Co. gegen Serbien ausrichten. Ansonsten bleibt nur die Möglichkeit, die Mittagspause in einem Elektromarkt zu verbringen.

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