Die Sense im Ohr der Medien

Die Woche erlebte die bunte Premiere des Frauen-Kongresses DLD Women. Die Burda-Volontärinnen legten mit dem eazy ein sehr erfrischendes Magazin vor. Eher trist als bunt liest sich der aktuelle Bericht des Medienwissenschaftlers Horst Röper zur Lage der Zeitungen in Deutschland. Der Langzeitvergleich zeigt ein erschreckendes Bild. Ansonsten startet die Fußball WM und mit ihr hat es eine billige Plastik-Tröte namens Vuvuzela (die "Sense im Ohr") zu erstaunlicher medialer Aufmerksamkeit gebracht.

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Burdas DLD Women geht am heutigen Freitag zu Ende. Die Atmosphäre ist schon eine ganz andere als beim großen DLD. Im Deutschen Museum ist beim DLD Women alles eine Nummer kleiner und auch intimer als beim großen DLD. Burda kann die Veranstaltung aber als Erfolg verbuchen. Es war voll und Vorträge und Panels waren bunt gemischt und hochkarätig wie eh und jeh. Rund 500 Personen nahmen laut offiziellen Angaben teil. Rund die Hälfte davon soll gezahlt haben. Als Teilnahme-Gebühr hat Burda 750 Euro aufgerufen, deutlich weniger als die 2.500 Euros, die mittlerweile für den großen DLD verlangt werden. Ein bisschen problematisch ist die Festlegung auf die Zielgruppe Frauen aber schon. Dadurch, dass überall groß "Women" und "Female" drübersteht, ist es ziemlich unmöglich, nicht in die Klischee-Falle zu tappen. Der Inhalt der obligatorischen DLD-Gift-Bag beim spricht Bände: Haarspray, Shampoo, Modeschmuck und, ein bisschen gruselig, ein Regine-Sixt-T-Shirt, das von Wolfgang Joop designt wurde.

Burda, die Zweite: Das plötzliche Feuerwerk an Neuerscheinung aus dem Hubert-Burda-Reich fand diese Woche mit eazy seine Fortsetzung. eazy ist der Versuch, die Idee mit den Schnittmusterbögen aus burda fashion einer jüngeren Generation schmackhaft zu machen. Das könnte klappen. Das eazy-Heft sieht sehr schick und modern aus und hat einen sehr umfangreichen und toll gemachten redaktionellen Teil. Vor allem optisch hebt sich eazy vom üblichen Frauenzeitschriften-Einheitsbrei wohltuend ab. Entwickelt wurde das Heft maßgeblich von Burda-Volontärinnen. Man sollte die Jungen vielleicht öfter mal machen lassen. Das Heft eazy ist jedenfalls rundum sympathisch und hochwertig geworden. Und deutlich origineller als manche andere Neuerscheinung – auch aus dem Hause Burda.

Gar nicht schön liest sich, was der Medienwissenschaftler und Zeitungs-Experte Horst Röper in der Fachzeitschrift Media Perspektiven zusammengetragen hat. In seiner regelmäßigen Analyse Zeitungen 2010 zeigen die Daten für das erste Quartal des Jahres alle nach unten. Vor allem der Langzeit-Vergleich ist beeindruckend – im negativen Sinne. So haben laut Röper von 1995 bis 2010 Kaufzeitungen 33,6 Prozent ihrer Auflage eingebüßt und Abo-Zeitungen 20,1 Prozent. Auch die Sonntagszeitungen verloren in dem genannten Zeitraum 30 Prozent an Auflage. Röpers nüchterne Schlussfolgerung: "Unter solchen Rahmenbedingungen sind Zeitungsgründungen nahezu aussichtslos."

Sonst noch was los? Ach so ja, diese WM. Absoluter WM-Liebling ist die Vuvuzela. Diese südafrikanische Krach-Tröte, die man mittlerweile an jeder Ecke aufgedrängt bekommt, auch wenn man einen Mini-Packen Paulaner kauft. Die Vuvuzela hat es binnen kürzester Zeit zu enormer Beliebtheit gebracht. Darum befassen sich natürlich auch die Medien gerne und häufig mit der schwarz-rot-goldenen Plaste-Tute. Lieblings-Vuvuzela-Schlagzeilen den vergangenen drei Tagen: "Geheimwaffe Südafrikas: Vuvuzela als 12. Mann" (süddeutsche.de), "Weltweiter Vuvuzela Flashmob geplant " (Bild.de), "Olsens Mittel gegen Vuvuzela: Hörgerät aus" (dpa), "Törrrööööööööö!" (Die Welt), "Gesundheitsamt will Vuvuzela Verbot" (Bild.de) und der absolute Vuvuzela-Ticker-Favorit: "Die Vuvuzela wirkt wie eine Sense im Innenohr" (RP-Online).

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