Die Gaga-Meldung zum Healthy Living-Aus

Das Ende einer Zeitschriften-Historie ist stets freudlos. Niemandem macht es Spaß, einen Titel, der einst hoffnungsvoll gestartet war, vom Markt zu nehmen, weil die Lage im Verkauf oder Anzeigengeschäft aussichtslos ist. Und nebenbei eine Redaktion zu entlassen. Doch solche Entscheidungen sind manchmal unvermeidlich und trotz aller Härten richtig. Für Healthy Living trifft all dies zu, und es gäbe wenig zu kommentieren, wenn die offizielle Verlautbarung der Einstellung durch Gruner + Jahr nicht so abstrus wäre.

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Das Ende einer Zeitschriften-Historie ist stets freudlos. Niemandem macht es Spaß, einen Titel, der einst hoffnungsvoll gestartet war, vom Markt zu nehmen, weil die Lage im Verkauf oder Anzeigengeschäft aussichtslos ist. Und nebenbei eine Redaktion zu entlassen. Doch solche Entscheidungen sind manchmal unvermeidlich und trotz aller Härten richtig. Für Healthy Living trifft all dies zu, und es gäbe wenig zu kommentieren, wenn die offizielle Verlautbarung der Einstellung durch Gruner + Jahr nicht so abstrus wäre.
Als die Pressemitteilung am Donnerstag um 11:01 Uhr im E-Mail-Korb landete, mussten viele zweimal hinsehen. Absender war Gruner + Jahr, beim Anlesen der Headline glaubte man allerdings, dies sei ein Versehen. "Vital investiert in Zukunft…", hätte eher zum Jahreszeiten Verlag gepasst, der das gleichnamige Gesundheitsmagazin herausbringt. Dieses investiert also und, nun kommt’s, "übernimmt Titelrechte und Abos von Healthy Living". Moment, denkt man, Healthy Living? Das glücklose Gruner + Jahr-Magazin hat doch erst vor kurzem quasi den Verlag gewechselt, als Klambt die redaktionelle Betreuung übernahm und den Job künftig federführend im Joint Venture mit Gruner erledigen wollte.
Auch der fett gedruckte Vorspann der Mitteilung löst das Rätsel nicht auf: "Nach den erfolgreichen Marketingaktionen rund um das Jubiläum des Titels Vital im vergangenen Jahr, dem Re-Launch von vital.de und Launch des Vital-Diät-Coaches investiert der Jahreszeiten Verlag weiter in die Zukunft seines Titels und erwirbt die Titelrechte sowie den Abonnentenstamm von Healthy Living."
Erst danach folgt die bittere Wahrheit: "Mit der Ausgabe 8/2010 … erscheint die in Hamburg erstellte Zeitschrift Healthy Living nach rund viereinhalb Jahren zum letzten Mal als eigenständige Zeitschrift. Die Redaktion wird geschlossen." Diese Zusammenfassung sowie alles, was folgt, ist einwandfrei, versendet sich aber und segelt geradezu unter der falschen Flagge einer Positivmeldung. Aus der Perspektive des Jahreszeiten Verlags, der die Meldung gleichlautend verbreitetete, erscheint dies legitim und logisch – schließlich ist das Haus nur als Käufer von Titel und Abo-Kartei involviert. Ganz anders sieht dies im Fall Gruner + Jahr aus, das Healthy Living 2005 auf den Markt brachte. 
Die harte Nachricht zu vernebeln, mag dabei die Absicht gewesen sein, was das Ganze aber nicht weniger problematisch macht. Die so wohl angestrebte Lesart erinnert an das PR-Kunststück des früheren Focus-Sprechers Uwe Barfknecht, der es schaffte, den Magazin-Tod der Lifestyle-Ikone Max als "Strategiewechsel" zu verklausulieren. Eine Magazin-Einstellung ist und bleibt aber eine Magazin-Einstellung, und man sollte sie aus vielerlei Gründen nicht anders etikettieren. Einer davon, und vielleicht der wichtigste, ist der, dass sich Stärke oft gerade daran zeigt, Misserfolge auch offen eingestehen zu können. Wer Niederlagen präzise und ehrlich kommuniziert, darf damit rechnen, auch in anderen Zusammenhängen überzeugend zu wirken. Und umgekehrt.

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