Sparkurs: FAZ kündigt ddp und SID

Während die Frankfurter Allgemeine Zeitung guter Dinge ist, nach roten Zahlen im Jahr 2009 in diesem Jahr wieder ein erfreuliches Ergebnis hinlegen zu können, setzt die Geschäftsführung weitere Sparmaßnahmen um. Das trifft vor allem die Nachrichtenagenturen, aber auch den Komfort der Redakteure. Nach dem Deutschen Depeschendienst (ddp) hat es jetzt mindestens auch den Sport-Informations-Dienst (SID) getroffen. Das Team des FAZ-Sports ist darüber nicht begeistert.

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Welche Nachrichtenagenturen gekündigt wurden? "Ach, das Thema ist doch nicht so wichtig als dass ich die Details dazu im Kopf hätte." FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan will nichts bestätigen. Das tun andere: Der ddp bestätigte MEEDIA-Informationen, wonach die FAZ die Kundenbeziehung mit den ddp-Textdiensten schon im Februar stoppte – ausgenommen ist das Fotoangebot der Berliner Nachrichtenagentur, das die FAZ bis auf Weiteres  im Abonnement hält. Nun trifft es aber auch den SID, der gerade erst von seinem verstaubten Stammsitz in Neuss in einen modernen Newsroom an den Kölner Hauptbahnhof gezogen ist. SID-Geschäftsführer Michael Cremer bestätigte, dass die "schmerzhafte" Kündigung des Frankfurter Traditionsblattes eingegangen ist.
Die preisgekrönte Sportredaktion der FAZ kann vom Jahreswechsel 2010/2011 an nicht mehr auf das Tickerangebot des Sport-Fachdienstes zurückgreifen. In der Sportredaktion sind sie über diesen Schritt nicht sonderlich erfreut, aber zweigeteilter Meinung, wie MEEDIA erfuhr. In der FAZ hieß es: "Einerseits freuen wir uns darüber, dass mit der Sparmaßnahme kein Stellenabbau verbunden ist. Andererseits fehlt uns jetzt aber eine Vergleichsmöglichkeit zum Nachrichtenmaterial der dpa." Das Problem: Keine andere Nachrichtenagentur hat Sportmeldungen im Angebot. Und weil der SID im Gegensatz zur dpa eher aus dem Sport und einem gewissen professionellen Fantum entstanden ist, verfügt er bis heute bisweilen bei einigen Disziplinen über bessere Kontakte. "Ob die Streichung des SID zu einem Qualitätsverlust auf unseren Seiten führt, wird sich zeigen", sagen Mitarbeiter.
Redakteure der FAZ berichten auch, neuerdings auf einen gewissen Komfort verzichten zu müssen, der zwar nicht schlimm sei, aber eben seit Jahrzehnten dazu gehörte: Viele Abos hausfremder Titel mussten jüngst abbestellt werden. Viele müssten sich Titel im Ressort teilen. Ein Modell, das bei den Mitbewerbern von der Süddeutschen Zeitung schon vor drei Jahren eingeführt wurde. Zu hören ist auch, dass der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gekündigt wurde. Eine Bestätigung steht darauf jedoch aus: Trevisan verweist auf die weitgehende Belanglosigkeit des Themas. Bei der KNA selbst war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu haben. Klar ist aber so oder so, dass die FAZ ihr bis zuletzt äußerst üppiges Agentur-Portfolio zusammenstreicht.
FAZ-Chef Trevisan sagte MEEDIA hingegen: "Dass wir überprüfen, welche Agenturen wir wirklich brauchen, ist ein normaler Vorgang. Er hat nichts mir Einsparungen zu tun sondern geht auf Wünsche der Redaktion zurück." Ohnehin beschäftige sich sein Haus nicht mit weiteren Sparrunden, anders als noch 2008. Damals beschloss die FAZ einen Einstellungsstopp und legte Abfindungsangebote vor. "Diese düstere Zeit ist jetzt zum Glück vorbei, wir blicken wieder optimistisch nach vorne", so der Geschäftsführer. Trevisan weiter, ohne allerdings konkret zu werden: "Inzwischen haben wir sogar wieder neue Entwicklungsprojekte in der Mache." Das hört sich fast nach einem Versprechen an.

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