Eva Hermans skurriles Web-Comeback

Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman hat eine neue publizistische Heimat gefunden. Beim Kopp-Verlag hat sie ihr jüngstes Buch, "Die Wahrheit und ihr Preis: Meinung, Macht und Medien" veröffentlicht, dort präsentiert sie nun auch eine Web-Nachrichtensendung, die deutliche Anleihen bei der "Tagesschau" nimmt. Das Verlags-Programm bietet allerdings ein Sammelsurium an Verschwörungstheorien: von Geheimbünden bis zu Möchtegern-Weltregierungen und Ufo-Gläubigen ist alles dabei.

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Es war ein weiter Weg für Eva Herman von der "Tagesschau" und dem öffentlich-rechtlichen NDR über ihren Rauswurf erst bei der Kerner-Talkshow und dann beim NDR bis hin zu dem kruden Sammelbecken für Verschwörungstheoretiker beim Kopp-Verlag. Wenn sie nun vor "Tagesschau"-blauen Kulissen "Nachrichten" verliest, "die die Augen öffnen" (Eigenwerbung Kopp-Verlag), hat man als Zuschauer manchmal den Eindruck, dass ihr selbst nicht ganz geheuer ist, was sie das tut. Statt knapp und verständlich formulierter News liest sie verquaste Satz-Gebilde zu angeblichen Geheimdienst-Verstrickungen und seltsamen Untergrund-Organisationen vom Blatt ab, denen man auch als aufmerksamer Zuhörer spätestens nach zwei Minuten nicht länger zu folgen vermag.

Es ist die typische Schachtel-Rhetorik von Verschwörungstheoretikern aus dem Mund einer immer noch professionellen Nachrichtensprecherin. Ein weiterer ehemaliger Vertreter seriöser Medien, der beim Kopp-Verlag untergekommen ist, ist der frühere FAZ-Autor Udo Ulfkotte. Der darf im Interview mit Verlagschef Jochen Kopp "aufklären", warum Facebook von Geheimdiensten unterwandert wird und, eines seiner Lieblingsthemen, warum Journalisten lügen und sowieso einer der korruptesten Berufsstände sind (Stichwort: Presserabatt).

Mit diesem Bild illustriert der Kopp-Verlag einen Beitrag zum Thema Schweinegrippe
Sich die vielen Videos auf der Website des Kopp-Verlags anzuschauen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Alles ist da, was man von zünftigen Verschwörungen erwartet. Der 80er-Jahre-mäßige Bild-Hintergrund mit neonfarbener Weltkarte bei den kruden Anmoderationen von Jochen Kopp. Ein alarmistischer Bericht über Schweinegrippen-Verschwörungen wird unkommentiert mit dem Bild eines seltsamen Mensch-Schweine-Mischwesens illustriert. Die Westmächte verteidigen den Heroin-Anbau in Afghanistan, und der Klimawandel ist auch nur eine Erfindung der Mainstream-Medien. Und vielleicht der so genannten "Bilderberger", einer geheimen Machtelite, die laut den Experten vom Kopp-Verlag gerade eine Weltregierung installieren. Und auch die unvermeidliche Ein-Dollar-Note samt Augen-Pyramide (Freimaurer? Tempelritter?) wabert durchs Bild. Hollywood-Schmonzes wirkt gegen die Kopp-Videos fast wie eine seriöse Dokumentation.
Bei alle dem verschwörungstheoretischen Geraune kann man sich dann aber doch seltsam beruhigt zurücklehnen. Eine Gesellschaft, in der solches Zeugs ungehindert veröffentlicht werden kann, die muss eigentlich ganz schön liberal und meinungsfrei sein. Das ist die eigentliche hintergründige Geheim-Botschaft der "Kopp-Nachrichten".

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