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„Bohlen ist geradezu kriminell blöde“

"Er brachte das Kabarett in die Medien", schreibt die Süddeutsche Zeitung über Dieter Hildebrandt. Im großen SZ-Interview zieht der 82-Jährige erwartungsgemäß über die deutsche TV-Landschaft her. Dieter Bohlen bekommt eine kräftige Watsch'n. Genauso wie der "schnieke Moderator" mit dem großem Nachrichten-Studio, "dem Kleber Stadion". Generell hält der Münchner die Nachrichtensendungen längst nicht mehr für die Flaggschiffe der Sender, sondern nur noch für deren Beiboote.

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Auf die Frage, was die wahren Top-Angebote der Sender sind, liefert Hildebrandt eine knappe und leicht frustrierte Antwort: "Der Sport. Und natürlich Volksmusik, Marianne und Michael, alle abnormen Formen des Musikantenstadls."

Das ist genau die richtige Grantel-Dosis, die man von dem ehemaligen Kopf der Münchner Lach- und Schießgesellschaft erwartet. Die Nachrichtensendungen, die den Kabarettisten am meisten nervt, ist das "heute journal": "Je kleiner die Nachrichten, umso größer wird das Studio. Ich denke mir, wo sind die 3000 Leute, die vor ihm [Kleber] sitzen, just in diesem Moment. Und knurrig, aber lächelnd teilt der Kleber uns mit: gar nichts. Und das in einem riesigen Studio."

Hildebrandt wirft Bohlen vor, dass er und seine "Kumpanen" nur die "Schadenfreude" der Zuschauer ausnutzen, "indem sie Menschen holen, die man brutal ausnutzt. Sie würden nur vor der ganzen Welt bloßgestellt werden. "Man nimmt Ihnen die Würde, um damit einen Riesenlacher zu erzeugen. Das ist kriminell."

Allerdings findet der ehemalige Macher der TV-Legende "Scheibenwischer" nicht alles schlecht. Nachmittags gebe es Wissenssendungen und Dokumentationen, deren Informationsgehalt kostbar sei. Bei den Polit-Magazinen findet Hildebrand vor allem "Frontal 21" sogar "hervorragend".

Zufrieden ist Hildebrandt dagegen mit Stefan Raab. "Und das meine ich nicht erst, seit Lena Meyer-Landrut den Grand Prix gewonnen hat. Raab hat eine gewisse Schlaumeierei in seinen Sendungen. Er ist ein gewiefter Hund. Ich habe ein bisschen Respekt vor seinen Einfällen – und er schlägt sich gut in dieser Branche."
Ein größeres Lob kann ein Showmaster und komplett unpolitischer Entertainer wohl kaum aus dem Mund des Altmeisters des politischen Kabaretts bekommen.

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