On demand: die deutschen Web-Kopisten

Der Kölner Medienunternehmer André Zalbertus (center tv) will gemeinsam mit dem Investor Veit Siegenheim die erste deutsche "Content Fabrik" namens Demand Medien starten. Vorbild ist die US-Firma Demand Media, die das Netz mit Inhalten von Hobby-Autoren überflutet. Dass Deutsche erfolgreiche Startups aus den USA kopieren, hat Tradition. Alando kopierte eBay, StudiVZ kopierte Facebook, City Deal kopierte Groupon. Das Geschäftsmodell besteht meist darin, sich möglichst teuer kaufen zu lassen.

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Die unübertroffene Meisterschaft in dieser Disziplin haben die Samwer-Brüder erreicht. In der New-Economy-Phase gründeten sie mit Alando.de eine deutsche Kopie des US-Online-Auktionshauses eBay. Nur ein halbes Jahr später verkauften sie Alando.de für rund 50 Mio. Euro an das US-Original. Den lukrativen Trick wiederholten die Samwer Brüder mit ihrem European Founders Fund jüngst mit dem Coupon-Anbieter City Deal, einer bis aufs Logo identischen Kopie des US-Originals Groupon. Um den unkomplizierten Einstieg in den deutschen Markt zu schaffen, kaufte Groupon den Samwers City Deal für einen angeblich dreistelligen Mio-Betrag ab. Die hiesige Kundschaft muss sich gar nicht groß umgewöhnen. Logo und Konzept sind ohnehin eins zu eins wie beim US-Original.

Auch andere deutsche Web-Kopisten waren schon mit dem Samwer-Trick erfolgreich. Im Februar übernahm das israelische MyHeritage.com den deutschen Stammbaum-Klon verwandt.de. Und Holtzbrinck kaufte bekanntlich den Facebook-Nachbau StudiVZ für angeblich über 80 Mio. Euro. 2008 wurde das in den USA erfolgreiche Livestreaming-Angebot Friendfeed in Deutschland frech als Freundefeed nachgebaut. Sogar das Logo sah exakt aus wie im Original, was das US-Techblog TechCrunch dazu animierte über die Copy/Paste-Innovationen aus Germany zu lästern. FreundeFeed wurde später umbenannt in Freundenews und selbst dafür fand sich mit dem Social-Bookmark-Dienst Mister Wong (selbst ein Nachahmer des US-Originals Delicious) ein Käufer.

Einige wenige Copycats wurden zu eigenen Erfolgsgeschichten. So war das ursprünglich als Open BC gestartete Business-Netzwerk Xing im Prinzip auch ein Nachbau des US-Originals Linked In, hat aber mittlerweile eine eigenständige Erfolgsstory hingelegt, bevor es letztlich doch von Burda übernommen wurde. Dass die Copycat-Mentalität unter deutschen Web-Unternehmern noch immer ausgeprägt ist, zeigen zuletzt das Beispiel City Deal und nun vor allem Demand Medien. André Zalbertus und sein Kompagnon Veit Siegenheim haben sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, einen eigenständigen Namen auszudenken. Das Kalkül könnte sein: schnell eine gewisse Größe in Deutschland aufbauen. Wenn das US-Original dann hierzulande expandieren will, ist es für die oft einfacher die Brieftasche zu öffnen und den Klon zu kaufen statt sich in langwierigen Konkurrenzkämpfen oder Rechtsstreitigkeiten zu verstricken. Das "Modell Demand Media" habe sich in Deutschland bislang noch nicht flächendeckend durchgesetzt, schreiben die Macher auf der provisorischen Demand-Medien-Website. "Dies will der deutsche Medienexperte und TV-Pionier Andre Zalbertus nun gemeinsam mit Geschäftspartner Veit Siegenheim durch Gründung der "Demand Medien GmbH" (www.demand-medien.de) ändern." Und anschließend an den Meistbietenden verkaufen, könnte man hinzufügen.

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