Anzeige

Das Flattr-Prinzip: zahlen, aber freiwillig

Robert Basic, Thomas Knüwer oder taz tun es: Sie flattrn. Heißt: Sie bitten mit Hilfe des Micropayment-Dienstes Flattr ihre Leser um Spenden bzw. geben ihnen die Möglichkeit für Texte, die ihnen gefallen, einen kleinen Betrag zu geben. Bislang funktionierte freiwilliges Paid Content im Web nicht. Das schwedische Start-up will jedoch beweisen, dass es vor allem daran lag, dass ein technisch einfaches System für Kleinstüberweisungen fehlte. Erstaunlich: Vor allem die Deutschen lieben das neue Angebot.

Anzeige

Das Verfahren von Flattr: Nutzer, die grundsätzlich für Inhalte zahlen möchten, überweisen einen monatlichen Geldbetrag von mindestens zwei Euro an die Schweden. Flattr stellt zudem einen virtuellen Knopf zur Verfügung, den Website-Betreiber in ihre Seiten integrieren können. Gefällt einem Besucher der Inhalt, klickt er auf den Flattr-Knopf (engl. flatter = schmeicheln). Schließlich überweist Flattr aus dem zentralen Topf, abhängig von der klickgezählten Popularität einer Seite, einen anteiligen Betrag an dessen Betreiber.

Video: This is Flattr

Das Flattr-System basiert auf dem Gebot Geben und Nehmen. Nur wer selbst bereit ist zu spenden, darf auch selbst einen entsprechenden Button bei sich einbauen. Überwiesen wird das Geld an die Company aus Malmö via PayPal oder Moneybookers. Mit einem Dauerauftrag oder über eine Einzelüberweisung soll das Flattr-Konto jeden Monat immer wieder neu aufgefüllt werden. Vergisst ein Spender einmal einen Monat sein Geld auf diverse Blogs und Web-Angebot aufzuteilen, spenden die Schweden den gesamten Betrag automatisch. An wen, verrät das Start-up aber nicht.

Auf der Homepage von Flattr gibt es eine Top-Liste mit den am meisten "geschmeichelten" Angeboten und Texten. Mit Chaosradio Express, Netzpolitik.org, Not Safe For Work, fscklog und Bits und so kommen alle Top-Fünf-Angebote aus Deutschland.

Im Interview mit Robert Basic vermutet der Gründer Peter Sunde, dass sein Micropayment-System hierzulande deshalb so gut funktioniert, weil "die Deutschen im Moment ihr Augenmerk gerade besonders auf die Monetarisierung von Content richten".
Flattr hat aber nicht nur Fans in Deutschland. So hat Don Alphonso beispielsweise "generell" ein Problem mit dem System. "Wenn ich etwas so gut finde, dass ich es belohnen möchte, wäre es nicht besser, ich würde das gleich richtig machen?", bloggt er. "Was für eine ‚Belohnung‘ sind per Internet hingeworfene 10, 20 Cent, wenn ich denke, dass andere einen guten Job gemacht haben? Wenn das irgendwer ist, geht das noch – aber im realen Leben würde ich doch auch nicht zu jemandem hingehen und sagen, ‚hey, super, hier haste nen Euro‘." Alphonso empfindet Flattr nicht als "soziale Form des Bedankens".

Sunde gehört längst zu den europäischen Web-Stars. Der Schwede mit finnischen und norwegischen Wurzeln gründete vor dem Micropayment-Dienst bereits den BitTorrent-Tracker PirateBay. Aktuell lebt Sunde in Berlin. Der Skandinavier will mit seinem neuesten Projekt nicht zwangsläufig reich werden. "Seit Jahren beschäftige ich mich vor allem mit Projekten, die die Gesellschaft ändern können", bloggt der Schwede.

Ob seine Entwicklung der Weisheit letzter Schluss ist, weiß der Micropayment-Mastermind nicht. "Flattr ist lediglich ein Konzept und keine finale Lösung. Wir probieren einfach aus und hoffen, dass es funktioniert."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige