Das Medienecho zum Lena-Wunder

Deutschland ist das Lena-Laune-Land: Bild titelt "Lena, wir lieben dich!" und liefert einen simplen Grund: "Weil du einfach die Beste bist!" Die Zeitungen sind sich einig, dass "Satellite" "nicht unbedingt der originellste Song" (taz), Lenas Auftritt "für ihre Verhältnisse eher schwach" (SZ) war und sie "nicht die beste Sängerin" ist (Südwest Presse). Dennoch verzauberte die 19-Jährige die Republik. Die Kanzlerin wurde gar politisch: Lena sei "ein wunderbarer Ausdruck des jungen Deutschlands".

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Bild:
"Lena, wir lieben dich! Weil du einfach die Beste bist. Weil uns jetzt ganz Europa mag. Weil wir endlich wieder gute Laune haben. (…) Was für ein Mädchen! Was für ein Sieg! Was für eine Nacht!"
Süddeutsche Zeitung:
"Dass sie mit einem für ihre Verhältnisse eher schwachen Auftritt punkten konnte, ist indes auch den Konkurrenten geschuldet, von denen viele so wirkten, als hätten sie die Entwicklung der modernen Popmusik schlichtweg verschlafen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung:
"Die Begeisterung für Lena lässt auch deshalb tief blicken, weil es bessere Sängerinnen gibt, versiertere Musikerinnen und talentiertere Tänzerinnen. Dieses Mädchen hat es aber eben gar nicht nötig, jeden Ton zu treffen. Ihr unbefangener Auftritt, der schräge Charme und der kauzige Humor lassen Mäkeleien gestrig wirken."
Welt:
"Und in diesem grellen Durcheinander von Kitsch, Pathos und Inszenierungen tritt Lena aus Hannover  auf die Bühne. Sie sieht aus wie gerade aus dem Bett im Studentenwohnheim gefallen, singt englisch mit einem merkwürdigen Akzent und haarscharf an den richtigen Tönen vorbei. In ihrem schlichten schwarzen Kleid ist sie einfach nur Lena. Vielleicht etwas freundlicher, persönlicher und natürlicher als die anderen. Ihr Lied tut keinem weh."
Financial Times Deutschland:
"Wenn man Stefan Raabs TV-Karriere als Abbild einer männlichen Pubertät sieht – und seine ‚Vivasion‘-Folgen aus den frühen 90ern legen dies nahe -, dann hat der 43-Jährige die schlimmsten Hormonschübe inzwischen hinter sich. Wie er da am Samstag neben Lena Meyer-Landrut in Oslo sitzt und glaubhaft aufgeregt jeder Wertung entgegenfiebert, das hatte weder etwas Zotiges noch etwas Zynisches, also gar nichts vom Stefan Raab der frühen Jahre. Es war vielmehr der Moment des endgültigen Ankommens des ernsten Raab im deutschen Fernsehen. Vielleicht war es sogar das Ankommen einer neuen deutschen TV-Kultur."
Handelsblatt:
"Ausgerechnet Raab, der vor Jahren selbst als Sänger den sinnentleerten Schlagerwettbewerb aufs Korn nahm, entstaubt das euopäische Unterhaltungsformat und mischt die Musikbranche auf. (…) ‚Ich bin überall für dich hingegangen‘, singt Lena in ihrer Eurovision-Hymne ‚Satellite‘. ‚Ich folge deinem Weg, du hast mich‘. Der Text ihres englischsprachigen Hits ist unfreiwillig eine genaue Beschreibung ihrer Arbeitsbeziehung zu Raab. Bisland hat sich die Umlaufbahn für die junge Sängerin ausgezahlt."
Frankfurter Rundschau:
"Ein Hauch von Sommermärchen geht um, seit Lena Meyer-Landrut Samstagnacht beinahe im europäischen Punktemeer versank und den liebgewonnenen Mythos deutscher Chancenlosigkeit torpedierte. Während angesichts düsterer Berechnungen von Ratingagenturen der europäische Traum zerbröselt, stellt der Song Contest die relative Verlässlichkeit von Gewinnprognosen unter Beweis. Das junge Europa feiert sich selbst und seine Freiheit, mit Mastercard und Easy-Jet hinzukommen, wohin man will. Man mag das alles als konfektionierte Show und perfide Medientyrannei nehmen. Seit Samstag ist jedoch klar, dass nicht nur die Deutschen von Lenamania erfasst sind. Möglicherweise ist diese der Ausdruck eines Bedürfnisses, das europäische Spiel noch einmal ganz anders zu beginnen."
taz:
"Ihr Song war nicht unbedingt der originellste, ihre Performance sicher nicht die aufregendste, und die 19-jährige Abiturientin aus Hannover besitzt auch sicher nicht die tollste Stimme, die in Oslo zu hören war. Doch alle Kriterien, denen sonst viel Gewicht beigemessen wird, spielten am Ende nur noch eine untergeordnete Rolle, denn Lena Meyer-Landrut machte deren Fehlen mit schnoddrigem Charme und konsequenter Mädchenhaftigkeit wett. Es war ein Sieg der Bodenständigkeit über Testosteron und tiefe Dekolletés der Bühnenprofis, der Schlichtheit über perfektes Showkalkül."
Ostsee-Zeitung:
"Kein Zweifel, Lena Meyer-Landruth ist das neue Fräulein Wunder der deutschen Pop-Musik. Nach Jahren überaus peinlicher Auftritte im europäischen Wettbewerb – man denke nur an die totale Bauchlandung der Retorten-Truppe No Angels – zeigt die ebenso sympathische wie clevere Newcomerin, was wirklich zählt auf der Bühne: Talent, Ausstrahlung, Persönlichkeit.Ganz ohne Star-Allüren stellte sie nicht nur üppige Dekolletés und laszive Turnereien, teure Choreografien und bombastische Streicher-Arrangements anderer Kandidatinnen in den Schatten, sie konnte mit ihrem ‚Satellite‘-Song auch stärkere Stimmen ausstechen. Lenas Sieg in Oslo darf getrost als frühes Sommer-Märchen gefeiert werden. Wenn Deutschland im Ausland auch nur halb so charmant und bescheiden wahrgenommen wird wie dieses Mädchen rüberkommt, ist das auch ein Gewinn für unser Land."
Berliner Morgenpost:

"Deutschland ist Lena-Land, schichten- und generationenübergreifend verzaubert von etwas Banalem wie Pop. Und es fühlt sich nicht mal peinlich an. Am besten erklärt sich das Phänomen Lena wohl dadurch, was sie alles nicht ist. Sie ist kein Produkt, sie hat keine Exklusivverträge für Interviews, sie hält ihr richtiges Leben unter Verschluss, eine Merchandising-Strategie ist nicht zu erkennen. Lena bietet den Gegenentwurf zur exhibitionistisch-übersteuerten ‚DSDS‘-Geldmaschine, der zwar bis zu zehn Millionen Zuschauer folgen."
Neue Osnabrücker Zeitung:
"Für Deutschland ist diese junge Frau ein Glücksfall, können sich doch viele Jugendliche voll mit ihr identifizieren. Und dabei sehen: Talent ist nicht alles, um Erfolg zu haben. Man braucht vor allem Authentizität."
Südwest Presse:
"Lena verkörpert das ‚Anderssein‘, das ‚Nicht-Perfekte‘. Sie ist nicht die beste Sängerin. Ihr Akzent, wenn sie Englisch spricht, ist seltsam. Ihr Tanzstil, der nicht besonders gekonnt wirkt, ist eines ihrer Markenzeichen. Mit ihrem ‚Anderssein‘ hat Lena für ein Wir-Gefühl in Deutschland gesorgt und dazu beigetragen, dem angestaubten europäischen Gesangswettbewerb einen frischen Anstrich zu verpassen. Sie hat gezeigt, dass Casting-Star nicht gleich Casting-Star ist. Ihr Weg zum Erfolg zeigt, dass es anders geht.(…) Sie ist einfach anders, erfrischend anders. Aber nicht mehr."
WAZ:
"Wir dürfen aufatmen. Wir sind ja jetzt Lena – weil ihr Liedchen unseren Nachbarn besser gefiel als andere Liedchen – und das fällt uns aus vielen Gründen leichter, als Papst zu sein. (…) Im sonst eher verstaubten Wettbewerb triumphierte diesmal das Natürliche über die Inszenierung. (…) Es gibt freilich noch einen Grund, aufzuatmen. Man zwingt uns bei künftigen Grand-Prix-Erinnerungen nicht mehr ausschließlich ‚Ein bisschen Frieden‘ auf und dazu den unvermeidlichen Ralph Siegel. Denn Siegel waren wir nie."
Bundespräsident Horst Köhler:
"Meine Frau und meine Tochter haben mich mit ihrer Begeisterung für Lena angesteckt. Und natürlich habe ich mitgefiebert bis zum Schluss. Ihr Auftritt war unglaublich kraftvoll, frisch und authentisch."
Bundeskanzlerin Angela Merkel:
"Ich gratuliere Lena Meyer-Landrut zu ihrem Super-Erfolg in Oslo. Lena hat mich mit ihrer Natürlichkeit und Herzlichkeit sehr beeindruckt. Sie ist ein wunderbarer Ausdruck des jungen Deutschlands."
Gesundheitsminister Philipp Rösler:
"Mit deiner natürlichen und sympathischen Ausstrahlung hast du nicht nur die Herzen der Menschen in unserer gemeinsamen Heimatstadt Hannover im Sturm erobert."
Bundesaußenminister Guido Westerwelle:
"Eine Botschafterin für unser Land, die in einer Nacht so manches alterhergebrachte Vorurteil sympathisch widerlegt hat."
NDR-Intendant Lutz Marmor:
"Lena hat mit ihrer besonderen Art ganz Europa bezaubert, ein Märchen ist wahr geworden."
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU):
"Lena ist eine ganz besondere Botschafterin für Deutschland: sympathisch, weltoffen, selbstbewusst, lässig, bodenständig und zugleich ein bisschen verrückt."
Thomas Gottschalk:
"So schnell ist noch nie jemand bekannt geworden."

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