Foodwatch kritisiert TV-Köchin Wiener

Die Fernsehköchin Sarah Wiener steht wie keine Zweite ihrer Zunft für gesunde Ernährung. Mit dem Konterfei des TV-Stars wirbt die Deutsche Bahn derzeit in ihren Bordbistros und bietet drei von ihr kreierte Gerichte an. Doch Verbraucherschützer enttarnen Wieners vermeintliche Gourmet-Gastronomie auf Rädern jetzt als Mogelpackung. Geschmacksverstärker, Verdickungsmittel, Aromastoffe – das passt so gar nicht zum Öko-Image der 47-Jährigen.

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Wie die Verbraucherschutz-Organisation „Foodwatch“ am Donnerstag mitteilte, enthielten die mit Sarah Wiener beworbenen Bahn-Aktionsgerichte zahlreiche Zusatzstoffe. Anders als suggeriert, handle es sich nicht um frisch zubereitete Mahlzeiten, sondern um industrielle Convenience-Kost, die Wiener an anderer Stelle immer wieder ablehnte: „Industriell stark verarbeitete Lebensmittel, Fettes und Süßes im Übermaß sowie Nahrung voll chemischer Zusatzstoffe – diese ebenso achtlosen wie ungesunden Essgewohnheiten gilt es zu stoppen“, lässt sich die Köchin auf der Webseite ihrer Stiftung zitieren.

Während für Sarah Wieners Rezept für eine „mit Kerbel-Pesto gefüllte Roulade vom Landschwein, dazu Honig-Petersilien-Karotten und Knöpfle“ laut Bahn-PR nur frische Zutaten benötigt werden, liest sich die nun von „Foodwatch“ veröffentlichte Liste der tatsächlichen Inhaltsstoffe wesentlich länger: Zucker, gehärtete Fette, Geschmacksverstärker, Verdickungsmittel und nicht näher definierte Aromen mischt der Bahn-Zulieferer in das Gericht, ohne dass diese Zusatzstoffe auf der Speisekarte angegeben wären.

Die Verbraucherschützer kritisieren nicht nur das Vorgehen der TV-Köchin und der Deutschen Bahn, sondern auch die nach ihrer Meinung zu laschen gesetzlichen Vorschriften. „Laut Verordnung müssen nicht alle Zusatzstoffe angegeben werden. Der Gast kann nicht erkennen, ob in der Küche frisch gekocht oder ein fertiges Convenience-Produkte nur noch aufgewärmt wird und ob in den Produkten ein Zusatzstoff-Cocktail steckt“, heißt es bei Foodwatch.

Gegenüber MEEDIA erklärte Sarah Wieners Büro, die Köchin habe erst von Foodwatch erfahren, dass für die Gerichte andere als die in ihrem Original-Rezept angegebenen Zutaten verwendet werden. Offenbar fühlt man sich von der Bahn hintergangen. „Sarah Wienter hat der Bahn mitgeteilt, dass sie ein vertragsgemäßes Verhalten erwartet und angeregt, dass die Bahn zukünftig in allen Speisen auf die Verwendung von Zusatzstoffen verzichtet“, heißt es aus Wieners Pressestelle, die auch betont, dass ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf der Aktionsgerichte an eine Hilfsorganisation ginge. „Da es sich um eine Wohltätigkeitaktion handelt, wollen wir die Sache bei der Bahn nicht ins Zentrum der absolut berechtigten Forderung von Foodwatch stellen, die Kennzeichnungspflichten in Restaurants auszuweiten“, lässt Sarah Wiener mitteilen.
Die gebürtige Österreicherin betreibt in Berlin mehrere Restaurants und eine Catering-Firma. Bekannt wurde die mit dem Schauspieler Peter Lohmeyer verheiratete Köchin durch Auftritte in diversen ARD-Formaten sowie als regelmäßiger Koch-Gast in Markus Lanz‘ ZDF-Show.

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