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Selbstmordserie bei iPhone-Hersteller

Kennen Sie Foxconn? Vermutlich nicht, doch in ihrem Notebook oder Computer steckt garantiert ein Bauteil des chinesischen Riesenkonzerns. 400.000 Mitarbeiter beschäftigt der weltgrößte Zulieferer von Computerteilen, der momentan das neue iPhone produziert. Derzeit erschüttert eine Reihe mysteriöser Selbstmorde das Unternehmen. Acht Menschen starben, weitere 30 Suizidversuche wurden registriert. Mit prügelnden Sicherheitsbeamten und buddhistischen Mönchen versucht man nun Herr der Lage zu werden.

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Kennen Sie Foxconn? Vermutlich nicht, doch in ihrem Notebook oder Computer steckt garantiert ein Bauteil des chinesischen Riesenkonzerns. 400.000 Mitarbeiter beschäftigt der weltgrößte Zulieferer von Computerteilen, der momentan das neue iPhone produziert. Derzeit erschüttert eine Reihe mysteriöser Selbstmorde das Unternehmen. Acht Menschen starben, weitere 30 Suizidversuche wurden registriert. Mit prügelnden Sicherheitsbeamten und buddhistischen Mönchen versucht man nun Herr der Lage zu werden.
Eigentlich dreht sich in diesem Blog alles um Technik. Um kleine Geräte, die uns das Leben etwas einfacher machen. Aber irgendwo müssen all die Geräte nunmal hergestellt werden. Beinahe alle großen IT-Unternehmen lassen ihre Produkte in China produzieren. Geringen Lohnkosten sei Dank.
Derzeit beschäftigt der weltgrößte Computerzulieferer Foxconn die Technikwelt. Der asiatische Auftragsfertiger ist in der westlichen Hemisphäre vor allem als Zulieferer von Apple bekannt. Erst jüngst wurde berichtet, dass 24 Millionen iPhones der neuen Generation bei Foxconn in Auftrag gegeben wurden. Apple ist nicht der einzige Großkunde. Zu den Auftraggebern gehören noch Intel, Hewlett-Packard, Dell, Sony, Nintendo und Microsoft. Nun scheint sich über dem Konzern mit Sitz in der chinesichen Industriestadt Shenzen ein Fluch gelegt zu haben. Am vergangenen Wochenende stürzte sich ein junger Mitarbeiter vom Fabrikgebäude in den Tod. Der traurige Vorfall ist bei weitem kein Einzelfall, sondern nur ein weiteres Unglück in einer Reihe mysteriöser Selbstmorde, die den Konzern und ganz China erschüttern.

Acht Beschäftigte haben sich allein in den vergangenen drei Monaten in den Tod gestürzt. Alle Selbstmörder sind jung und arbeiten erst seit wenigen Monaten für das Unternehmen. In weiteren 30 Fällen seien Mitarbeiter gerade noch davon abgehalten worden, sich umzubringen, teilte das Unternehmen am Wochenende mit. In erster Linie geht es um menschliche Schicksale, aber vor allem auch um den Ruf des größten Unternehmens der Welt – gemessen an der Anzahl der Mitarbeiter. Rund 400.000 Mitarbeiter beschäftigt der Hardwareriese.

Zumal Foxconn kein Produzent von chinesischer Billigware ist, sondern Geschäftspartner beinahe jeder bekannten IT-Firma. Der IT-Riese produziert für Intel Motherboards, Notebooks für Hewlett-Packard und Dell, die Playstation für Sony, die Wii für Nintendo, die Xbox für Microsoft, den Kindle für Amazon und gleich mehrere Geräte für Apple. In jedem iPad, iPod, iPhone und Mac stecken Bauteile des chinesischen Großkonzerns. Das Imagedesaster droht nach den vielen Erfolgsmeldungen für das Unternehmen aus Cupertino auch an der Reputation von Apple zu kratzen.
Chinesischer Wallraff berichtet über Missstände                                           Die chinesische Bevölkerung ist ratlos, was sich hinter den Toren des größten Arbeitgebers abspielt. Die Zeitung Southern Weekly schickte jüngst einen 22 Jahre alten Praktikanten als Undercoverjournalisten in das Unternehmen. Er sollte, getarnt als Mitarbeiter, Kontakt zu seinen Kollegen aufnehmen. "Ich war zutiefst schockiert, als ich während meiner geheimen Arbeit herausfand, wie die jungen Foxconn-Angestellten leben", zitiert die Financial Times Deutschland den jungen Reporter. Der Großteil der Belegschaft bilde sich aus Wanderarbeitern, die aus dem armen Landesinneren in die Küstenstadt zögen. Sie arbeiteten nicht nur auf dem Fabrikgelände, sondern schliefen dort auch in kleinen Dreierstockbetten. Und tatsächlich sind mehrere Opfer direkt aus ihren Zimmern in den Tod gesprungen. Vor dem Beginn seines Arbeitsverhältnisses habe er lediglich einen Vertrag unterschreiben müssen, nach dem das Unternehmen nicht belangt werden kann, wenn er Überstunden machen müsse.

Überhaupt würden sich die Angestellten nur kurz ausruhen, schlafen und essen, um dann wieder an die Arbeit zu gehen. Beziehungen, Freundschaften untereinander oder reiner Zeitvertreib: Fehlanzeige. Viele hätten Probleme sich die Namen ihrer Kollegen zu merken, weil alle identische Uniformen tragen und jeden Tag die gleichen Aufgaben erledigen. Außerdem verbreite sich unter der jungen Belegschaft (alle sind in ihren Zwanzigern) der Mythos, dass die Maschinen verflucht seien. Der Grund: In letzter Zeit häuften sich Arbeitsunfälle, ein Mitarbeiter verlor einen Finger.

Mit Mönchen gegen verfluchte Maschinen
Die technischen Wunderwerke, die sie Tag für Tag produzieren, können sie sich jedoch nicht im Entferntesten leisten. Die Löhne starten bei 900 Yuan (etwa 100 Euro) monatlich. Die meisten Angestellten müssten Überstunden machen, um eine gewisse Lebensqualität zu erreichen. Der Reporter der "Southern Weekly" schreibt zudem, dass man krankgeschriebene Mitarbeiter bewundere, weil sie die Möglichkeit hätten, sich endlich auszuruhen. Andere – meist junge Männer, die keine Freundin finden konnten – sähen sich (aus Frustration und Langeweile) in illegalen Internetcafés Pornovideos an.

Regierungstreue Zeitungen versuchen indes, die Suizide damit zu erklären, dass die jungen Menschen eine bessere Ausbildung genossen als ihre Eltern und deswegen umso frustrierter seien, wenn sie nur einen Fabrikjob ergatterten. Das ist aber noch keine Erklärung dafür, warum vor allem Foxconn betroffen ist. In der Zwischenzeit unternimmt das Unternehmen erst einmal alles, um den Imageschaden einzudämmen. Man habe hundert psychologische Berater eingestellt und Telefonhotlines eingerichtet. Damit nicht genug: Zudem sollen Mönche auf dem Betriebsgelände böse Geister vertreiben. Wer einen suizidgefährdeten Kollegen meldet, erhält sogar umgerechnet 60 Euro Belohnung.

Doch der Medienrummel scheint die Stimmung auf dem Foxconn-Campus nur weiter anzuheizen. Gestern veröffentlichte der Gadget-Blog Gizmodo ein Video, das heimlich auf dem Fabrikgeländer aufgenommen wurde. Ob Gizmodo damit über Umwege Apple nachhaltig schaden will, ist unklar. Fest steht nur, dass der Technikblog seit den Querelen um Apples verlorenens iPhone im ständigen Zwist mit Apple liegt. Der kurze Videoclip zeigt, wie Sicherheitsbeamte sehr rabiat gegen Angestellte vorgehen. Mitunter sogar durch den Einsatz von Gummiknüppeln. Was der Grund für die Rauferei war, ist unklar. Die Fotos, die die Southern Weekly jüngst veröffentlichte, zeigen jedoch, dass Prügeleien unter der Belegschaft anscheinend keine Seltenheit sind.

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