News-Studio: ZDF renoviert „grüne Hölle“

Das Poltern des neuen Chefs entfaltet bereits seine Wirkung: Nachdem Peter Frey als erste Amtshandlung das ZDF-Nachrichtenstudio so deutlich kritisierte wie es keiner erwartet hatte, bessert die Redaktion nach – mit anderen Kameraeinstellungen, aber auch mit neuen Formaten. Die am Wochenende gestartete Reihe "Die Woche im Web" bringt dabei sogar das Geschehen im Netz gekonnt ins Studio. Und auch andere Sendungen zeigen, dass sich der 30 Mio. Bau durchaus ohne Albernheiten nutzen lässt.

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Was hat der neue ZDF-Chefredakteur vor nicht einmal zwei Monaten in Berlin geschimpft: Mit dem, wie das virtuelle Nachrichtenstudio des Zweiten auf dem Schirm rüberkomme, sei er "nur eingeschränkt zufrieden". Medienjournalisten diktierte er gar seinen Eindruck in den Block, die ZDF-Moderatoren müssten sich "gegen die neue Technik behaupten, obwohl die Technik eigentlich die Moderatoren unterstützten sollte". "Nicht besonders überzeugend" sei dabei vor allem der Einsatz der virtuellen Räume gewesen, in denen sich Modertoren bewegen können. Und schon jetzt ist klar: Die Nachrichten-Redaktion des ZDF, geleitet von Freys Stellvertreter Elmar Theveßen, bessert nach.

Im sogenannten Opening des "heute-journals" sind Claus Kleber & Co. bereits ein wenig präsenter als noch zum Start des neuen Studios im Juli des vergangenen Jahres – und damit nicht mehr so arg zur Postkartengröße verdammt, die Frey damals ebenfalls kritisierte. Während die Kamerafahrten zu Beginn einer Sendung aber eher Kleinigkeiten sind, zeigt das ZDF-"Wochenjournal" in einer neuen Reihe, wie sich die neue Virtualität mit dem klassischen Studiobetrieb versöhnen lässt.

Dazu hat Theveßens Team die Reihe "Die Woche im Web" ins Leben gerufen: Onlineredakteurin Sonja Schünemann – sonst unter anderem bei der "Wahl im Web" auf dem Infokanal des ZDF zu sehen – präsentiert, was die knapp 25. 000 Mitglieder der "heute"-Gruppe auf Facebook diskutieren. Ihr neues Format ist anders als uns das "Wochenjournal"-Moderator Mitri Sirin verkaufen will, keine "Weltpremiere", aber eben ein so seltenes wie gelungenes Beispiel dafür, wie das ZDF seinen nicht gerade preiswerten Neubau sinnvoll zum Einsatz bringen kann. Und fast nebenbei ist "Die Woche im Web" auch eine äußerst stimmige Demonstration für die Einbindung des Netz-Geschehens in das reguläre TV-Programm, die auf ARD und ZDF sonst eher peinlich daherkommt.

Wie die Redaktion das Internet ins Studio holt, wirkt nicht effekthascherisch wie viele der häufig albernen 3D-Grafiken in "heute" und "heute-journal". Der Dialog zwischen Sirin und Schünemann kommt vielmehr entspannt rüber. Beachtlich ist das vor allem, weil sich die beiden Moderatoren ja eigentlich in einem leeren Raum bewegen, der von den ZDF-Mitarbeitern ob der einfarbigen Wände "grüne Hölle" genannt wird und in dem nur der wuchtige Holztisch wirklich echt ist. Wie die erste "Woche im Web" aussah, lässt sich in der ZDF-Mediathek abrufen.

Die jüngste Entwicklung lässt darauf hoffen, dass auch andere Korrekturen gelingen werden, die Frey angemahnt hat. Zumal auch andere Sendungen, die in dem neuen Studiokomplex produziert werden, ebenfalls beweisen, dass sie mit der neuen Technik souverän umgehen können. Sehr wohltuend ist in dieser Hinsicht das ZDF-"Mittagsmagazin", das Susanne Conrad moderiert und das sich wöchentlich mit der ARD abwechselt. Da bleibt offensichtlich ausreichend Zeit, an der Präsentation der Sendung zu arbeiten. Vielleicht muss sich das ZDF auch einfach mit dem Gedanken anfreunden, dass sich die Virtualität mit den sogenannten Erklärräumen für Kleber und Konsorten in der Tagesaktualität nicht wirklich umsetzen lässt – obwohl Theveßen dafür seinerzeit extra drei Grafikredakteure anheuerte: Journalisten, die auch eine grafische Ausbildung mitbringen. Schlimm wäre diese Erkenntnis gewiss nicht, wenn auf der anderen Seite die Magazine profitieren.

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