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Die anhaltenden Zweifel am WeTab

Das WeTab sorgt nach wie vor für Diskussionsstoff in der Web-Szene. Zuletzt wurde der selbst ernannte iPad-Konkurrent der Berliner Firma Neofonie bei dem Internet-Kongress Next vorgestellt. Doch auch dort hieß es: Anfassen verboten. Touchen darf das vermeintliche Wundergerät nach wie vor in erster Linie Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen. Ihm ist es bisher nicht gelungen, die grundlegenden Zweifel an seinem Konzept zu zerstreuen. MEEDIA listet die fünf größten Kritikpunkte am WeTab auf.

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1. Toucht es oder toucht es nicht?

Das ist so etwas wie die Gretchenfrage beim WeTab. Wann immer das Gerät vorgeführt wird, bekommt die Öffentlichkeit nur kleine Ausschnitte der Touchscreen-Funktionalität vorgeführt. Meisten fährt Helmut Hoffer von Ankershoffen nur mit dem Daumen auf der rechten Navigationsleiste des WeTab rauf und runter. Oder jemand bewegt Bilder Bilder von rechts nach links. Eine überzeugende Demonstration, bei der diverse Programme geöffnet und geschlossen, Bilder vergrößert und verkleinert und frei im Web navigiert wird, bleibt Neofonie bisher schuldig. Der Begriff "touchen" stammt aus der denkwürdig verkorksten ersten Produkt-Präsentation des damals noch WePad genannten Gerätes. Als ein Neofonie-Mitarbeiter sich beharrlich weigerte, einem Journalisten den Touchscreen vorzuführen, fragte er: "Glauben Sie nicht, dass es toucht?"

2. Warum wird das WeTab nicht in fremde Hände gegeben?

Wenn das sagenumwobene WeTab auftaucht, steht es meistens auf einem Ständer und hängt an einem Netz-Kabel. Manchmal hängt auch noch eine Maus dran. Oder ein Neofonie-Mitarbeiter hält das Gerät seltsam vorsichtig und verkrampft in Händen. Gerade so, als habe man Angst, das WeTab könne im nächsten Augenblick zu Staub zerfallen. Bezeichnen waren erneut die Berichte zum Next-Kongress, bei dem Helmut Hoffer von Ankershoffen das WeTab vorstelle. "Anfassen und bedienen war allerdings nicht erlaubt", heißt es in einem Next-Bericht, der für eine lebhafte Diskussion auf der WeTab-Facebook-Seite führte. Viele Nutzer machten sich lustig über das Anfass-Verbot und berichteten von den zahlreichen iPads, die auf der Next unterwegs waren und ohne Netzkabel "touchten". WeTab-Fans konterten mit dem Argument, das WeTab sei nun mal noch ein Prototyp, da sei es verständlich, dass Neofonie das Gerät nicht aus der Hand geben will.

3. Das seltsame Gebaren von Helmut Hoffer von Ankershoffen

In seinen Präsentationen gibt sich Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen stets leutselig als Freund der Offenheit und der Verlage. Kritische Fragen werden von ihm jedoch stets eilig umschifft. Die Frage, warum das WePad hopplahopp in WeTab umbenannt wurde, wird stoisch mit "kein Kommentar" beantwortet. Man würde ja gerne was sagen, aber leider, leider, man darf ja nicht. Selbst wenn ein Rechtsstreit mit Apple wegen des Begriffs "Pad" dahinterstecken sollte: Warum kann man das nicht kommunizieren? Apple hat aus seinem Vorgehen gegen Namensähnlichkeiten und aus Patent-Streitigkeiten bisher keinen Hehl gemacht. Kritische Fragen zu technischen Ungereimtheiten und möglichen Lizenzproblemen beantwortet Hoffer von Ankershoffen lieber gar nicht. In einem Foren-Beitrag auf Facebook wurden zahlreiche Technik- und Lizenzprobleme angesprochen, ohne dass Neofonie darauf reagiert hätte.

4. Starke Konkurrenz steht in den Startlöchern

Die massive Nachfrage nach Apples iPad und die Pläne weiterer namhafter Hersteller wie HTC oder Hewlett Packard sorgen dafür, dass die weltweiten Produktionskapazitäten der komplizierten Touchscreens nahezu ausgeschöpft sind. Ein relativ kleiner Spieler wie Neofonie dürfte Probleme haben, überhaupt genügend Touchscreens für das WeTab zu bekommen. Die Konkurrenz ist aber ohnehin ein Problem und nicht nur die von Apple. Man kann davon ausgehen, dass HTC, HP und andere bald eigene Tablet-Geräte auf den Markt bringen, die das notorisch unfertige WeTab sehr schnell sehr alt aussehen lassen.

5. Es wird zu viel versprochen und zu wenig gezeigt

Neofonie positioniert das WeTab als ein Tablet für Verlage. Und was Helmut Hoffer von Ankershoffen den teilweise verzweifelten Print-Häusern da verspricht ist alles zu schön, um wahr zu sein. Mit einer Plattform namens WeMagazine sollen Verlage ganz einfach ihre Magazin-Inhalte für alle möglichen Digital-Geräte aufbereiten können. Sogar die Original-Layout soll man weiter benutzen könne, das spart ja Geld. Die alte Mär von einem Zauber-Gerät, das sich gleichsam von selbst mit bestehenden Inhalten befüllt, ohne dass man Geld oder Arbeit investieren muss, wird von Verlagen immer noch gerne geglaubt. Neofonie verlangt nach eigenen Angaben viel weniger Provision als Apple, wobei in bewährter Manier nicht öffentlich gesagt wird, wieviel genau verlangt wird. Neofonie zensiert keine Inhalte und das WeTab hat sowieso alles, was beim iPad von Apple kritisiert wird. Das WeTab klingt wie ein schöner Verleger-Traum. Und das wird es vermutlich auch bleiben.

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