Der ungelenke Facebook-Verleger

In einem Artikel in seinem Kölner Stadt-Anzeiger geißelte Konstantin Neven DuMont das Internet als technisches Hilfsmittel für Diktaturen und macht es gleich noch verantwortlich für die Verderbtheit der Jugend, Politikverdrossenheit und Demokratieverfall. Wenn der Kölner Jungverleger grundsätzlich wird, dann wird es argumentativ meist bedenklich. Und er wird oft grundsätzlich. Kein anderer deutscher Medienunternehmer ist bei Facebook und Co. so aktiv wie er. Das Bild, das er dabei abgibt, ist leider kein gutes.

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Konstantin Neven DuMont kommentiert in Blogs, schreibt auf Facebook und moderiert eine Talkshow, die auch im Web übertragen wird. Er ist der Facebook-Verleger unter Deutschlands Zeitungsmännern. Doch seine philosophischen Ausflüge sind oft zu platt, seine Thesen meist zu steil, als dass man seine Äußerungen wirklich ernst nehmen könnte. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete den Kölner Verlegersohn und Erben des Zeitungshauses M. DuMont Schauberg in einem großen Porträt einst als den "Herrn Sonderbar". Das Image als etwas verschrobener Jung-Verleger im Schatten des übermächtigen Vaters Alfred Neven DuMont konnte er bis heute nicht abstreifen. 

Wenn Konstantin Neven DuMont die regionale Talkshow "Quo vadis Colonia?" bei Center TV anmoderiert, beschleicht einen das seltsame Gefühl, dass da einer nicht hingehört.  Irgendetwas passt nicht. Die Haare zu gegelt, der Anzug zu groß, der rheinische Zungenschlag zu schwer, die Fragen zu gestelzt. Es ist nicht leicht, den angestrengt bedeutungsschweren Gesprächen rund um die Kölner Lokalpolitik inhaltlich zu folgen. Schwer folgen kann man dem Verlags-Erben Konstantin DuMont oft auch, wenn er bei seinen publizistischen Ausflügen in den Blättern des eigenen Hauses das große Ganze ins Visier nimmt.

In seinem jüngsten Artikel im eigenen Kölner Stadt-Anzeiger beklagt er, dass die armen Verleger, wie er, im Zangengriff zwischen Internet und öffentlich-rechtlichem Fernsehen gezwungen sind, die Redaktionsetats zu kürzen. Bei Konstantin Neven steht meistens gleich "die Demokratie" auf dem Spiel. Dass er als deutscher Medienunternehmer selbst im Internet unterwegs ist und das Web aktiv zur Kommunikation nutzt, wäre eigentlich begrüßenswert. Wenn, ja wenn, er dabei nicht so oft daneben greifen würde.

Als er bei einem runden Tisch im Bundestagsgebäude in Berlin mal wieder den Demokratieverfall anprangerte, wurden seine Ausführungen von einem "ohrenbetäubenden Lautsprechersignal" gestört. Dass mit dem Tonsignal Abgeordnete zu wichtigen Abstimmungen gerufen werden, es ging wohl gerade um das Rettungspaket für Griechenland, wusste DuMont jr. nicht. Die kleine Anekdote, die man auf seinem öffentlichen Facebook-Profil nachlesen kann, ist bezeichnend. Während Konstantin Reden schwingt, läuft das wirkliche Leben gerade woanders ab.

Konstantin Neven DuMont ist eine fast schon tragische Figur. Hinter seinem Rücken schmunzeln in der Branche viele über ihn und seine ungelenke, naive Art. Ins Gesicht sagen würde ihm das keiner. Zu groß ist der Respekt vor dem Unternehmen, das er repräsentiert, und seinem Vater. So ist er umgeben von Ja-Sagern, die bei ihm angestellt sind, oder die hoffen mit seinem Verlag ein Geschäft zu machen und darum bei rhetorischen Ausflügen ins allzu Wolkige gerne mal beide Augen zudrücken. Wie soll man einem Medienunternehmer, der einem der größten Zeitungshäuser der Republik vorsteht, auch verständlich machen, dass es nicht gut rüberkommt, wenn er für alle sichtbar online Links zu "Neues aus Uhlenbusch" postet ("Für Gockel Konstantin hat fliegen keinen Sinn. Er muss am Boden bleiben und uns die Zeit vertreiben."). Oder dass man Begriffe wie Tiefgründigkeit, Qualitätsjournalismus und Demokratieverfall auch mit echten Inhalten anreichern sollte, wenn man sie schon wie eine Monstranz vor sich herträgt?

Wenn Konstantin Neven DuMont im Internet auf echte, herbe Kritik trifft, ficht ihn das nicht an. Wer ihn kritisiert, ist entweder oberflächlich, recherchiert schlecht, diskreditiert ihn oder verdreht seine Zitate. Er hat um sich ein geschlossenes System der Kritik-Blockade entwickelt. Es dient ihm offenbar zum Selbstschutz.

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