„Die Next ist ein erhebliches Investment“

Eine der größten Internet-Konferenzen Deutschlands ging diese Woche über die Bühne - die Next. Bereits zum fünften Mal hat die Online-Agentur SinnerSchrader das Event veranstaltet, erstmals in Berlin. Das Echo fiel gemischt aus: So sehr die Möglichkeiten zum Networking gelobt wurden, so blass blieben für viele Teilnehmer die Inhalte. CEO Matthias Schrader erklärt gegenüber MEEDIA, mit welchen Hürden die next dieses Jahr zu kämpfen hatte und warum bahnbrechende Trends fehlten.

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MEEDIA: Die next10 mit über 100 Sprechern und mehr als 40 Stunden Vorträgen ist zu Ende.  Wie fällt Ihr Fazit aus?

Matthias Schrader: Positiv! Die Veranstaltung hat so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben uns vorgenommen, Techies und Kreative zusammenzubringen. Die Mischung war gut. Und zunächst war ja in erster Linie der Umzug von Hamburg nach Berlin zu bewerkstelligen.

Der Umzug nach Berlin war sicher  die augenscheinlichste Veränderung: Von Kampnagel in Hamburg in den ehemaligen Postbahnhof „Station“. Warum der Wechsel? 

Um die next internationaler zu positionieren. Natürlich hat Hamburg national seine respektable Bedeutung – auch und gerade für die Web-Szene, wir haben schließlich unseren Agenturstandort hier. Aber international wird in erster Linie natürlich die Hauptstadt wahrgenommen. Die Veranstaltung gehört hier hin!

Hat sich der Wechsel durch einen Zulauf an internationalen Gästen gelohnt?   

In ersten Jahr noch nicht, dafür war die zu Ankündigung auch zu kurzfristig, wir haben uns ja erst im Januar für Berlin entschieden.

Wie viele Teilnehmer waren dieses Jahr auf der next?

1385, das ist die gleich Größenordnung wie im letzten Jahr, obwohl die Konferenz in Berlin ja noch nicht so bekannt ist.

Waren Unterschiede im Publikum zu beobachten?

Das Internet ist mittlerweile auch in der klassischen Agenturszene angekommen. Dieses Mal haben wir viele klassische Werber begrüßen können, die erfahren wollten, wohin sich das Web und Mobile entwickeln und Orientierung suchten. Hier werden Kulturen zusammengebracht.

Inhaltlich war von Besuchern auf der Veranstaltung, via Twitter und von Experten wie Thomas Knüwer Kritik zu hören, die next bliebe hinter den Erwartungen zurück und hätte 2010 wenig Neues geboten. Wie begegnen Sie der Kritik?

Es stimmt sicher, dass keine bahnbrechend neuen Trends zu besichtigen waren wie im letzten Jahr beim Durchbruch von Twitter. Wir werden aber konstruktiv mit dem Feedback umgehen und sicherlich für die next11 auch am Programmkonzept noch Justierungen vornehmen. Wir haben hier noch einige spannende Ideen, die wir jetzt mit den Flächen in Berlin auch endlich umsetzen können.

Vielfach wurde allerdings auch eine schlechte Stimmung bemängelt.

Es fehlte vielleicht etwas an Aufbruchsstimmung in der Breite. Viele Marketeers haben noch einen Kater vom schwierigen Jahr 2009 und nicht wenige Startups kämpfen um ihre nächste Finanzierungsrunde in einem harten Finanz- und Konkurrenzumfeld. Aber: Auf den zweiten Blick gab es sehr spannende Themen, die Grund für Optimismus bieten. Der Basistrend ist stabil: das Internet breitet sich in immer mehr Bereiche des Lebens aus und krempelt Industrien und die Beziehungen zwischen Marken und Konsumenten um. Wer hier gestalten will, muss heute erfahren, was morgen wird.

Von den Teilnehmern wurde auch eine gewisse Sättigung des Social Media-Themas geäußert, so schien es.

Social Media-Plattformen gehören heute zu unserem Leben, so wie wir uns in den letzten 8 Jahren an Google gewöhnt haben und es wie selbstverständlich nutzen. Wir haben daher 2010 nach den "Game Changern" gesucht, die mit Hilfe des Internets die Spielregeln in ihrer spezifischen Branche versuchen, radikal zu ändern.
 
Zum Beispiel?

Denken wir an den ehemaligen "Wired"-Chefredakteur Louis Rossetto, der dank des Internet eine klassische Old Economy-Branche – die Schokoladen-Industrie – revolutioniert.  Denken Sie an John Rogers, der mit seinem neuen Unternehmen Local Motors die Automobilindustrie neu erfinden will. Oder Pablos Holman, der das nukleare Entlagerproblem lösen will. Wir wollten zeigen, was passiert, wenn die Pioniere des Internetzeitalters mit Intelligenz, Vernetzung und einer Portion Naivität nicht nur die Welt der Bits & Bytes, sondern auch der Atome verändern. Hieraus kann man unglaublich viel für die jeweils eigenen Themen herausziehen.

Hat sich die next denn für Sie als Agentur gelohnt?

Meine Kollegen und ich kommen mit vielen Ideen und neuen Kontakten wieder nach Hause.

Und finanziell?

Rein finanziell stellt die next für uns jährlich ein erhebliches Investment dar.  

Wie bitte? Bei 940 Euro Eintritt pro Ticket?

Nun gut, die Mehrzahl der Tickets verkaufen wir in den Frühbucherphasen zu einem wesentlich niedrigerem Preis. Die Produktionskosten für eine Konferenz wie die next unterschätzt man leicht. Für eine schwarze Null müssten die Tickets rund doppelt so teuer sein. Auf kommerziellen Branchenkonferenzen werden diese Preise ja auch verlangt. Uns ist es aber wichtig, diese Mischung zwischen Kreativen und Technikern, T-Shirts und Krawatten zu bewahren. Echte Innovation entsteht nur, wenn wir die gelernten Silos durchbrechen.

Warum nehmen Sie ein solches Event dann auf sich? Ein Charity-Projekte kann es ja nicht sein.

Wir haben die next conference nicht aus einem kommerziellen Marketing-Kalkül entwickelt, sie hat sich mehr oder weniger selbständig aus dem Interesse der aktiven und passiven Teilnehmer entwickelt. Offenbar gab es einen Bedarf. Deshalb nehmen wir uns als SinnerSchrader auch bewusst zurück und versuchen einen guter Kurator für die next-Plattform zu sein.

Wie sieht die im nächsten Jahr aus?

Wir glauben, dass wir mit dem Standort Berlin und der neuen Location "Station" noch unglaublich viel Potential haben, das wir dieses Jahr erst angekratzt haben. Wir haben viele neue Ideen und freuen uns bereits jetzt auf 2011: nach der next ist vor der next!

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