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Welt erscheint mit weißer Titelseite

Am Montag erschienen Springers Tageszeitungen Welt und Welt kompakt mit weißen Titelblättern: ohne Nachrichten und ohne Fotos. Einzig eine Anzeige der Organisation Reporter ohne Grenzen ist unten platziert. "So sieht ihre Zeitung ohne Pressefreiheit aus" ist über dem Falz zu lesen. Grund für das Whitewashing ist der Tag der Pressefreiheit, auf den Chefredakteur Jan-Eric Peters aufmerksam machen will. Doch er erntet für seinen Vorstoß auch Kritik. Die taz monierte die "Oberflächlichkeit" der Aktion.

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Welt und Welt Kompakt sind für den Internationalen Tag der Pressefreiheit exklusiver Medienpartner der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen. Die Layout-Idee mit den weißen Titelseiten stammt von der Agentur Scholz & Friends Hamburg. Die ganzseitige Anzeigenplätze stellte die Welt-Gruppe kostenlos zur Verfügung.
Jan-Eric Peters, Chefredakteur aller Welt-Titel, erklärt die Aktion so: "Pressefreiheit ist überlebenswichtig für jede Demokratie, aber leider keineswegs selbstverständlich. Das wollen wir mit der außergewöhnlichen Aktion in Erinnerung rufen. Die Arbeitsmöglichkeiten für Journalisten sind in Deutschland vergleichsweise sehr gut, aber auch hierzulande wird die Freiheit der Presse beispielsweise durch eine restriktive Rechtsprechung immer stärker eingeengt."
Für die Aktion erntete die Welt allerdings keine einhellige Zustimmung. Die linksalternative taz kritisierte in einem Artikel in der heutigen Ausgabe die Aktion: "(…) eine gute Idee ist das nicht, dafür müsste Springer sich auch schon auch überlegt haben, was das aussagen soll. Dazu fehlt aber zumindest in der Pressemitteilung (…) jeder Hinweis."
Ex-FAZler Wulf Schmiese hatte bei der Presseschau im ZDF-Morgenmagazin einen interessanten Einwand. Nach seiner Ansicht würde eine Zeitung, die der Zensur unterliege, eben nicht mit leeren Seiten erscheinen, sondern mit den vom Staat vorgegebenen Nachrichten.
Beim Axel Springer Verlag wollte man die Kritik auf Anfrage nicht kommentieren.
Der Internationale Tag der Pressefreiheit findet jedes Jahr am 3. Mai statt. Die UNO-Generalversammlung rief den Tag 1991 auf Vorschlag der UNESCO aus. Er erinnert an die "Erklärung von Windhoek", die am jenen Tag zur Förderung einer unabhängigen und pluralistischen Presse verabschiedet wurde. Die Erklärung von Windhoek betont, dass freie, pluralistische und unabhängige Medien ein wesentlicher Bestandteil jeder demokratischen Gesellschaft sind. Die Zensur wird als eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte angeprangert. Die Erklärung fordert Verfassungsgarantien für die Presse- und Versammlungsfreiheit, setzt sich für die Gründung unabhängiger Verleger-Verbände und Journalisten-Gewerkschaften ein und plädiert für eine internationale Unterstützung bei der Schaffung unabhängiger Medien, der Journalistenausbildung und Unternehmensführung.

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