taz zieht Online-Spenden-Bilanz

Die tageszeitung aus Berlin experimentierte eine Woche lang mit einem ungewöhnlichen Online-Bezahlmodell auf freiwilliger Basis. Bei einigen Artikeln wurde eine Kontonummer eingeblendet, mit der Bitte einen "kleinen Betrag zu Bezahlen". Jetzt zog die taz in ihrem Hausblog Bilanz. 165 Leser haben gespendet, insgesamt 1.842,83 Euro sind dabei zusammengekommen. Ein nettes Sümmchen aber viel zu wenig, um damit die Kosten zu decken. Parallel registrierte die taz aber auch einen Anstieg an Digital- und Print-Abos.

Anzeige

In der Woche, in der die Online-Spendenaktion lief, wurde immer wieder auch auf das Digital-Abo der taz hingewiesen. Zusätzlich lief eine Werbeaktion fürs Digital- und Print-Abo. Laut taz-Blog gibt es bisher rund 1.800 Digital-Abonnenten und es habe eine überdurchschnittliche Zahl an neuen Abos in der Aktionswoche gegeben. Die Spenden-Aktion war außerdem flankiert von einer "Machtübernahme" junger taz-Mitarbeiter. In der Woche wurden alle Leitungspositionen der Zeitung mit Mitarbeitern besetzt, die jünger sind als die 31-jährige Zeitung. Volontäre, Praktikanten und Jung-Redakteure durften so eine Woche lang Chefredaktion und Ressortleitungen übernehmen. Die Online-Spendenaktion war von Beginn an auf diese Aktionswoche beschränkt. "Es war von uns auch nicht geplant, mit den freiwilligen Überweisungen ein neues finanzielles Standbein für die taz aufzubauen. Wir haben in dieser Woche sehr viel experimentiert, und das war eben eins unserer Experimente", so Sebastian Heiser gegenüber MEEDIA. Der 31-jährige Redakteur für Berliner Landespolitik war während der Aktionswoche als stellvertretender taz-Chef verantwortlich für den Redaktions-Etat. 

Bei der Online-Spenden-Aktion kamen zwischen 19. und 26. April freiwillig gezahlten Beiträge zwischen fünf Cent und 100 Euro aufs taz-Konto. Die mit 100 Euro größte Einzel-Spende kam interessanterweise von einem taz.de-Leser aus Norwegen. Einige Spender kommentierten die Aktion auch mit ihren Überweisungen. "Für unabhängigen Journalismus. Danke", ist da zu lesen, "Weiter so" oder aber "Auch wenn ich manchmal enttäuscht bin." Der Leser, die dies schrieb, überwies aber trotzdem 50 Euro.

Die taz hat eine lange Tradition bei spektakulären Abo- und Marketing-Aktionen. Mal ließ die Redaktion ihre Zeitung von ihren "Lieblingsfeinden" (u.a. Bild-Chef Kai Diekmann) machen, mal startete sie eine "Erpressungskampagne", in der sie mit diversen Konsequenzen drohte (Boulevard-taz, taz ohne Fotos etc.), wenn nicht bis zu einem Stichtag eine bestimmte Zahl neuer Abos abgeschlossen wurde.

In der aktuellen Medienkrise spielt die taz insofern eine Sonderrolle, als die Zeitung schon immer mit sehr wenigen Anzeigen auskommen muss. Die Werbewirtschaft hält sich gegenüber der links orientierten und eher konsumkritisch eingestellten taz traditionell sehr zurück. Die taz lebt in erster Linie von den Vertriebserlösen sowie von den Beiträgen der Genossenschaft, die die Zeitung herausgibt. Das Gesamtunternehmen taz habe pro Jahr Kosten in Höhe von rund 22 Mio. Euro, wird im taz-Blog vorgerechnet. Die Einnahmen setzten sich zusammen aus Erlösen aus Print-Abos (15,2 Mio. Euro), Kiosk-Verkäufen (zwei Mio. Euro), Anzeigen (2,3 Mio. Euro) und eben Genossenschaftsbeiträgen. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2007.
2009 hat die taz seit 1994 erstmals wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Grund waren vor allem steigende Abo-Zahlen und mehr Beiträge durch die Genossenschaft. Auch in diesem Jahr liege die Zahl der Abos wieder über Plan, heißt es bei der taz. Das noch relativ neue Digital-Abo kostet zehn Euro pro Monat. Dafür können Digital-Abonnenten die Zeitung als-PDF, E-Book, Web-Version oder in einer reinen Text-Variante bereits am Vorabend des Erscheinungstages der gedruckten Ausgabe lesen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige