Tier-Magazin Zoón: Bitte nicht niedlich!

Ab in die Wildnis: In Berlin setzt eine Gruppe von Journalisten und Biologen ein neues Magazin in der deutschen Medienlandschaft aus. Die Macher verstehen ihr Blatt als Mischung aus Wissenschafts- und Gesellschaftsmagazin, wobei es immer wieder um das Eine geht: Tiere. Am 30. April erscheint die erste Ausgabe von Zoón, Schwerpunktthema sind Affen, "die liebe Verwandtschaft". Laut Chefredakteurin Insa Voss soll sich Zoón zu üblichen Tierzeitschriften in etwa so verhalten wie "11 Freunde zum Kicker".

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Wer Tiere betrachtet, davon sind die Macher überzeugt, betrachtet immer auch den Menschen. Nach dieser Devise arbeitet die Berliner Redaktion um die 30-Jährige Insa Voss, die gemeinsam mit ihrem Kompagnon, dem Journalisten Viktor Sammain, auch das Konzept entwickelt hat. Im Beirat des Blatts sitzt neben anderen Spezialisten auch Christian Grzimek, der Enkel des legendären Tierfilmers Bernhard Grzimek. Das knapp 100-seitige Magazin erscheint im Münsteraner Natur und Tier-Verlag, der bisher vor allem Fachmagazine, Koch- und Kinderbücher in seinem Portfolio hatte.
Zoón – was nach einer Mischung aus Zoo und Neon klingt, hat seinen Ursprung im Altgriechischen, genauer: in der altsprachlichen Ausbildung von Insa Voss‘ Vater, der bei der Namenssuche den entscheidenden Tipp gab: Das altgriechische Wort zoón steht für "Lebewesen" und "Tier", schließt aber auch den Menschen ein.

Entsprechend breit ist der Anspruch des neuen Magazins, das neben Tiergeschichten auch Verbraucherthemen, sowie kulturelle und geschichtliche Themen behandeln will. Im Zentrum steht aber  das Verhältnis von Menschen und Tieren zueinander, sagt die frisch promovierte Verhaltensbiologin Voss. "Wir sind uns sicher, dass es aus dem Bereich viele spannende Geschichten zu erzählen gibt", so die 30-Jährige, "aber nicht auf Kuscheltierniveau, sondern breiter angelegt."
Schwerpunktthema des Start-Heftes ist "die liebe Verwandtschaft – was uns verbindet, was uns trennt", vom Cover schaut ein zerfurchtes Gorillagesicht auf potentielle Leser. Das Layout des fast anzeigenfreien Magazins wirkt insgesamt wenig gewagt, der Schwerpunkt liegt auf den Geschichten, die sich thematisch um den gesamten Globus verteilen. Das Spektrum reicht vom Afrikanischen Windhund über chinesische Nesträuber bis zu heimischen Wiederkäuern – "Mit der Kuh auf Du und Du."
Gerade nicht immer nur niedlich sollen die Tiere sein, mit denen sich Zoón beschäftigt. Ob das wirklich funktioniert, bleibt abzuwarten. Denn jenseits von Fachzeitschriften für Kleintierfreunde oder Reptiliensammler gibt es bisher kaum allgemeine Tier-Magazine. Die Zeitschrift Das Tier, die einen ähnlichen Ansatz verfolgte und spannenden Lesestoff bot, ist lange vom Markt verschwunden. Andererseits bringt Zoón eine Farbe in die Magazinlandschaft, die es so nicht gibt. Hier könnte durchaus auch eine Chance liegen.

Die Zoón-Macher sehen ihr Heft als etwas völlig anderes als die erfolgreichen Hätschel-Hefte wie "Ein Herz für Tiere". Mit einer Startauflage von 50.000 Stück richtet sich die Zoón an "Leser, die am Leben interessiert sind" – ohne Altersbeschränkung aber mit gehobener Bildung.

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