Eine Gräfin im Bunte-Betriebsrat

Bei Bunte stieß die Betriebsratswahl auf hohes Interesse. Gleich vier Ressortleiter zogen in den siebenköpfigen Betriebsrat ein. Eine davon ist Society-Chefin Gräfin von Waldburg. Bild hat ordentlich auf die ARD eingedroschen. Neben der Peitsche kennt man bei Springer aber auch das Zuckerbrot: In Hörzu wurde die ARD dafür seitenlang gelobt. Und Handelsblatt-Chef Gabor Steingart verkauft eine Umfangreduzierung als Präzisierungsmaßnahme und Claus Strunz relaunchte das Abendblatt.

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Eine ungewohnt hohe Aufmerksamkeit wurde den aktuellen Betriebsratswahlen bei Bunte und InStyle zuteil. Die Wahlbeteiligung war offenbar außergewöhnlich hoch und in die Mitarbeitervertretung sind nun außergewöhnlich viele Ressortleiter eingezogen: Marie Gräfin von Waldburg, Society-Chefin, Kulturchef Claus Dreckmann, Leute-Ressortleiter Thomas Drechsel und Medizin-Ressortleiterin Margit Pratschko. Außerdem wurden gewählt Claudia Miedke, Kerstin Lindlbauer und Zeki Genc. Eine echte Gräfin im Betriebsrat. Die Medienbranche kennt offenbar keine Klassenschranken.

Viel Aufmerksamkeit erntete diese Woche auch Bunte selbst. Beim Stern wartet man zwar noch immer auf die angedrohte Klage wegen der Spitzel-Enthüllungen, die Burda-Anwälte scheinen die Klageschrift aber fürs erste in der Schublade lassen zu wollen. Statt weiter in der peinlichen Affäre um die von Bunte beauftragte Agentur CMK und ihre Politiker-Nachschnüffeleien zu rühren, will man nun wieder mit echten Geschichten punkten. Das gelingt mit der aktuellen Titelgeschichte über die Ex-Geliebte des wegen Vergewaltigungs-Vorwürfen in U-Haft sitzenden ARD-Wettermannes Jörg Kachelmann ziemlich gut. Die Story der Reporter Stefan Blatt und Tanja May wird vielfach zitiert sogar mit ganzseitigen Anzeigen in Bild beworben. Der Scoop dürfte mehr an Auflage bringen, als wegen der CMK-Enthüllung je verloren wurde.

Bleiben wir kurz bei Bild. Die machte diese Woche in Medienkreisen mit einer flott zu lesenden, dreiteiligen ARD-Miniserie über die Verfehlungen des öffentlich-rechtlichen Senderverbunds auf sich aufmerksam. Von der Vetternwirtschaft über Korruptionsskandale, das oft flache Programm bis hin zur Spesenverschwendung. Das kam passend zum 60. Geburtstag der ARD. Bei solchen Berichten ist oft schnell der Verdacht bei der Hand, der Axel-Springer-Konzern würde seine Bild als publizistische Task-Force in Sachen Medienpolitik instrumentalisieren. "Alles Quatsch", heißt es dazu bei Springer. Erstens ließe sich die Redaktion gar nicht vorschreiben, worüber sie berichte und zweitens habe Springer auch sehr viele jubilierende Jubiläums-Artikel veröffentlicht. So präsentierte etwa die Hörzu auf 60 Extra-Seiten die "größten Momente" aus 60 Jahren ARD. Ganz ohne Gebührenverschwendung und Korruptionssumpf. Es gilt offenbar das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche.

Das Handelsblatt reduziert seinen Seitenumfang von 64 auf 54 Seiten. Aber mit Sparen hat das natürlich nichts zu tun, nein, nein, nein. Neu-Chefredakteur Gabor Steingart teilte mit, es gehe darum, dass das Blatt "präziser" werde. Den Spar-Effekt nimmt man wohl auf dem Weg hin zu mehr Präzision zähneknirschend in Kauf. Genauso hatte die Formatverkleinerung des Handelsblatts unter Steingarts Vorgänger Bernd Ziesemer ja auch überhaupt ganz und gar nichts mit Kosteneinsparungen zu tun. Und dass die WAZ in NRW 300 Redakteure abgebaut hat, das war ja auch nur ein Programm zur Qualitätssteigerung, nicht wahr? Medien-Führungskräfte sollten weniger wie Politiker reden und mehr überlegen, wie das, was sie so sagen in den Ohren anderer klingen könnte.
Einer der den Politgrößen in Wortgewaltigkeit nicht nachsteht, ist Claus Strunz. Der Springer-Chefredakteur hat sein Hamburger Abendblatt in dieser Woche generalüberholt an den Start gebracht und als "Zeitung der Zukunft" ausgefllaggt. In der Branche hängt man den Relaunch nicht ganz so hoch und findet, dass die in der Stadt auch als "alte Tante Abendblatt" berüchtigte Zeitung nach wie vor "een beten dröge" daherkommt, auf Hochdeutsch also nicht ganz so fesselnde Stoffe liefert wie man sie sich in der Metropole wünschen würde. Im eigenen Haus beurteilen die Top-Führungskräfte den optischen und inhaltlichen Schwenk hin zum "Tagesmagazin" offenbar positiver. Es sei höchste Zeit gewesen, dass beim Abendblatt nach Jahren der Stagnation etwas passiert, heißt es aus dem Verlagsumfeld, auch die grundsätzliche Richtung stimme. Nun müsse man sehen, wie die Leser das neue Abendblatt annehmen. Bei der nächsten IVW-Ausweisung sind wir schlauer.

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