Wie Bild die ARD in Serie vorführt

Seit zwei Tagen bringt Bild den "großen ARD Report". Ein guter Anlass, immerhin feiert der öffentlich-rechtliche Senderverbund in diesem Jahr 60 Geburtstag. Über dieses Geschenk dürften sich die ARD-Verantwortlichen aber kaum freuen. Bild lässt kein gutes Haar an der ARD und geißelt gnadenlos Gebührenverschwendung, Vetternwirtschaft und Programmgestaltung. Mit der medienpolitischen Auseinandersetzung zwischen Axel Springer und der ARD habe die Reihe aber nichts zu tun, heißt es bei Bild.

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Die Vorwürfe, die Bild gegen die ARD erhebt sind hart und boulevard-typisch spitz formuliert. Die ARD sei "eine ergraute, erstarrte und angeschlagene Anstalt. Eine Anstalt, der es an Transparenz und Erneuerung fehlt", so das Urteil der Zeitung. Der hohe Altersdurchschnitt der Zuschauer (60 Jahr, genau wie die ARD selbst) wird ebenso angesprochen, wie die zweifelhafte Gestaltung des ARD-Nachmittagsprogramms mit zahlreichen Soaps, Telenovelas und Tierdokus.

Besonders eindrucksvoll gerät eine Auflistung "aktueller" ARD-Personalien. Es folgt eine Liste mit den Verfehlungen von führenden ARD-Mitarbeitern. Von den der Bestechlichkeit überführten Ex-Sportchefs Jürgen Emig und Wilfried Mohren, über Fernsehspiel-Chefin Doris Heintze, die Drehbücher an sich selbst verkauft haben soll, bis hin zum wegen Urkundenfälschung, Betrug und Untreue verurteilten Joachim Schöneberger, ehemals Chef der SR-Tochterfirmen Telefilm Saar und Werbefunk Saar.

In der aktuellen Folge nimmt sich die Bild unter dem Stichwort "Filz und Schlamperei" diverse finanzielle Ungereimtheiten bei der ARD vor. So wird u.a. angeprangert, dass ARD-Intendanten bevorzugt in Aufsichtsräten von Tochterunternehmen der Sender säßen und dafür üppige Aufsichtsratsbezüge erhielten. Insgesamt komme die ARD auf 124 Tochterfirmen. Allein die Bavaria Film GmbH ihren Aufsichtsräten 2008 490.000 Euro an Bezügen gezahlt. Auch die geschäftlichen Aktivitäten von ARD-Moderatoren neben ihrer Tätigkeit für den Sender beleuchtet Bild. So betreibe Daniel Weiss, der bei den Olympischen Spielen für die ARD Eiskunstlauf-Wettbewerbe kommentiert hat, gleichzeitig mit seiner eigenen Firma Eiskunstlauf-Galas. Dafür engagiere er Sportler, über deren Leistungen er sonst als vermeintlich unabhängiger Reporter berichtet.

Nun ist die Bild-Zeitung als Organ der Axel Springer AG vielleicht nicht ganz frei von Eigeninteressen. Immerhin befinden sich deutsche Verlage, darunter auch Axel Springer, in einer heftigen medienpolitischen Auseinandersetzung mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Verlage werfen den öffentlichen Sendern ARD und ZDF vor, mit Gebührengeldern eine Marktverzerrung im Sektor der digitalen Medien zu betreiben. Grund ist die Expansion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet mit umfangreichen Textangeboten. Verlage sprechen hier von einer "elektronischen Presse", die werbefrei von Zwangsgebühren finanziert werde. Eskaliert ist der Streit speziell zwischen Springer und der ARD wegen den Plänen der ARD, eine iPhone App für die "Tagesschau" herauszubringen. Springer sieht dadurch seine Paid-Content-Pläne für neue digitale Vertriebswege, zum Beispiel auf dem iPhone, durchkreuzt.

Bei der ARD wird dagegen argumentiert, dass sich der öffentlich-rechtliche Auftrag auch auf neue, digitale Vertriebskanäle erstrecke. Die iPhone-App der "Tagesschau" soll zudem lediglich als eine Erweiterung des ohnehin bestehenden Online-Angebots gesehen werden. Der SWR-Intendant und amtierende ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust sagte nach der jüngsten Intendantentagung zudem, von einer Expansion der ARD im Internet könne keine Rede sein. Die Sender seien wegen der Lobbyarbeit der Verlage sogar im Gegenteil dazu gezwungen, bestehende Inhalte großflächig aus ihren Online-Angeboten zu löschen.
Laut Bild-Sprecher Tobias Fröhlich besteht kein Zusammenhang zwischen der Bild-Serie und dem Medienpolitik-Streit zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Verlegern. Anlass für die Reihe sei ausschließlich das 60. Jubiläum der ARD in diesem Jahr. "Bei aller Feierstimmung muss daher auch ein kritischer Blick auf die größte deutsche öffentlich-rechtliche Sendeanstalt erlaubt sein. Bild ist davon überzeugt, das dies die Leser sehr interessiert", so Fröhlich gegenüber MEEDIA. Die Redaktion entscheide unabhängig von medienpolitischen Konzerninteressen über ihre Berichterstattung, so der Bild-Sprecher weiter.
Bei der ARD sieht man das naturgemäß anders.  "Die Serie ist ein weiterer Teil der Springer-Kampagne gegen den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk. Im Vorfeld der Diskussionen um eine eventuelle Neuordnung der Rundfunkfinanzierung könnte man den Eindruck gewinnen, dass es einigen kommerziellen Konkurrenten und ihren Lobbyisten darum geht, das duale System zu knacken und anstelle einer Gemeinwohl orientierten Medienordnung eine solche vorzubereiten, die sich nicht mehr primär an den Wünschen und Interessen der Menschen orientiert und auch
nicht mehr daran, was für unsere Gesellschaft nützlich und gut ist, sondern
primär an ökonomischen Interessen von Investoren", so Harald Dietz, Sprecher des derzeit die Gesamt-ARD zuständigen SWR. Die Macher der Bild Serie dürfte das kaum kratzen. Der nächste Teil des ARD-Reports ist bereits angekündigt: "Lustreisen und Luxusgagen – so verprasst die ARD Gebührengelder".

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