The Iconist: Axel Springers iPad-Erstling

Publishing Beim Thema Tablet drückt der Springer-Konzern aufs Tempo: Am Dienstag gewährte das Unternehmen in Berlin erste Einblicke in eine eigens für das weltweit gehypte Apple iPad entwickelte Applikation. The Iconist, eine Adaption der WamS-Beilage Icon, ist die bislang einzige von einem deutschen Verlag kreierte konsequente Umsetzung eines Printtitels auf die multimedialen Optionen des Tablets. Für das Entwicklerteam eine Entdeckungstour durch die neue Möglichkeiten: buchstäblich in alle Richtungen.

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Schick liegt das iPad in der Hand, aber auch ein wenig ungewohnt. Hoch oder quer, wie soll man das Hoffnungs-Tool der Bezahlstrategen halten? Egal, beim Iconist passt sich das Display an, eignet sich im Hochformat zum Lesen der einspaltig angezeigten Texte, im Quermodus zum Hin- und Herwischen der Fotostrecken. Mit einem rot unterlegten Pluszeichen wird angezeigt, wo zusätzliche Textinformationen abrufbar sind. Das alles macht einen hochwertigen, geordneten Eindruck, der allerdings noch stark an das herkömmliche Magazin-Layout mit Vorspännen, Fotos, Bildunterschriften und Lauftexten erinnert.
Keine Frage: Die Gestaltungsart der WamS-Luxusbeilage Icon stand Pate beim Design von Springers iPad-Debüt. Mit "unglaublich viel Spaß", wie die Beteiligten versichern, habe man sich an den Transfer Print zu iPad gemacht, und natürlich bleibe da noch ganz viel Luft nach oben. Die Produktion der Inhalte sowie die technische Anpassung haben einen dem Vernehmen nach mittleren fünfstelligen Etat erfordert. Für das in Sachen Tablet besonders experimentierfreudige Berliner Medienhaus ist dies als Anschubfinanzierung zu verstehen, als Wette auf die Zukunft.
So werden beim Iconist viele Register gezogen: Neben Texten und Fotos gibt es Video-Einspieler, und Nutzer, denen das Lesen zu anstrengend ist, können sich die Schilderungen der Autoren auch als Audio-Podcast zu Gemüte führen. Das Lifestyle-Magazin wurde von Inga Griese (Welt am Sonntag) und Philipp Peitsch vom Geschäftsführungsbereich Elektronische Medien entwickelt und soll auch Anzeigenkunden neue Inszenierungsmöglichkeiten bieten. Möglicherweise folgen Ausbaustufen, bei denen Produkte direkt aus dem Magazin heraus bestellt werden können. Bereits jetzt können über Social Media-Buttons Nachrichten via Twitter und Facebook versandt werden.
The Iconist erscheint nach Verlagsangaben voraussichtlich quartalsweise und ist mit dem für Ende Mai angekündigten Deutschland-Start des iPad im App- Store verfügbar. Redaktionsleiterin Inga Griese ist optimistisch: „Da Stil und Luxus viel mit Emotionen zu tun haben, erlauben uns die vielfältigen multimedialen Möglichkeiten des iPad, die Geschichten erlebbar zu machen. Wir bieten unterschiedliche journalistische Formate in einem Magazin an – von Reportagen zu Portraits und Portfolios, vom Stil-Ratgeber zum Städteführer. Die iPad-Variante setzt dabei stark auf spielerische Elemente, weshalb das Magazin auch nicht einfach eine Online-Übertragung von Icon, sondern ein Magazin mit eigens dafür gestalteten Beiträgen ist.“
Unter den 15 Beiträgen der ersten Ausgabe finden sich unter anderem Beiträge zu „Prada“ und „Zaha Hadid“, Modestrecken mit dem Star-Geiger David Garrett und der Schauspielerin Natalia Avelon, der interaktive Blick auf den Schreibtisch von Philippe Dumas aus der „Hermes“-Dynastie, ein Rundgang durch das Berliner Szene-Restaurant „Grill Royal“, ein „Rollys Royce“-Fahrbericht von Ulf Poschardt sowie ein Stadtführer Istanbul.
Die spannende Frage bleibt das Pricing für das audiovisuelle Gesamtpaket. Nach Apple-Diktion wären Preise zwischen 2,99 Euro und 4,99 Euro denkbar. Weniger erscheint angesichts der hohen Produktionskosten inakzeptabel, ein höherer Copypreis auch im Luxussegment des Webs nicht durchsetzbar. Genaueres wird Axel Springer in den kommenden Wochen bekannt geben. Und der noch interessantere Punkt ist, wie hoch die Akzeptanz eines kostenpflichtigen Angebots mitten im Gratis-Web sein wird. Hier will das Medienhaus von den Nutzern lernen und auch Anregungen erhalten, wie künftige Produkte designt werden sollen.
Auch wenn bei Axel Springer das iPad wegen der ausgereiften Technologie und dem etablierten Abrechnungsmodell besonders hoch im Kurs steht, so will man sich Alternativanbietern gegenüber dennoch nicht abschotten. Man werde mit jedem interessanten Wettbewerber reden, heißt es intern, und das bedeutet: Die Tablet-Offensive im Springer-Hochhaus hat gerade erst begonnen.

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