Grüezi! dpa prüft Schweiz-Expansion

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) spielt mit dem Gedanken, in der Schweiz einen eigenen Dienst zu starten, wie sie MEEDIA bestätigte. Die Hamburger würden damit die Lücke füllen, die ihr Erzfeind, der Deutsche Depeschendienst (ddp), jüngst mit der Schließung eines eigenen Schweizer Angebots hinterließ. Wenn es zu einem dpa-Angebot für die Alpenrepublik kommt, würde sie gegen den Monopolisten SDA antreten. Das einst ruhige Geschäft der News-Lieferanten nimmt damit weiter an Fahrt auf.

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dpa-Sprecher Justus Demmer bestätigte MEEDIA einen entsprechenden Bericht des Schweizer "Tages Anzeigers". Die Schweizer Zeitung zitiert den Schweizer dpa-Vertreter Martin Jenny mit den Worten: "Wir glauben, dass es in der Schweiz Platz für einen zweiten Dienst hat." Dieser Raum ist seit dem 28. März dieses Jahres da. An jenem Sonntag ging der Schweizer ddp-Dienst vom Netz, der bis Ende 2009 noch der Schweizer Ableger der Associated Press (AP) war, aber zusammen mit dem deutschen AP-Dienst im Dezember an die ddp-Eigentümer Martin Vorderwülbecke und Peter Löw verkauft wurde.
Die neuen Eigner benannten AP-Schweiz in ddp-Schweiz um und sprachen ursprünglich noch von einer Expansion. Sie sub-lizenzierten die internationalen AP-Meldungen indes rasch weiter an den Platzhirschen, die Schweizerische Depeschenagentur (SDA), und wickelten das einstige AP-Büro ab. Die SDA erkaufte sich mit diesem Schritt eine Monopolsituation – nach gut 30-jähriger Präsenz von AP in der Schweiz.
Für ihre Auslandsberichterstattung greift die SDA bisher auch auf Material der Agence France-Presse (AFP), die wirtschaftsaffine Agentur Reuters aber auch auf Meldungen der dpa zurück. Steht dieses Geschäft zwischen SDA und dpa mit den neuen Überlegungen der Hamburger Agentur infrage? dpa-Sprecher Demmer sagte zu MEEDIA: "Das ist von dem Vorgang erstmal nicht betroffen." Er bestätigte auch, dass ein Schweizer dpa-Dienst in etwa so groß sein sollte wie das einstige AP-Angebot. Das waren bis zuletzt etwa 15 Mitarbeiter, die sowohl in Deutsch als auch in Französisch berichteten.
Für die dpa wäre der Aufbau eines Schweizer Dienstes nichts ungewöhnliches, denn sie ist bereits vielfach im Ausland aktiv: Für Medien in Spanien und Lateinamerika betreibt dpa einen spanischen Dienst (Zentrale: Madrid), für den 60 feste Mitarbeiter arbeiten. Ein arabischer Dienst operiert von Kairo aus mit insgesamt 77 Mitarbeitern. Und für einen englischen Dienst schreiben 136 Mitarbeiter, deren Arbeit von Berlin aus gesteuert wird und vor allem Kunden im Nahen Osten und Südost-Asien erreicht.

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