Lettland: Verleger durch Kopfschüsse getötet

Der Zeitungsverleger Grigorijs Nemcovs ist am vergangenen Freitag offenbar Opfer eines Auftragsmordes geworden. Wie die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) berichtet, wurde dem Herausgeber von Million, der größten russischsprachigen Tageszeitung in Lettland, auf offener Straße zweimal in den Kopf geschossen. Das Blatt ist für seine kritische Berichterstattung bekannt. Nemcovs, der auch Eigentümer einer regionalen Fernsehstation war, hatte in der Vergangenheit öfter Morddrohungen erhalten.

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1995 gründete Nemcovs das Blatt, das speziell über Korruption in der Politik und Missmanagement in Lettland investigativ berichtete. Zudem war er stellvertretender Bürgermeister der zweitgrößten lettischen Stadt Daugavpils und fungierte als Unterstützer der Bürgerrechtsbewegung "Latgales Tauta" ("Nation von Latgale").
Nemcovs war am 16. April auf dem Weg zu einem Treffen in einem Café in Daugavpils. Laut ROG muss der Täter dem Verleger aufgelauert und ihn dann aus kurzer Entfernung in den Kopf geschossen haben. Die Polizei hat bisher noch keinen Verdächtigen identifizieren können.  
"Wir sind schockiert und überrascht über den Tod des Verlegers. Der mit bemerkenswerter Professionalität ausgeführte Mord ist unverständlich. Die Motive müssen geklärt werden", so ROG. "Wir fordern die lettischen Behörden auf, die Ermittlungen nicht einzustellen, bevor die Drahtzieher des Verbrechens identifiziert worden sind."
Im Jahr 2007 hatte Nemcovs bereits Morddrohungen erhalten. Auf sein Haus wurde ein Brandanschlag ausgeübt. Im Jahr 2000 wurde der Verleger Opfer eines Überfalls. Die Täter blieben aber allesamt unbekannt. 
Zuletzt wurde in Lettland im Jahr 2001 ein investigativer Journalist ermordet. Gundars Matiss, ehemaliger Mitarbeiter der Tageszeitung Kurzemes Vards der Region Liepaja, starb damals an den Folgen eines brutalen Überfalls.

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