Döpfner & Murdoch: Bezahl-Brüder im Geiste

Der eine ist der vielleicht mächtigste Medienmanager der Welt. Der andere ist zumindest der mächtigste Zeitungsmanager in Deutschland. Gemeinsam sind sie Brüder im Geiste und wollen bezahlte Inhalte digital zu neuer Blüte führen: Rupert Murdoch und Mathias Döpfner. Der Chef der News Corp. und der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer haben vieles gemeinsam. Die News Corp. ist in Sachen Weltanschauung und Strategie eine Art Blaupause für Springer. Beide Manager zusammen bilden eine Art Old-School-Network.

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Das beginnt bei den Unternehmen, denen sie vorstehen. Murdochs News Corp. ist zwar ungleich größer als die Axel Springer AG und Murdoch selbst ist viel älter als Döpfner. Aber die News Corp ist so etwas wie eine Blaupause für die Axel Springer AG, wie Döpfner sie womöglich gerne hätte: ein konservativer, integrierter, weltweiter Medienkonzern. Dass es damals für Springer nicht geklappt hat, mit der Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG war schließlich nicht Döpfners Schuld – die Wettbewerbsbehörden hatten was dagegen.

Beide Häuser engagieren sich stark im Internet. Murdoch mit seiner Fox-Interactive-Sparte, zu der u.a. MySpace gehört. Auch Döpfner investierte viel, vor allem in die Online-Werbefirma Zanox, Rubriken-Portale und einzelne Projekte wie die Frauenwebsite Aufeminin. Die Ernte ist ein erklecklicher Anteil des Digital-Geschäfts am Umsatz. Nur: Das Geld wird online auch bei den beiden Print-Fürsten nicht mit Journalismus verdient.
Konservativer Print-Journalismus ist die Basis für beide. Diese Weltanschauung wird auf die unterschiedlichsten publizistischen Gefäße verteilt. Murdoch verlegt Krachblätter die englische Sun aber auch Traditionszeitungen wie die Times oder das Wall Street Journal. Zu Döpfners Reich gehört die krawallige Bild ebenso wie die seriöse Welt. Murdoch wird immer wieder kritisiert wegen der angeblich rechtslastigen Ausrichtung seines Nachrichtensenders Fox News. Auch Döpfners sieht sich immer wieder mal dem Vorwurf des Kampagnenjournalismus ausgesetzt.

Wo sich sich die Strukturen und Weltanschauung gleichen, ähneln sich auch die Methoden. Murdoch und Döpfner sind sich einig, dass Google den Verlagen schadet. Murdoch bezichtigte die US-Suchmaschine bereits des Content-Klaus. Mathias Döpfner formuliert weniger scharf wie sein australo-amerikanischer Geistes-Bruder, aber auch er betreibt mit seinem Haus massives Lobbying, um die Vormacht-Stellung von Google auf politischer Seite anzugreifen und einen so genannten Leistungsschutz für Verlage durchzusetzen.

Und beide Verleger, Murdoch wie Döpfner, eint eine fast kindliche Begeisterung für Apples neuestes Spielzeug, das iPad. Fast wortgleich bezeichneten Murdoch und Döpfner in Interviews das iPad als "Retter der Verlagsbranche" (Döpfner), bzw. "Heilsbringer des Zeitungs-Journalismus" (Murdoch). Sowohl Döpfner als auch Murdoch sind mit die Eifrigsten, wenn es darum geht, ihre Papierprodukte in digitaler Form kostenpflichtig aufs iPad (und später andere Tablets) zu bringen. Um Erster zu sein, nimmt Döpfner dabei auch den Spott derjenigen in Kauf, die gleich zum Start eine perfekte Multimedia-Show der Zeitungs-Apps auf dem neuen Ausgabe-Gerät erwarten.

Die Konsequenz mit der die beiden führenden Old-School Medienhäuser News Corp und Axel Springer im Gleichschritt in Richtung Paid Content marschieren ist bemerkenswert. Die spannende Frage ist,, ob ihnen das Publikum folgt und bald wieder den Geldbeutel zückt, um Journalismus zu konsumieren.

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