DuMont startet Billig-Express in Westberlin

Am Dienstag waren Pläne durchgesickert, dass Axel Springer bereits Anfang kommender Woche in Ost-Berlin ein neues Boulevard-Blatt zum Dumpingpreis von 40 Cent launcht. Der Kölner Verlag DuMont wertete den Start von B.Z. am Abend offenbar als Kampfansage und reagiert auf den (un)billigen Rivalen: Nach MEEDIA-Informationen kontert das Medienhaus mit einem Boulevard-Blatt unter dem Titel Berliner Express, das flächendeckend im Westen der Stadt auf den Markt kommt. Start: noch im April.

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Vorstand Konstantin Neven DuMont erklärte gegenüber dem Münchner Nachrichtenmagazin Focus: "Da uns diese Auseinandersetzung aufgezwungen wird, werden wir zeitnah mit einer interessanten Zeitung in den Westberliner Markt gehen." In Verlagskreisen der Hauptstadt geht man davon aus, dass der Berliner Express ebenfalls zum konkurrenzlosen Preis von 40 Cent angeboten werden könnte, immer vorausgesetzt, dass die B.Z. am Abend tatsächlich zu diesem Preis angeboten wird. Sollte diese 30 Cent kosten, würde wohl auch DuMonts Gegen-Blatt noch günstiger an den Kiosken zu haben sein.
Die redaktionelle Infrastruktur hat das Kölner Medienhaus. Neben dem Boulevardblatt Express, das seinen Hauptsitz in der Domstadt hat, zählen noch die Hamburger Morgenpost sowie der Berliner Kurier zum Portfolio, außerdem das Stadtmagazin tip, das Service und Veranstaltungstipps beisteuern könnte. Wahrscheinlich ist, dass der Hauptstadt-Express im kleinen Format des Kuriers erscheint, da hier kurzfristig entsprechende Druckkapazitäten vorgehalten werden können.
Kurier-Chefredakteur Hans-Peter Buschheuer wollte auf Anfrage von MEEDIA Spekulationen über den Titel des neuen Blatts weder bestätigen noch kommentieren. Er kündigte aber an: "Eine Woche nach dem Markteintritt der Konkurrenz werden wir eine attraktive Boulevard-Zeitung im Westen Berlins starten." Trotz des günstigen Preises werde es sich dabei um ein "vollwertiges Boulevard-Blatt" handeln.
DuMonts Kurier, der den Ost-Markt beherrscht, kämpft ebenso gegen eine stetig sinkende Auflage wie im Westen die B.Z., die dort deutlich gravierendere Verluste hinnehmen muss. Dies dürfte der wesentliche Grund dafür sein, dass die B.Z. nun auf neue Käuferschichten in den östlichen Revieren hofft. Für DuMont scheint dabei weniger der Start eines Wettwerbers problematisch als die Tatsache, dass dieser sein Produkt zu einem gegenüber dem West-Titel deutlich reduzierten Preis anbietet – allerdings auch in einer "abgespeckten" Version.
Ein Preiskrieg im Westen der Stadt würde die schwierige Lage auf dem dichtbesetzten Zeitungsmarkt in Berlin noch verschärfen. Egal, wie der Konflikt endet: eine kostenspielige Angelegenheit für alle Beteiligten und wohl ohne Aussicht auf die Erschließung neuer Käuferkreise. Die Süddeutsche Zeitung schreibt am Mittwoch von einer "Straßenschlacht" in der Hauptstadt und notiert: "Aus Köln hieß es am Dienstag spitz, man könne Springers Strategie zu Paid Content im Internet nicht nachvollziehen, wenn nun eine Tageszeitung mit 33 Prozent Preisnachlass angeboten werde."

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