Sport1 startet mit Live-Versprechen

Kurz vor 11 Uhr an diesem Sonntag, bevor der "Doppelpass" beginnt, wird der Schalter umgelegt und 17 Jahre Deutsches Sportfernsehen sind Geschichte. Der Name verschwindet, das Programm bleibt - wenn auch mit neuen Akzenten und modernisiertem Design. Sport1 heißt der Sender ab sofort, und Geschäftsführer Zeljko Karajica verspricht den Zuschauern, künftig noch mehr Livesport zu zeigen als bisher. Dazu soll es mehr unterhaltende Programme jenseits des klassischen Sports geben.

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Sport1, das künftig mit einer goldgelben "1" im Logo glänzt, hat sich die Übertragungsrechte an der Eishockey-WM im Mai gesichert, schon jetzt werden die Spiele der Basketball-Bundesliga gezeigt, dazu kommen die des DFB-Nachwuchses, der Davis Cup und im Sommer Leichtathletik aus der IAAF Diamond League. Für die großen Sportereignisse wird auch der neue Kanal nicht mitbieten können. Allerdings plant Sport1 zur Fußball-WM in Südafrika eine regelmäßige Berichterstattung, die sich mit den Ereignissen rund um die Spiele befasst. Geschäftsführer Karajica sagt: "In Planung ist derzeit, sechs ‚WM Doppelpass‘-Sendungen und jeden Abend um 18.30 Uhr rund 40 Ausgaben von ‚WM aktuell‘ zu zeigen. Für dieses News-Format wird Thomas Helmer als Korrespondent für uns in Südafrika sein."
Sport1 soll aber auch mehr Wert auf Unterhaltung jenseits des klassischen Sports legen – etwa mit dem Anfang des Jahres gestarteten Automagazin "Turbo" und dem "Golf Journal". Für die jüngere Zielgruppe wird die Ballakrobatik-Rubrik "Street Skills" zur eigenen Sendung ausgebaut, dazu kommen die "PS-Profis", ein Gebrauchtwagenmagazin und eine Sendung zum Thema Funsport. So will Karajica Zuschauer gewinnen, die bisher nicht so viel mit dem altbackenen DSF anfangen konnten. 
Am späten Montagabend läuft seit wenigen Wochen die "Liga total Spieltaganalyse", die von Matthias Opdenhövel ("Schlag den Raab") und Ex-Fußballprofi Thomas Helmer im Wechsel moderiert wird. "Das sind 75 Minuten kurzweilige Unterhaltung, die sehr professionell gemacht ist, keine bierernste Sportdokumentation. Und die Reichweite ist deutlich höher als sonst in dieser Zeitschiene", sagt Karajica. "Diese spielerische aber dennoch fundierte Herangehensweise, wie sie zum Beispiel ein Matthias Opdenhövel beherrscht, wollen wir durchaus auch auf andere Programme ausweiten."
Hintergrund der Umbenennung ist eine Zusammenführung des TV-Senders mit dem gleichnamigen Webportal Sport1.de. Beide gehören zu Constantin Medien, das 2009 durch die Fusion des Kinoproduzenten Constantin Film, dem Schweizer Unternehmen Highlight Communications und dem Rechtehändler EM Sport Media entstand. Nun fusionieren auch die beiden Sportmarken. "In der Vergangenheit haben wir mit zwei Redaktionen vieles doppelt gemacht. Künftig geht ein Reporter raus und kann mit TV und Online zwei mediale Kanäle bedienen", so Karajica.
Online wird bereits seit Wochen für die Umstellung geworben: "Wir lieben die Sportler. Wir lieben die Fans. Wir leben den Sport. Wir sind SPORT1." Der alte DSF-Claim "Mittendrin statt nur dabei" verschwindet. Wer bei Facebook Fan des neuen Sport1 wird, kann zudem 5000 Euro gewinnen.
Ein bisschen wird man am Sendersitz in München auch darauf hoffen, mit der Namensänderung das Image loszuwerden, das sich das DSF in den vergangenen Jahren mit Call-in-Shows und billigen Erotik-Strecken wie den "Sport Clips" eingebrockt hat. "Darunter hat das Ansehen des DSF zuletzt am meisten gelitten", erklärt Karajica. Zumindest die Stunde vor Mitternacht wird jetzt wieder mit Programm bespielt, bei dem sich niemand auszieht: "Die Programmfläche ab 23 Uhr ist in den vergangenen Jahren zu einer immer relevanteren Sendezeit geworden."
Das Vertrauen des Publikums will Sport1 auch dadurch stärken, dass – anders als es beim DSF lange Zeit üblich war – bei entsprechenden Anlässen auch nachmittags live gesendet wird. Normalerweise laufen dann Dauerwerbesendungen. "Wenn wir das verstärkt machen, merken sich die Zuschauer auch, dass sie solche Sendungen bei uns finden", sagt Karajica. Nicht mehr finden wird das Publikum beim neuen Sport1 hingegen die Kämpfe der Ultimate Fighting Championship – die haben die Landesmedienanstalten gerade wegen ihrer Brutalität verboten. 
Allen Profilierungsversuchen zum Trotz: Nach den Olympischen Winterspielen, die sich hauptsächlich bei ARD und ZDF abgespielt haben, und der Fußball-WM im Sommer, die ebenfalls einen Großteil der Aufmerksamkeit auf die großen Sender lenken wird, dürfte es das neue Sport1 im ersten Jahr beim Kampf um Marktanteile und Zuschauergunst nicht besonders leicht haben. Geschäftsführer Karajica prophezeit dennoch: "Wir werden bei den Marktanteilen zulegen, die Reichweiten steigern und uns auch wirtschaftlich verbessern – aber in diesem Jahr nicht durch die Decke gehen. 2010 wird ein Konsolidierungsjahr für uns und bildet die Basis, um 2011 nachhaltig zu wachsen."

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