Der Medienpranger der Ösis

Springer Chef Döpfner wollte beten und Steve Jobs für das iPad danken. Der iGod zeigte sich wenig dankbar und verkündete gleich mal, jetzt auch Werbung schalten zu wollen, von der fast die Hälfte der Erlöse bei Apple bleiben soll. Neuer Ärger ist programmiert. Der neue Handelsblatt-Chef Gabor Steingart mutete seinen Lesern zum Einstand ganz schön was zu und in Österreich erfand ein Gericht eine Art Medienpranger im Wettbewerbsstreit zwischen der Zeitung Österreich und der Kronen-Zeitung.

Anzeige

Der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, hat dem US-Talker Charlie Rose ein Interview gegeben. Dabei hat sich Döpfner euphorisch über das neue iPad von Apple geäußert und sogar aufgefordert, zu beten und Apple-Chef Steve Jobs für die Rettung der Verlagsindustrie zu danken. Döpfner sagte in dem Interview aber auch, dass die Konditionen bei Apples App Store zu schlecht seien. Die 30 Prozent vom Umsatz, die Apple in seinem Store einbehält, hält Döpfner für zu hoch. Dass von Seiten Steve Job’s keine Dankbarkeit für die Lobpreisungen zu erwarten sind, machte der Apple-Chef kurze Zeit später deutlich. Apple stellte sein nächstes iPhone-Betriebssystem 4.0 vor, mit dem Apple nun auch in das Geschäft mit mobiler Werbung einsteigen will. Hersteller von Apps für iPhone und iPad können mit dem iAd genannten Modul Werbung in ihren Programmen schalten. Aber: Apple will die Werbung selbst verkaufen und behält nun gleich mal 40 Prozent von den Umsatzerlösen. Die Gebete von Mathias Döpfner sind dem iGod offenbar relativ schnuppe.

Es war die erste Woche für den ehemaligen Spiegel-Mann Gabor Steingart als Chefredakteur des Handelsblatts. Steingart gab seinen Einstand mit einer aufwändigen Serie über die Schuldenkrise. Das war schwere Kost. Die viele Seiten langen Abhandlungen über mehrere Tage hinweg waren, gelinde gesagt, eine Herausforderung für den Leser. Es zeigt sich, dass der viel beschworene Ansatz, eine Tageszeitung zum Hintergrundmedium auszugestalten in der Praxis nicht ohne Tücken ist. Auch wenn es banal ist: Viele Leser wollen womöglich einfach von der Zeitung zu allererst über das Tagesgeschehen informiert werden. Eine Tageszeitung, die fast monothematisch auf der Titelseite agiert, wirkt ungewohnt und befriedigt nicht unbedingt dieses Leser-Interesse. Der ehemalige Leiter von handelsblatt.com, Julius Endert, hat online eine lesenswerte Kritik zum neuen Auftritt der Wirtschaftszeitung geschrieben. Er fragt: "Jeden Tag brand eins sein zu wollen – wie lange geht das gut?" Eine berechtigte Frage.

Man kann seine Leser aber auch unterfordern. Der ehemalige Computer-Bild-Chef Harald Kuppek macht das gerade bei der PC Welt vor. Verständlich soll sie sein und die komplizierte Computerwelt erklären. Aber dass Browser dort nun "Internet-Zugriffsprogramme" heißen sollen, ist ein bisschen lächerlich. Wer nicht weiß, was ein Browser ist, der dürfte auch kaum zur PC Welt greifen. Man nennt ein Snowboard ja auch nicht "Schnee-Gleitbrett" oder eine E-Mail "Elektronische Post".

Auf der Website der Zeitung Österreich (www.oe24.at) kann man derzeit den Ausgang eines juristischen Kleinkrieges unter alpenländischen Zeitungsmachern bewundern. Die Mediaprint, die u.a. die österreichische Kronen-Zeitung herausgibt hat vor Gericht ein Urteil erwirkt, dass die junge Konkurrenz von Österreich (also der Zeitung), nicht mehr behaupten darf, dass die "die neue Nr.1 der österreichischen Auflagenkontrolle" sei. Auch darf sich die Zeitung Österreich nicht mehr als "Nummer 1 der Tageszeitungen des Landes" bezeichnen. Jedenfalls nicht, solange sie in der Rubrik "Verkauf gesamt" bei der Auflagenkontrolle die höchsten Verkaufszahlen nachweisen kann. Und jetzt kommt’s: Das Handelsgericht Wien hat verfügt, dass das Urteil auf der Website oe24.at mit Fettumrandung für 30 Tage veröffentlicht werden muss. Außerdem darf der Kläger, also Mediaprint, das Urteil sowohl in den eigenen Zeitungen Krone und Kurier sowie in der Zeitung Österreich auf Seite drei einer Freitagsausgabe veröffentlichen. So eine Art Wettbewerbs-Pranger.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige