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Staat zahlte 2,2 Millionen für Bravo-Texte

Der Bauer-Verlag verdient offenbar bestens an einer Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Wie der Spiegel berichtet, kooperiert die Arbeitsagentur seit 2007 mit der Bravo. Unter dem Label "Job Attacke" stellt die BA im redaktionellen Teil der Jugendzeitschrift regelmäßig Angebote zu Ausbildungsplätzen und zur Berufswahl vor. Laut Spiegel zahlte die Nürnberger Behörde für den Deal bislang 2,2 Millionen Euro. Die Partner halten die Kooperation für unproblematisch. Der Presserat sieht das anders.

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Alleine im vergangen Jahr soll die Behörde 700.000 Euro an den Bauer-Verlag gezahlt haben. Gegenüber dem Spiegel gerieten die Nürnberger bereits in leichte Erklärungsnöte. So sagte der BA-Marketingleiter Carsten Heller, dass es einen "sinnvolle Kooperation im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit" sei. Heller versicherte jedoch, dass man "keinen Einfluss auf die redaktionellen Inhalte" nehmen würde, der Bravo jedoch "mit Rat und Tat" zur Seite stünde.  

Der Bauer-Verlag wird zitiert, dass der finanzielle Beitrag der BA nur "zur Abgeltung sämtlicher Kommunikationsleistungen erbracht" würde "und nicht etwa für die Verfassung redaktioneller Beiträge".
In einem ausführlichen Statement äußert sich der Axel Bogocz, Geschäftsführer von Bravofamily zu dem Fall: "Bravo macht weder für die Bundesagentur für Arbeit noch für andere Kooperationspartner PR. In unserer Position als Europas größte Jugend-Medienmarke widmen wir uns aber allen Bereichen, die für Jugendliche relevant sind. Dazu gehören neben der Starberichterstattung und der Jugendberatung unter dem Label "Dr. Sommer" seit 54 Jahren auch gesellschaftspolitische Themen". Denn "Bravo begreift sich an dieser Stelle als Anwalt und wichtigster Lobbyist der Generation Schule."

Das sah der deutsche Presserat im März jedoch anders: Damals rügte die Kontroll-Instanz einen Bravo-Artikel, indem Oliver Pocher den Service und das Angebot des Informationszentrums der Bundesagentur für Arbeit testete. Die Presse-Wächter rügten das Bauer-Magazin, weil es gegen den "Grundsatz der klaren Trennung von Redaktion und Werbung" verstoßen hätte.

In einer Mitteilung des Presserates hieße es, dass die Bravo mit der Berichterstattung eine Kooperation mit der Bundesagentur flankieren würde und "Pocher als Werbeträger engagiert" hätte. "Die Zeitschrift hatte in dem redaktionellen Artikel zu dem Projekt über diese Verflechtung allerdings nicht informiert. Im letzten Satz der Ziffer 7 Pressekodex wird eine solche Transparenz jedoch gefordert, damit Leser das Eigeninteresse des Verlages an einer entsprechenden redaktionellen Veröffentlichung erkennen können."
Für den Hamburger Verlag ist die Entscheidung des Aufsichts-Gremiums völlig unverständlich: "Die Entscheidung des Presserates können wir weder nachvollziehen noch akzeptieren", kommentiert Bogocz. "Ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens wird gestellt."

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