Harter Sparkurs rettet Bertelsmann-Gewinn

Der Medienkonzern Bertelsmann hat das wohl schwierigste Jahr seiner Geschichte mit Gewinn abgeschlossen und dabei nach Worten von CEO Hartmut Ostrowski im zweiten Halbjahr die "Trendwende" geschafft. 2009 erwirtschafte das weltweit operierende Unternehmen einen Umsatz von 15,4 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 1,4 Milliarden Euro. Dass dabei am Ende unterm Strich ein Miniplus von 35 Millionen Euro blieb, ist nur dank harter Sanierungsschnitte möglich gewesen.

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Zum Vergleich: Im ebenfalls bereits von der Krise heimgesuchten Geschäftsjahr 2008 hatte das Unternehmen noch 270 Millionen Euro Nettogewinn erwirtschaftet. Doch wichtiger als nackte Zahlen scheint dem Vorstand das Bemühen um den Turnaround und die strategische Zukunftsausrichtung im Mediengeschäft, die auf massive Sanierungskursanstrengungen aufsetzen soll.
Das im Konzern "Kosten- und Effizienzprogramm" genannte Sparpaket war vom Vorstand Anfang des Jahres vor dem Hintergrund schwieriger Märkte und Werbeumfelder eingeleitet worden. Um fast eine Milliarde Euro soll die Bilanz am Ende durch diese Maßnahmen entlastet worden sein. Zudem zog das Geschäft im dritten und vierten Quartal wieder an, auf dem Ertragssektor übertraf Bertelsmann sogar das 2008er-Ergebnis. Mit minus 5,4 Prozent beim Umsatz und minus 9,6 Prozent beim Vorsteuergewinn fiel der Rückgang angesichts der Marktsituation noch moderat aus. Die Umsatz-Rendite sank ebenfalls nur leicht von 9,7 Prozent in 2008 auf 9,3 Prozent in 2009.
Auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin erklärte Vorstandschef Ostrowski: "Bertelsmann hat sich als robust und flexibel erwiesen. Wir haben die Folgen der Wirtschaftskrise wie jedes Medienunternehmen weltweit zu spüren bekommen, vor allem bei der Werbung. Doch Bertelsmann hat schnell und in bester dezentraler Manier nah an Kunden und Märkten reagiert."
Ostrowski hob die Kostendisziplin, durch die binnen weniger Monate ein Einsparvolumen von rund einer Millarde Euro realisiert worden sei, besonders hervor und verwies auf die erreichten Verbesserungen bei der Produktivität und die Umsatzsteigerung im Digitalbereich: "Bertelsmann steht heute eindeutig fitter da als noch vor einem Jahr und ist gut für zukünftiges Wachstum positioniert."
Wie dieses geschaffen werden kann, erklärte Ostrowski in Berlin so: "Wir verlagern jetzt den Schwerpunkt unserer strategischen Arbeit. Standen 2009 Kosten- und Cash-Management im Mittelpunkt, wird es uns in diesem Jahr vor allem darum gehen, die Signale auf Wachstum zu stellen. Im Vordergrund stehen hier eine weitere Forcierung der vielfältigen Digitalaktivitäten in allen Geschäftsbereichen und der Zugewinn von Marktanteilen." Dabei gebe es gerade für das eigene Haus aufgrund der Konvergenz der digitalen Endgeräte "enorme Potenziale", denn: "Bertelsmann bringt seine Inhalte auf alle relevanten Kanäle."
Im Bericht von Finanzvorstand Thomas Rabe war auch der Abbau des Schuldenberges ein zentrales Thema. Hier sei es gelungen, im Krisenjahr die Nettofinanzschulden um 652 Millionen Euro zu verringern; sie betrugen zum Abschluss des Geschäftsjahres knapp 2,8 Milliarden Euro. Die wirtschaftlichen Schulden insgesamt lagen zum Stichtag bei 6.024 Milliarden Euro (Vorjahr: 6.627 Milliarden).
Die Zukunftsprognose fällt verhalten optimistisch aus: 2010, im Jahr des 175. Firmenjubiläums, gehe man in einem "weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld" von einem stabilen Umsatz und operativen Ertrag sowie einem "deutlichen Anstieg beim Konzerngewinn" aus. Finanzchef Rabe will zudem die "strikte Cash-Orientierung" fortsetzen und dem Haus so zunehmend Möglichkeiten von Investitionen und Zukäufen verschaffen: "Für die strategische Flexibilität von Bertelsmann und die notwendige Selbstfinanzierung unternehmerischen Wachstums ist dies von entscheidender Bedeutung."
Interessant fällt bei der Jahresbilanz auch der Blick auf das Abschneiden der einzelnen Unternehmensbereiche aus: Stark steht vor allem die US-Tochter Random House da, deren Buchgeschäft von der Krise praktisch unbeeindruckt blieb. Deren CEO Markus Dohle konnte den Umsatz sogar minimal von 1.721 auf 1.723 Milliarden Euro steigern, das Operating EBIT blieb mit 137 Millionen Euro konstant.
Dagegen hinterließ die Krise in den Bilanzen des Dienstleisters Arvato und beim Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr deutlichere Spuren. Bei Arvato sank der Umsatz von 4.993 Milliarden Euro 2008 auf 4.826 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn ging von 369 Millionen auf 345 Millionen zurück. Hier zeigte sich die Zurückhaltung vieler Kunden im schwierigen Jahr. Auch Gruner + Jahr muss eine empfindliche Delle verbuchen und vermeldet einen Umsatzrückgang von 2.769 Milliarden auf 2.508 Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn brach von 225 auf 203 Millionen Euro ein. G+J wird seine detaillierte Bilanz am Donnerstag in Hamburg präsentieren.
Die Zahlen der RTL-Gruppe waren bereits veröffentlicht worden. Hier ging der Umsatz von 5.774 Milliarden Euro in 2008 auf 5.410 Milliarden zurück, aufgrund der Werbeflaute stürzte der Vorsteuergewinn von 927 Millionen auf 793 Millionen Euro ab. Die Direct Group spielt mit ihrem Club-Geschäft keine große Rolle mehr in der Bertelsmann-Bilanz: Zwar wurde hier 2009 noch ein Umsatz von 1.246 Milliarden Euro (Vorjahr 1.396 Milliarden Euro) generiert, das Vorsteuerergebnis schrumpfte jedoch auf 28 Millionen Euro (Vorjahr 29 Millionen Euro).

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