Umsatzbilanz: Springer überholt Gruner+Jahr

Ein Unternehmensbericht im am Freitag erscheinenden Manager Magazin ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Klaus Boldt schreibt über die Gemengelage bei Bertelsmann, und die Branche wundert sich. Nicht nur, dass der in Gütersloh allerbest vernetzte Journalist ein Sittengemälde im Jahr eins nach dem Tod des Patriarchen Reinhard Mohn zeichnet: Auch die noch geheimen Bilanzen werden durchgestochen. Bitter sind danach die Zahlen bei Gruner + Jahr, das im Umsatz erstmals hinter Springer zurückfällt.

Anzeige

Ein Unternehmensbericht im am Freitag erscheinenden Manager Magazin ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Klaus Boldt schreibt über die Gemengelage bei Bertelsmann, und die Branche wundert sich. Nicht nur, dass der in Gütersloh allerbest vernetzte Journalist ein Sittengemälde im Jahr eins nach dem Tod des Patriarchen Reinhard Mohn zeichnet: Auch die noch geheimen Bilanzen werden durchgestochen. Bitter sind danach die Zahlen bei Gruner + Jahr, das im Umsatz erstmals hinter Springer zurückfällt.
Für Dienstag und Donnerstag kommender Woche haben Bertelsmann und die Konzerntochter G+J zahlreiche Medienvertreter zur Bilanzpressekonferenz nach Berlin geladen. Den Weg könnte man sich im Prinzip sparen, denn das Manager Magazin blättert die wichtigsten Kenndaten der 2009er-Ergebnisse vorab auf: Bertelsmann insgesamt hat das Superkrisenjahr mit einem nur leicht blauen Auge hinter sich gebracht. 15,4 Milliarden Euro soll laut "MM" der Umsatz betragen, das sind 4,3 Prozent oder 700 Millionen Euro weniger als 2008. Der operative Gewinn schrumpft von 1,57 auf 1,4 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn liegt bei 700 Millionen Euro. Es hätte schlimmer kommen können. Weitaus schlimmer.
Das für Bertelsmann-Verhältnisse brachiale Spar-Verdikt von Vorstandschef Hartmut Ostrowski hat mit rund 900 Millionen Euro kräftig dazu beigetragen und dem 52-Jährigen Achtung und Respekt im Konzern verschafft. Das Manager Magazin (übrigens via G+J eine indirekte Bertelsmann-Beteiligung) bilanziert ein "gutes Ende eines bösen Geschäftsjahres" und spricht von einem "Achtungserfolg" für Ostrowski, der nun aber zeigen müsse, wohin in den zumeist rezessiven Märkten strategisch die Reise gehen soll. Die Rolle von Liz Mohn beschreibt der Artikel als erstaunlich dominant. Die Witwe des Patriarchen Reinhard Mohn sei von erstklassigen Ratgebern umgeben und übe enormen Einfluss aus.
Besonders angeschlagen wirkt das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr. Die am kommenden Donnerstag vom vor Jahresfrist angetretenen Vorstandschef Bernd Buchholz vorzulegende Jahresbilanz ist ein Tiefpunkt für den Traditionsverlag. Der Umsatz sinkt, so jedenfalls das an der Quelle sitzende Manager Magazin, um entmutigende 400 Millionen Euro von 2,8 auf 2,4 Milliarden. Damit fällt G+J beim Umsatz erstmals hinter Axel Springer (2,6 Milliarden) zurück. Auch beim operativen Gewinn gibt es einen Einbruch von 225 Millionen auf 200 Millionen. Rechnet man die Sondereffekte, Zinsen und Abschreibungen hinzu, dürfte die Bilanz des stolzen Zeitschriftenhauses in die roten Zahlen rutschen. Auch das ein Novum.
Besonders bitter für die Hamburger Bertelsmann-Bastion: Da im nach wie vor verschuldeten Konzern das Geld fehlt, durch strategische Zukäufe in wachstumsstarken Segmenten (z.B. Professional Publishing) nachhaltig zu punkten, hängt weiterhin praktisch alles am Kerngeschäft. Und da stellt sich der Vorstand nach Ansicht etlicher Beobachter nicht immer geschickt an. Was durchaus zum Problem werden könnte, oder zur Chance: je nach Lesart.
Im Artikel von Klaus Boldt gibt es dazu eine interessante Spekulation: Der Verkauf des 74,9-prozentigen Mehrheitsanteils am Verlag sei bei Bertelsmann innerhalb der nächsten fünf Jahre "wahrscheinlich", wobei nachgeschoben wird, dass dies auch für Gruner Vorteile hätte, da danach Gewinne gleich wieder ins Unternehmen investiert werden könnten. Das ist geschickt, denn damit stünden die Gütersloher im Verkaufsfall geradezu als Wohltäter da.
Sicherlich lässt sich einwenden: Dies ist die Einzelmeinung des Magazin-Autoren Klaus Boldt. Stimmt. Aber vergleichen Sie doch einfach bei Veröffentlichung die von genau diesem Autoren vorab verbreiteten und noch geheimen Zahlen mit der tatsächlichen Bilanz und fragen sich dann, wie gut seine Quellen sind.
Quod erat demonstrandum.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige