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Googles Rückzug ist Baidus Gewinn

Es ist so gut wie beschlossene Sache: Google wird sich aus China zurückziehen. Während die Aufgabe von Google.cn aktuell nach Umsätzen fraglos verkraftbar erscheint, sorgen sich Anleger über die langfristigen Einbußen auf dem numerisch größten Online-Markt der Welt. Doch wo es Verlierer gibt, sind auch Profiteure. Der nur allzu logische Gewinner von Googles Rückzug aus dem Reich der Mitte ist der nationale Champion Baidu. Die Börse feiert die chinesische Suchmaschine, während Google leidet.

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Es ist so gut wie beschlossene Sache: Google wird sich aus China zurückziehen. Während die Aufgabe von Google.cn aktuell nach Umsätzen fraglos verkraftbar erscheint, sorgen sich Anleger über die langfristigen Einbußen auf dem numerisch größten Online-Markt der Welt. Doch wo es Verlierer gibt, sind auch Profiteure. Der nur allzu logische Gewinner von Googles Rückzug aus dem Reich der Mitte ist der nationale Champion Baidu. Die Börse feiert die chinesische Suchmaschine, während Google leidet.

Es könnte ein teurer Rückzug werden: Fünf Milliarden Dollar weniger ist Google ohne sein chinesisches Suchgeschäft wert – so zumindest hat die Börse am gestrigen Montag  geantwortet, nachdem eine Exklusivstory der "Financial Times" die Runde machte. Tenor: Zu "99,9 Prozent" werde Google sein Such-Geschäft in China einstellen.

Grund dafür ist der anhaltende Konflikt über die Internet-Zensur. Im Januar hatte Google erstmals verkündet, die chinesischen Richtlinien dafür nicht weiter hinnehmen zu wollen. Am Freitag hatte der chinesische IT-Minister Li Yizhong unterdessen bekannt gegeben, dass diese nicht gelockert werden würden.

Google – Rückzug mit fliegenden Fahnen?

Die Folgen sind nun nur allzu absehbar. Google wolle seine Suchergebnisse nicht länger selbst zensieren, wurde ein Sprecher des wertvollsten Internetkonzerns am Montag gegenüber SPIEGEL Online zitiert. Das Technologie-Portal "Alley Insider" berichtet dann auch von ersten Suchergebnissen, die bereits gestern Abend frei zugänglich waren.

Die Strategie erscheint absehbar: Google möchte offenkundig, wenn der Rückzug aus China erfolgen muss, nicht ganz freiwillig abtreten. "Es sieht ganz danach aus, als wenn Google versucht, die chinesische Regierung dazu zu bringen, sie formal  rauszuschmeißen", mutmaßt der frühere Internetaktienanalyst HenryBlodget, heute Chefredakteur des "Alley Insiders".  "Das würde besser aussehen, als beleidigt den Rückzug anzutreten, es würde nämlich die chinesische Regierung schlecht dastehen lassen", so Blodget.

Baidu: Bereits jetzt 60 Prozent Marktanteil in China

Ganz gleich, wer den schwarzen Peter am Ende zugeschoben bekommt – am Ende gibt es nicht nur Verlierer, sondern auch einen großen Gewinner. Und der dürfte vom Heimatmarkt in Form des nationalen Champions Baidu kommen. Die vor zehn Jahren vom Internetunternehmer Robin Li gegründete Suchmaschine verfügt bereits jetzt in China über einen Marktanteil von 60 Prozent, während es Google auf immerhin 35 Prozent brachte.

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Nach dem Rückzug von Google dürfte Baidu die monopolartige Stellung damit folgerichtig noch weiter ausbauen und den numerisch größten Internet-Markt der Welt nach Belieben dominieren.

Baidu mit 20 Milliarden Dollar schon ein Achtel so wertvoll wie Google

Google kostet der Rückzug pro Jahr die aktuell verkraftbaren Umsätze in Höhe von 300 bis 350 Millionen Dollar – doch eben auch ein Stück weit Zukunftsoptionen. Die sehen Anleger immer  mehr beim chinesischen Champion, der nach dem "FT"-Bericht um abermals 6 Prozent in die Höhe sprang – auf neue Allzeithochs bei 580 Dollar.

Rein numerisch hat die Baidu-Aktie Google damit sogar überholt, nach Börsenwert ist das Kräfteverhältnis indes weiter als das von David und Goliath. Google wird mit knapp 180 Milliarden Dollar bewertet, das ebenfalls an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete Baidu indes nur mit 20 Milliarden Dollar.

"Wäre lieber in Google als in Baidu investiert"

Doch damit ist Baidu sehr stattlich bewertet: Das maßgebliche Bewertungskriterium, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), ist bei Baidu inzwischen auf erstaunliche 80 angeschwollen, während Google mit einem KGV von weniger als 22 aktuell so günstig zu haben ist, wie kaum seit dem Börsengang.

Entsprechend beurteilen auch Marktexperten das Missverhältnis zwischen den beiden Suchmaschinen: "Egal, wie die Situation in Chinas ausgeht, ich wäre lieber in Google als in Baidu investiert", erklärt etwa der Anlagebrater und Daytrader Timothy Collins. "Googles schlechte Nachrichten sind bekannt und eingepreist. Aber was ist mit Baidu?"

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