iTunes übt Druck auf Musiklabels aus

Digitaler Revierkampf: Amazon, die Nummer Zwei im Download-Geschäft, stört den Marktführer iTunes mit seinem "Daily Deal". Der Internetversand bietet seit zwei Jahren in den USA Musikalben 24 Stunden zu sehr günstigen Preisen an – seit Mitte 2009 sogar exklusiv am Tag vor deren Erstveröffentlichung. Laut Billboard geht iTunes jetzt gegen die Konkurrenz vor und droht Plattenfirmen erstmals mit Marketing-Sanktionen. Zahlreiche Labels verzichten nun auf die „Daily Deal“-Kooperation mit Amazon.

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Apples iTunes-Store ist der mit Abstand erfolgreichste Musikladen im Internet. Ende Februar erzielte das Unternehmen den 10-milliardsten Download. Zur Vertriebspraxis gehört ein umfassendes Marketing für die Alben der Vertragspartner, inklusive auf den Veröffentlichungstermin zielenden Promotion.

Genau hier greift Amazon an: Mit seinem Mitte 2008 eingeführten "Daily Deal" bietet der Internethändler auch aktuelle Alben für einen Tag zum Download zu einen Betrag an, der deutlich unter dem normalen Preis liegt.
US-Kunden konnten etwa am 2. März das neue Album von Raheem Devaughn, das bei Sony Music erscheint, inklusive digitalem Booklet für 3,99 Dollar herunterladen.

Für die Musiklabels bedeuten solche Angebote vor allem Aufmerksamkeit für neue Produkte. Damit nicht genug: Im vergangenen Jahr hat Amazon einen neuen, aggressiven Coup gelandet und begonnen, aktuelle Alben einen Tag vor dem regulären Erstveröffentlichungstermin – und damit vor allen Konkurrenten – als MP3-Downloads zu vertreiben. Das erste Angebot dieser Art war "Memoirs of an Imperfect Angel" von Mariah Carey, das Amazon-Kunden am 29. September für 5,99 Dollar kaufen konnten.

Das scheint beim iTunes-Management das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. Um gegen die lästige Konkurrenz vorzugehen, bricht der weltgrößte Musik-Download-Händler mit seiner Firmenpolitik und greift direkt in die Promotion seiner Geschäftspartner ein. Nach einem Bericht von Billboard droht iTunes den Musik-Labels, das Marketing für bestimmte Veröffentlichungen zu entziehen, sollten sie sich weiter auf den Amazon-Deal einlassen. Billboard beruft sich dabei auf einen namentlich nicht genannten, hochrangigen Manager eines Major-Labels. Mehrere Musikfirmen hätten daraufhin auf die "Daily Deal"-Kooperation mit Amazon verzichtet, darunter Capitol, Capitol Nashville, Hollywood Records und Jive.

Seit dem Start vor sieben Jahren ist iTunes in den USA nicht nur zum größten Download-Vertrieb für Musik gewachsen – 2009 lag der Marktanteil bei 69 Prozent vor Amazon (8 Prozent) – sondern zum größten Musik-Einzelhändler überhaupt.

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