US-Internetaktien: Party wie 1999

Wenn die Nacht am dunkelsten erscheint, ist die Dämmerung oft am nächsten. Diese alte Binsenweisheit trifft passend auf die Aktienmärkte zu. Vor genau einem Jahr hätte der Pessimismus wohl größer kaum sein können: Ein halbes Jahr nach der Pleite von Lehman Brothersschien es, als sollten die Kurse schier ins Unermessliche fallen – ein Boden schien nicht in Sicht. Doch tatsächlich bildete er sich gerade aus. Zwölf Monate später sieht die Börsenwelt völlig anders aus, wie die Anteilseigner von Expedia, Apple oder eBay zu berichten wissen.

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Wenn die Nacht am  dunkelsten erscheint, ist die Dämmerung oft am nächsten. Diese alte Binsenweisheit trifft passend auf die Aktienmärkte zu. Vor genau einem Jahr hätte der Pessimismus wohl größer kaum sein können: Ein halbes Jahr nach der Pleite von Lehman Brothers schien es, als sollten die Kurse schier ins Unermessliche fallen – ein Boden schien nicht in Sicht. Doch tatsächlich bildete er sich gerade aus. Zwölf Monate später sieht die Börsenwelt völlig anders aus, wie die Anteilseigner von Expedia, Apple oder eBay zu berichten wissen.

Besitzer von Internetaktien haben den Film schon mal gesehen. Ironischerweise zehn Jahre ist es her, als sich wie aus dem Nichts plötzlich ein Paradigmenwechsel abzeichnete: Alles, was sechs Monate lang im Zuge des Millenniumhypes noch gut war, wurde von Aktionären plötzlich so hart und schnell wie möglich abverkauft. 
Neun Jahre später das gleiche Bild nur mit anderen Vorzeichen: Lehman Brothers, die einst viertwertvollste Investmentbank der Welt, war plötzlich pleite und riss buchstäblich über Nacht die gesamte Finanzlandschaft mit sich – auch Unternehmen aus dem Internet- und Technologiesektor, die mit Hypothekenanleihen nichts zu tun hatten. Sechs Monate ging das Gemetzel weiter, das Vorzeige-Unternehmen wie Apple oder Google binnen weniger Monate halbierte.

Im März 2009 dann die Trendwende. Was für ein Unterschied ein Jahr machen kann, beweist ein Blick auf die Notierungen heute.

Expedia: + 257 Prozent
Keine Frage: Es war das Jahr der Online-Reiseveranstalter. Wie schon in der Rezession von 2001 avancierten Internet-Reisebüros zu den großen Krisengewinnern. Ganz vorne dabei: Die frühere Microsoft-Tochter Expedia mit einem Plus von mehr als 250 Prozent.  



Baidu: + 240 Prozent


Was für ein Comeback: Die größte chinesische Internet-Suchmaschine kann „Krise“ bis heute nicht buchstabieren – die Geschäfte wuchsen weiter zweistellig, während die Aktie regelrecht abhob. Von den Tiefstkursen im März 2009 bis zum neuen Allzeithoch in diesen Tagen waren es gar mehr als 300 Prozent Plus. Neuer Schub kam im laufenden Jahr ausgerechnet vom großen Rivalen Google, dessen  Rückzug in China dem Platzhirsch zusätzlich den Rücken stärkt.
Priceline:  + 187 Prozent



Internet-Reisebüros, zweiter Teil: Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Millenniumshausse wurde auch ein früherer Internetstar wieder um Leben erweckt – die Geschäfte boomen bei Priceline, das den ersten Platz zwar seinem Rivalen Expedia überlassen muss, aber nach Börsenwert mit fast 11 Milliarden Dollar vor dem einheimischen Konkurrenten liegt.
Apple: + 157 Prozent
Es ist die Wiederauferstehung der Technologiebranche. Gebeutelt von den Sorgen um rückläufige Verbraucherausgaben und vor allem um die Gesundheit von CEO Steve Jobs, der sich im Januar in eine halbjährige Auszeit verabschiedete, fiel die Apple-Aktie im Zuge der Finanzkrise härter zurück als die Technologiebörse Nasdaq selbst – ein epochaler Absturz von knapp 200 auf 78 Dollar binnen weniger Monate.

Spürbar war die Krise indes nie wirklich beim Computerpionier: Das Wachstum legte weiter zweistellig zu. Getrieben von anziehender Nachfrage in den vergangenen Monaten und vor allem der Aussicht auf den baldigen Launch des iPads, stellte die Apple-Aktie zuletzt Allzeithoch nach Allzeithoch auf und schloss heute bei historischen 224 Dollar. Damit wird Apple inzwischen mit mehr als 200 Milliarden Dollar bewertet. 

eBay: + 138 Prozent

Auch ein Internetpionier, der in der Millenniumsrallye vor zehn Jahren schon exorbitante Zuwächse verzeichnet hatte, erlebte ein glorreiches Comeback. Obwohl der frühere Buchversender Amazon dank des Kindles und schnelleren Wachstums mehr Schlagzeilen auf sich zog, konnte der weltgrößte Online-Auktionator seine Aktionäre doch mehr befriedigen: Mit  einem Plus von 138 Prozent binnen der letzten zwölf Monate schlug eBay Amazon, das es vom 9. März 2009 bis gestern auf ein Plus von 111 Prozent brachte.

Auch andere Technologie- und Internetschwergewichte verzeichneten in den vergangenen zwölf Monaten beachtliche Zuwächse: Der Flash-Anbieter Adobe legte um 104 Prozent zu, Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) um 102 Prozent, Microsoft um 87 Prozent, Cisco  um 84 Prozent. Internet-Riese Google gewann immerhin noch 82 Prozent und konnte damit ebenfalls knapp die Technologiebörse Nasdaq schlagen, die genau 80 Prozent an Wert gewann.

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