Paid-Content-Strategie – Springers Bilanz

Auf dieses Projekt schaut eine ganze Branche: Vor rund drei Monaten traute sich Springer bei den regionalen Inhalten seiner Mainstream-Angebote Abendblatt.de und Morgenpost.de, die Bezahlschranke runterzulassen. Mit der IVW-Auswertung des Februars lassen sich nun zum ersten Mal seriös die Traffic-Auswirkungen dieser Maßnahme auswerten. Das Ergebnis: Beide Portale verlieren Reichweite. Doch anders als von den meisten Beobachtern prognostiziert, sind die Besucherzahlen nicht ins Bodenlose gerauscht.

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Auf dieses Projekt schaut eine ganze Branche: Vor rund drei Monaten traute sich Springer bei den regionalen Inhalten seiner beiden Mainstream-Angebote Abendblatt.de und Morgenpost.de, die Bezahlschranke runterzulassen. Mit der IVW-Auswertung des Februars lassen sich nun zum ersten Mal seriös die Traffic-Auswirkungen dieser Maßnahme auswerten. Das Ergebnis: Beide Portale verlieren Reichweite. Doch anders als von den meisten Beobachtern prognostiziert, sind die Besucherzahlen nicht ins Bodenlose gerauscht.

Im Februar zählten die IVW für die Webseite des Hamburger Abendblatts 6,05 Millionen Visits. Das bedeutet im Vergleich zum Januar ein Minus von 6,3 Prozent. Der Visit-Verlust sieht erst einmal Höher aus, als er tatsächlich ist. Denn ein gewisser Besucherschwund ist normal, weil der Februar weniger Tage hat als der Januar. Auch wenn man diesen Effekt berücksichtigt, zeigt sich jedoch, dass Abendblatt.de stärker als die Konkurrenz verloren hat. Keines der deutschen Top-20-News-Portale machte ein höheres Minus, als die Hamburger mit ihren 6,3 Prozent.

Bei der Berliner Morgenpost sieht die Tendenz ganz ähnlich aus. Im Februar zählt die Seite 2,46 Millionen Besuche. Das bedeutet in Minus von 7,9 Prozent. Auch dieser Verlust ist zwar überdurchschnittlich, ein massiver Traffic-Zusammenbruch sieht allerdings anders aus.

Möglich wurde dieses durchaus beachtliche Ergebnis durch einen Kunstkniff. Damit die beiden Springer-Portale nicht den lebenswichtigen Google-Traffic verlieren, bauten die Techniker die Systeme so um, dass jeder Nutzer, der von der Suchmaschine auf die beiden Seiten geschickt wird, pro Tag fünf – eigentlich kostenpflichtige – Artikel für lau lesen kann.

Mit dieser Lösung wird das Google-Minus gering gehalten, allerdings mit dem Nebeneffekt, dass Springer potentielle Einnahmen durch die Lappen gehen. Diesen Verlust nehmen die Verlagsmanager im Moment jedoch noch ganz bewusst in Kauf. Die von CEO Mathias Döpfner ausgegebene Direktive lautet, für einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel in den Köpfen der Konsumenten zu sorgen. Das kräftige Drehen an der Einnahmenschraube soll erst später folgen.

Den ersten Schritt in seiner Paid-Content-Strategie hat Springer erfolgreich hinter sich gebracht: Die ersten Verlagsangebote haben ohne massiven Traffic-Verlust ein funktionierendes Paid-Content-Modell implementiert. Die daraus generierten Einnahmen sind – wie man aus dem Verlagsumfeld hört – noch überschaubar. Heißt: Der nächste Schritt muss folglich die signifikante Steigerung der Einnahmen sein. An diesem Punkt, wird sich tatsächlich zeigen, ob es dem Hamburger Abendblatt und der Berliner Morgenpost gelungen ist, ein funktionierendes Geschäftsmodell für regionalen Online-Journalismus zu entwickeln und profitabel zu gestalten.

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