Social-News: Der Yigg-Absturz

Das ambitionierte Social News-Portal Yigg kämpft ums Überleben. Innerhalb von zwei Monaten verloren die Münchener fast zwei Drittel ihres Traffics. Laut IVW rauschte Yigg.de von knapp über einer Million Visits auf nur noch 354.154 Besuche. Der Reichweiten-Zusammenbruch des Web 2.0-Start-ups muss aber kein Einzellfall bleiben, denn er basiert vor allem auf einer harten Bestrafung von Google. So wird einmal mehr deutlich, wie abhängig das deutsche Web von der US-Suchmaschine ist.

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Das ambitionierte Social News-Portal Yigg kämpft ums Überleben. Innerhalb von zwei Monaten verloren die Münchener fast zwei Drittel ihres Traffics. Laut IVW rauschte Yigg.de von knapp über einer Millionen Visits auf nur noch 354.154 Besuche. Der Reichweiten-Zusammenbruch des Web 2.0-Start-ups muss aber kein Einzellfall bleiben, denn er basiert vor allem auf einer harten Bestrafung von Google. So wird einmal mehr deutlich, wie abhängig das deutsche Web von der US-Suchmaschine ist.

"Mit Bekanntgabe der IVW-Zahlen des Januar ist ersichtlich, dass wir Mitte Januar einen signifikanten Rückgang unserer Besucher haben hinnehmen müssen", schrieb Yigg-CEO Michael Reuter Anfang Februar in einem Posting an die Mitglieder. "Der Rückgang ist auf eine geringere Sichtbarkeit im Google Index zurückzuführen." Seitdem arbeiten die Techniker der Plattform fieberhaft daran, dass Google-Ranking wieder zu verbessern. Doch: "Google ist kein ‚open book‘ ."

Marco Janck kommentiert in seinem Blog Seonauten.com: "Hier kann man deutlich sehen, was Google von Yigg hält, nämlich gar nichts oder zu mindest kaum was."

Die Gründe, warum die Suchmaschine Yigg derart abstrafte, lassen sich nicht abschließend benennen. Denn Google rechtfertigt sich in solchen Fällen nicht. Die meisten Penalties (Strafen) spricht die US-Company immer dann aus, wenn sie der Meinung ist, dass eine Webseite versucht sich mit – für Google unzulässigen Methoden – Vorteile zu verschaffen.

Yigg.de ist die älteste deutsche Social-News-Community und – wie fast alle einheimischen Web-2.0-Dienste – der Klon eines US-Angebotes. Vorbild für das 2005 gestartete Yigg war die amerikanische Nachrichten-Plattform Digg.com. Wie der US-Pate will auch Yigg eine "basisdemokratische" News-Community schaffen, bei der keine Redaktion und kein Algorithmus (wie bei Google-News), sondern die Mitglieder selbst die Relevanz einer Nachricht bewerten. Als Reporter fungieren die User, indem sie interessante Meldungen, die sie im Web finden, den anderen Mitgliedern präsentieren. Diese bewerten dann die Relevanz der Amateur-Fundstücke. Je positiver das Echo, desto prominenter ist die News auf der Startseite zu sehen.

Der Yigg-Niedergang begann nicht erst Ende 2009, sondern bereits Mitte 2008. Ein missratener Relaunch kostete das Angebot damals weit über eine Millionen Portalbesuche. Im Juni 2008 erreicht Yigg noch 2,3 Millionen Visits. Bis September brachen die Visits jedoch auf 697.196 zusammen. Schon damals ist die Zahl der aktiven User stark zurückgegangen. Wie der neuerliche Traffic-Rückgang nun beweist, sind in der Community nicht mehr so viele Mitglieder aktiv, denn dann wäre das Portal nicht derart von Google-Besuchern abhängig.

Die allgemeinen Probleme der deutschen Social News Angebote wie Yigg oder Webnews fasst Maxwell in einem Kommentar unter dem Seonauten-Post treffend zusammen: "Das Problem liegt in der begrenzten Quellenlage. Während die großen Seiten wie Reddit oder Digg aus einem internationalen Pool englischsprachiger Quellen schöpfen können, beschränkt es sich hier auf einige wenige Länder, und da zählt Deutschland schon zu den dicken Fischen im Teich."

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