Laufsteg frei für Heulsusen & Quotenhexen

Ab Donnerstag sucht Model-Mama Heidi Klum wieder zur besten Sendezeit "Germany's Next Topmodel". ProSieben zeigt die fünfte Staffel der Erfolgsshow, die zuletzt Rekordquoten erzielte. Insider behaupten, dass das jetzt gecastete Mädchen das letzte sein wird, das die hyperaktive Heidi in den Model-Olymp befördern wird. Andere wiederum meinen, die kecke Klum habe für mindestens zwei weitere Jahre unterschrieben. So viel zu den Gerüchten. Was aber feststeht ist: Der Glanz des Topmodels verblasst langsam.

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Das zeigte sich nicht zuletzt daran, dass sie ihren langjährigen Jury-Kollegen Peyman Amin aus der Jury schasste, ohne ihn darauf großartig vorzubereiten. Er wurde mehr und mehr zum wichtigen, vielleicht wichtigsten Charakter der Sendung und so etwas lässt das Ich-Imperium der Heidi Klum nicht zu. Davor traf es "die Handetasche muss lebendig sein"-Experte Bruce Darnell. Er drohte mit seinen "Performances" Heidi die Show zu stehlen. Kurzerhand schmiss die erfolgsverwöhnte Misses Samuel, wie sie jetzt heißt, den Modelcoach raus. Darnell bekam eine Show in der ARD, die zwar floppte, ihn aber bei RTL auf den "Supertalent"-Juroren-Sessel neben Dieter Bohlen und Silvie van der Vaart setzte. Auch Peyman traf es nicht allzu schlecht mit der "Model-WG", dem Auffangbecken für die Verliererinnen von "Germany’s next Topmodel". Dort trat er als derjenige auf, der er auch im wahren Leben ist: ein Modelagent.

In der jetztigen Jury-Zusammenstellung mit dem Fotografen Kristian Schuller, den Heidi bereits in den Staffeln zuvor lang und breit gefeatured hatte, und Qualid "Q" Ladraa, Marketing-Manager des Modelabels Ed Hardy, wird das Ego des Topmodels nicht weiter in den Schatten gestellt. Die beiden sind unbekannt und werden es wahrscheinlich auch bleiben. Beste Voraussetzungen dafür, das angekratze Image der viefachen Mutter Klum aufzupolieren.

McDonalds kündigte den Testimonial-Vertrag mit ihr, auch Katjes und Douglas setzen in ihrer Markenpflege nun andere Schwerpunkte. Ein Schlag in das hübsche, erfolgsverwöhnte Grinse-Gesicht. Auch das Medien-Echo wird immer kritischer. Der Focus spielt mit der Headline "Im Angesicht des Brotes" auf die Ausdruckslosigkeit der Moderatorin an, der Stern überschrieb ein eigenproduziertes Video mit "Wie Heidi Klum Mädchenträume ausnutzt …". Selbst die sonst so in Wohlwollen für die Casting-Show badende Bild-Zeitung fragte: "Verblasst der Stern der Topmodels?"

Doch dem Erfolg der Sendung wird dies kaum Abbruch tun. Die Quoten der bisherigen Staffeln zeigen: Immer mehr Zuschauer schalten ein. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen steigerte sich der Anteil von 2,19 Millionen in der ersten Staffel auf 2,88 Millionen in der vierten. Der Marktanteil lag damit bei 24,1 Prozent. Im Gesamtpublikum wurden zuletzt 3,81 Millionen Zuschauer gemessen, was einen Marktanteil von 13,1 Prozent ausmacht. Zum Vergleich: ProSieben erreichte im Jahr 2009 bei den 14- bis 49-Jährigen im Jahresdurchschnitt einen Marktanteil von 11,9 Prozent, im Gesamtpublikum 6,6 Prozent. "Germany’s next Topmodel" lag also in etwa beim Doppelten dieser Normalwerte.

Schon vor dem offiziellen Sendestart kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einiges vorraussagen: Getreu dem altbewährten Erfolgsrezept wird es die Dramaturgie vorgeben, dass es mindestens eine notorische Heulsuse, eine scheue Sympathieträgerin und die unverzichtbare Quotenhexe, die möglichst lange den Zuschauer mit Zickereien bei Laune hält, unter den Kandidatinnen gibt. Erfahrungsgemäß werden diese Rollenbilder auch bereits in den ersten Sendungen gefestigt und bis zum schillernden Finale beibehalten. Die drei Jurymitglieder werden in gewohnt arroganter Manier die Mädels wie vor das jüngste Gericht auflaufen lassen, um ihnen entweder das begehrte Foto oder eben den Rückfahrschein in die Hand zu drücken.

Ab Donnerstagabend wird also wieder mit Zuckerbrot und Peitsche um die Welt gejettet – vom extravaganten Fotoshooting bis zur exklusiven Modenschau – bis sich die Spreu vom Weizen trennt. Wir dürfen gespannt sein.

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