Bauer forciert neuen Kurs bei Yellows

Bauer hat mit Hansjörn Muder einen neuen Chefredakteur für die Neue Post verpflichtet. Gleichzeitig wurde die gesamte Führungsmannschaft bei dem Titel ausgewechselt. Von OK! kommt nach MEEDIA-Infos mit Katharina Kellermann eine neue Vize-Chefin. Die bisherige stellvertretende Chefredakteurin Jaqueline Müller musste ebenso gehen wie Chefreporterin Christine Dornheim und Textchef Andreas Born. Bauer versucht gerade, seine wichtigen Yellows zukunftsfit zu machen. Personal-Umbauten inklusive.

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Unter dem Schlagwort Premium-Yellows will Bauers Verlagsgeschäftsführer Ingo Klinge drei der wichtigsten Umsatz- und Erlösträger des Hauses in eine neue Ära führen. Neben der Neuen Post sind das Das Neue Blatt und Das Neue. Das gesamte Yellow-Segment hat seit Jahren mit Problemen an mehreren Fronten zu kämpfen. Die Traditionstitel sind bedroht durch neue Billigst-Konkurrenten. Gleichzeitig gab es in der Branche teure und spektakuläre Rechts-Streitigkeiten mit Prominenten, und drittens sind die Käuferinnen der Yellows in der Regel ältere Frauen. Es wächst keine junge Zielgruppe für das Segment nach.

Dies schlägt sich in kontinuierlich sinkenden Auflagen nieder. So büßte die Neue Post in den vergangenen fünf Jahren ein Viertel im wichtigen Einzelverkauf ein. Beim Neuen Blatt liegt das Einzelverkaufs-Minus im Fünf-Jahres-Trend bei 28 Prozent, bei Das Neue sogar bei minus 34 Prozent. Handlungsbedarf ist also da. Der bisherige Neue Post-Chef Winckler musste gehen – wegen der berühmten "unterschiedlichen Auffassungen über die weitere strategische Ausrichtung des Titels". Winckler ist ein ein langjähriger Bauer-Mitarbeiter. Von einem kurzen Zwischenspiel in der Bild-Chefredaktion ist er seit 1999 bei den Bauer-Yellows an Bord gewesen.

Die Verpflichtung des erfahrenen Boulevard-Mannes Muder, der in der Vergangenheit vor allem beratend für Bauer tätig war und einige Neueinführungen mit entwickelte, wird von manchen im Bauer-Umfeld als Zeichen dafür gewertet, dass die Redaktionen der Premium-Yellows künftig noch näher zusammenrücken könnten. Service-Themen für die drei Yellows werden bereits seit Ende 2008 aus einer gemeinsamen Service-Redaktion heraus geliefert. Auch in anderen Verlagshäusern ist der Trend zur Zentralredaktion ungebrochen. Solche Spekulationen werden von Bauer Verlagsleiter Ingo Klinge allerdings dementiert. Gegenüber MEEDIA sagte er: "In den vergangenen Jahren haben unsere Redaktionen sehr intensiv daran gearbeitet, für jeden Titel eine eigene Positionierung zu schaffen oder diese weiter zu schärfen. Auf diesem Weg werden wir weiter gehen."
Beim Spitzenpersonal wurde und wird kräftig gewechselt. Bei Das Neue ersetzte im März 2009 Jörg Schumacher Anne Hoffmann in der Chefredaktion. Nun wurde die gesamte Führungs-Mannschaft bei der Neuen Post ausgetauscht. Nur bei Das Neue Blatt ist mit Petra Hansen-Blank und ihrer Stellvertreterin Frauke Meinen noch ein langjähriges Bauer-Tandem im Amt. Hansen-Blank und Meinen hatten vor dem Neuen Blatt die Redaktion von Das Neue geleitet.

Verlagsleiter Ingo Klinge hat "Wahrhaftigkeit in der Berichterstattung" als Leitlinie für die Premium-Yellows des Hauses ausgegeben. Damit distanziert er sich deutlich von teils zwielichtigen Methoden des Geschichtenmachens im Yellow-Segment. Die Old-School-Methoden der Branche reichen vom puren Erfinden bis hin zum Inszenieren von skandalträchtigen Promi-Geschichten. Gerne nahmen Redaktionen dabei Dienste von Story-Agenturen in Anspruch, um sich selbst nicht die Finger schmutzig zu machen. Klagen auf Unterlassung und Schmerzensgeld gingen dann aber bei den Verlagshäusern ein. Der finanzielle Schaden und das zunehmende Image-Problem führte bei einigen großen Verlagen zu einem Umdenken. Umfangreiche Personal-Maßnahmen, wie gerade bei der Neuen Post, sprechen dafür, dass die Phase der Neu-Orientierung bei den Premium Yellows noch nicht abgeschlossen ist.

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