Abspeck-Trash: „The Biggest Loser“

Ran an den Speck: Erst ließ man Kati Witt bei ProSieben auf die Pfundskerle los, nun darf sich Boxweltmeisterin Regina Halmich versuchen. Zur Primetime moderiert sie die neue kabel eins-Abspeck-Show, bei der acht Paare gegeneinander antreten. Ihr Ziel: "Biggest Loser" werden und 25.000 Euro kassieren. Doch das Fliegengewicht Halmich wirkt so deplaziert, wie eine Schlachterplatte beim Vegetarier. Auch wenn sie nur helfen will, sorgt sie dafür, dass übergewichtiges TV-Frischfleisch dem Publikum zum Fraß vorgeworfen wird.

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Und das ist die Story: Acht unterschiedlich zusammengesetzte Paare (u.a. Tante und Nichte, Schwestern, Arbeitskollegen, Ehepaar, Freunde) werden mit einem Flugzeug nach Mallorca zu ihrem Trainingscamp geschafft. Dort leben sie für acht Wochen auf einer luxuriösen Finca, weit weg von allem, was sie von ihrem hoch gesteckten Ziel ablenken könnte: abnehmen – und das mithilfe von sehr viel Sport und einer besseren Ernährung. Am Ende der Woche schickt Moderatorin Halmich die Kandidaten dann auf die Waage. Für die zwei Paare, die am wenigsten Gewicht verloren haben, heißt es dann Zittern. Ihre Mitstreiter entscheiden per Abstimmung, wer vom Camp zurück auf die heimelige Couch darf und wer weiter kämpfen muss.
Unter den Kandidaten finden sich Konstellationen wie die kräftigen Hamburger Kiez-Kerle Sven und Heino, die zusammen 281 kg auf die Waage bringen, in der Sendung das rosa Team bilden und allein durch das zugeteilte Outfit mit 80er-Stirnband und Mütze in Schweinefarben und ihren Sprüchen einen Unterhaltungswert besitzen.
Die meisten Sympathiepunkte der Zuschauer bekommt aber Serap, die mit 197 kg die schwerste Kandidatin und der auch der erste private Einspieler gewidmet ist. In den Clips müssen die Kandidaten in billigster Hobby-Psychologen-Manier die Gründe für die Moppelkeit erklären. Bei der Deutsch-Türkin war es der Verlust der Eltern als Jugendliche, die sie zum Frustessen brachte. Die 17-jährige und damit jüngste Teilnehmerin Catharina gibt als Grund für ihre Pfunde die Schläge ihres Vaters an, denen sie als Kleinkind ausgesetzt war. Aus Produzentensicht bieten die Kandidaten den richtigen Mix aus Hilflosigkeit, trauriger Vorgeschichte und bitterem Schicksal.
Soviel zu den Teilnehmern, kommen wir zu den anderen Charakteren. Auf die Abnehmwilligen sind zwei Drill-Instructors angesetzt: Silke, die nach eigenen Angaben gegenüber Bild früher selbst 85 kg bei einer Größe von 1,66 m auf die Waage brachte, ist der freundlichere Part der zwei Fitness-Gurus, die zumindest teilweise Empathie für die pfundigen Kandidaten aufbringt. Härter geht es da schon bei dem braungebrannten und mit Muskeln bepackten Andreas zu, dessen Wortschatz überwiegend aus "geil" und "scheiße" besteht. Nicht selten vergreift er sich mal im Ton, schwingt plume Parolen, aber das gehört zum Sendekonzept genauso dazu, wie die Promi-Besetzung, die den Zuschauer überhaupt erst dazu bringen soll, reinzuschalten.
Ob es der halben Portion Halmich gelingt, bleibt fraglich. Sie wirkt in der Welt der Wonneproppen oft deplaziert, blass und verkrampft. Die gespielte Strenge einer Schiedsrichterin, die sie von Heidi Klum abkupfert, steht ihr schlecht zu Gesicht. Offensichtlich fühlt sie sich unwohl in ihrer Haut – und das sagt sie auch, als es für die Kandidaten um die wöchentliche Rauswahl eines Paares geht. Lockerer und befreiter wirkt die Boxweltmeisterin dann, wenn es darum geht, sich mit den Kandidaten über die gepurzelten Pfunde zu freuen.
Schon nach der ersten Sendung ist abzusehen: Die Zuschauer brauchen viel Geduld. Bereits der Auftakt mit der Flugreise ist überflüssig lang. Noch und nöcher zeigt der Kamera, dass erstens die Sitze zu schmal und zweitens die Gurte zu kurz sind. Dieser "besondere" Blickwinkel wird überproportional oft gewählt, auch wenn sich die Kandidaten bei der Wassergymnastik oder bei der Challenge á la Bundesjugendspiele filmen lassen. Die kabel-eins-Sendung zieht sich so in die Länge, wie eine echte Diät. Wäre sie doch nur so kurzatmig wie ihre Kandidaten.
"The Biggest Loser", ab Dienstag, 2. März, von 20.15 Uhr – 22.15 Uhr auf kabel eins

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