Wie die ARD Journalismus versteckt

Publishing Mittwochnacht war es mal wieder soweit. In der ARD lief ein hoch interessanter, gut recherchierter Beitrag. "Die Story" des WDR hatte das Thema "Karstadt - der große Schlussverkauf". Akribisch deckte der Film Facetten der größten deutschen Nachkriegspleite auf und zeichnete ein kritisches Bild vor allem des ehemaligen KarstadtQuelle-Chefs Thomas Middelhoff, der sich sogar im O-Ton rechtfertigte. Wann wird so ein tolles Stück gesendet: nachts um 23.30 Uhr. Das ist kein Einzelfall.

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Mittwochnacht war es mal wieder soweit. In der ARD lief ein hoch interessanter, gut recherchierter Beitrag. "Die Story" des WDR hatte das Thema "Karstadt – der große Schlussverkauf". Akribisch deckte der Filme Facetten der größten deutschen Nachkriegspleite auf und zeichneten ein kritisches Bild vor allem des ehemaligen KarstadtQuelle-Chefs Thomas Middelhoff, der sich sogar im O-Ton rechtfertigte. Wann wird so ein tolles Stück gesendet: nachts um 23.30 Uhr. Das ist kein Einzelfall.

Kurz vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver hatte die ARD eine Dokumentation ihres Doping-Experten Hajo Seppelt im Programm. Titel: "Geheimsache Doping: eiskalter Betrug". Der Film zeigte Verstrickungen des deutschen Olympia-Teams in der Wiener Blutdoping-Affäre auf. Brisanter Stoff, investigativer Journalismus, gut angelegte TV-Gebühren. Wann wird gesendet: um 0.15 Uhr. Vorher kam ja Fußball.

Im Fall des Karstadt -Films ist besonders ärgerlich, dass der Sendetermin von einem attraktiven Sendeplatz montags um 21 Uhr auf den Nachttermin verlegt wurde. Angeblich seien in letzter Minute brandheiße neue Erkenntnise in den Film eingearbeitet worden. Die neuen Erkenntnisse betrafen dann aber lediglich einige eher unverbindliche Aussagen zu mysteriösen Transaktionskosten bei dem Immobilienverkauf von KarstadtQuelle. Statt den Film wie geplant am 18. Januar zu zeigen, hob die ARD an diesem Termin lieber eine, ebenfalls gute aber zeitlose, Doku über die alte Reinhold-Messner-Expedition am Nanga Parbat ins Programm. Der Nacht-Termin sei der nächste freie Sendeplatz gewesen, hieß es beim WDR. Und dazwischen war ja Fasching. Die Ausrede, es sei gerade kein Sendeplatz frei ist inzwischen symptomatisch. Seltsamerweise ist für jede x-beliebge TV-Schmonzette immer ein Sendeplatz frei. Nur wenn es mal brisant wird, dann bleibt leider, leider nur der Nachttermin.

Fasching, Fußball und Kitsch genießen bei der ARD offenbar uneingeschränkte Vorfahrt im Programm. In der ARD-Mediathek ließ sich die Karstadt-Doku am nächsten Tag auch nicht finden. Nur ein 30-sekündiger Trailer zum Film. Dafür auf der WDR-Website der Hinweis: "Bitte beachten! Die Wiederholung ist in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 2010." Zwischen 3.25 und 4.10 Uhr. Die Programm-Perlen in der ARD sind wahrlich gut versteckt.

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