Mehr Gehalt für alle ddp-Mitarbeiter

Martin Vorderwülbecke hat zur Abwechslung positive Nachrichten für seine Leute im Gepäck: ddp-Redakteure erwarten Prämien und Gehaltserhöhungen. Außerdem will er in seiner Agentur-Allianz zehn neue Stellen besetzen, darunter Korrespondenten-Plätze. Mit dem neuen Gruppen-Chefredakteur Dreyer, der früher kommen darf als erwartet, will er "einen Nachrichtenanbieter von Weltniveau" formen. Der Druck auf die dpa erhöht sich - sie bekommt indes selbst Top-Leute wie Homburger und Zschunke eher als geplant.

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Bei den Nachrichtenlieferanten dreht sich das Personal-Karussell weiter: Die Agentur-Allianz ddp/DAPD hat bekanntgegeben, dass ihr neuer Gruppen-Chefredakteur Cord Dreyer bereits zum April antreten wird. Nach MEEDIA-Informationen dürfen im Gegenzug die beiden DAPD-Vizes Froben Homburger und Peter Zschunke zum Juli zu dpa wechseln, wo Dreyer herkommt.
Ursprünglich sollte Dreyer erst im August die Fronten wechseln. Der 47-Jährige ist derzeit Chefredakteur und Geschäftsführer der Finanzagentur dpa-AFX. Er wird beide Funktionen bei der frisch geschmiedeten Agentur-Allianz ddp/DAPD besetzen – ergänzend zu den Chefredakteuren Joachim Widmann (ddp) und Peter M. Gehrig (DAPD). Von einem "Chefredakteurs-Triumvirat" war bereits bei der ersten Ankündigung dieser Personalie die Rede. Neben Dreyer bleiben zudem Franz Maurer und Agenturinhaber Martin Vorderwülbecke Geschäftsführer der Agenturen.
In einem internen Memo an die Belegschaft, das MEEDIA vorliegt, kündigte Vorderwülbecke an, Dreyer werde gemeinsam mit Widmann und Gehrig sowie den Mitarbeitern "eine zukunftsweisende und wettbewerbsfähige Gesamt-Strategie für DAPD und ddp" entwickeln. Vorderwülbecke notierte weiter, beide Redaktionen würden dafür "in einzelnen Bereichen verstärkt". So sollen insgesamt zehn Stellen besetzt werden, unter anderem um "durch Kündigungen entstandene Lücken zu schließen".
Nach MEEDIA-Informationen fallen vier dieser Stellen dem ddp zu, davon zwei am Desk, eine im Vermischten und eine im Spätdienst – drei davon waren allerdings bereits im Sommer ausgeschrieben, aber nie besetzt worden. Dem DAPD werden sechs Stellen zugeschrieben: Drei in der Inlandsredaktion sowie drei im Ausland, darunter Korrespondenten-Stellen in Brüssel und London. Außerdem soll der DAPD nach Jahren der Auszeit wieder Volontäre ausbilden.
Diese Nachrichten haben jedoch auch eine Schattenseite: Beim DAPD wurden seit Übernahme durch Vorderwülbecke und dessen Partner Peter Löw im Dezember etwa 40 Mitarbeitern gekündigt, darunter den meisten Fotografen und – mit einer Ausnahme – dem kompletten Schweizer Dienst. Gerade traf es zudem noch sechs weitere Mitarbeiter, darunter vier Vertriebsmitarbeiter des DAPD-Foto-Dienstes (sie sollen künfitg für ddp images arbeiten) sowie zwei Redaktions-Assistenten. Außerdem wanderten bis dato zwölf Mitarbeiter freiwillig ab, viele davon zu dpa. So auch die beiden Stellvertreter von Chefredakteur Gehrig, Homburger und Zschunke.
Wie MEEDIA erfuhr, dürfen sie als Teil des Dreyer-Deals statt zum Jahresende jetzt bereits zum 30. Juni zu dpa wechseln – und damit pünktlich zum Start der neuen dpa-Zentralredaktion in der Berliner Axel-Springer-Passage. Homburger wird dort das neue Top-Themen-Ressort leiten, das die Berichterstattung der wichtigsten aktuellen Themen über Redaktionsgrenzen und alle Mediengattungen hinweg koordinieren soll. Zschunke wird Chefkorrespondent des ebenfalls neuen Netzwelt-Ressorts.
In seinen jüngsten internen Schreiben kündigte Inhaber Vorderwülbecke für die Zukunft seiner Agentur-Allianz an, die Kombination aus einer "profilierten, Leser-orientierten Inlandsberichterstattung und einem im deutschen Agenturmarkt einzigartigen Auslandsangebot" werde der Gruppe "großartige neue Marktchancen" eröffnen. Die Kunden erwarte künftig "im Inland wie im Ausland eine breitere und vertiefte Berichterstattung in allen Ressorts", darunter "mehr Hintergründe, mehr Analysen und deutlich mehr exklusive Geschichten".
Wie bereits Anfang Februar bekannt wurde, soll der ddp dafür die Basis-Berichterstattung aus dem Inland liefern, wie bisher also. Die Reporter des DAPD (ehemals AP-Deutschland) teilt Vorderwülbecke derzeit in zwei neue Gesellschaften auf: DAPD-International für Basis-Berichte aus dem Ausland, die sich vor allem aus den lizensierten Meldungen der US-Agentur Associated Press speisen sollen, und DAPD-"Korrespondenz und Recherche". Diese Redaktion soll Inlands- und Auslandsberichte von ddp und DAPD mit eigenen Recherchen, Hintergründen und Reportagen ergänzen. Die klassische Inlandsberichterstattung, die DAPD bisher zusätzlich zu dem ddp-Angebot liefert, fällt dann weg.
Jetzt sprach Vorderwülbecke angesichts der neuen Allianz von einem "gesteigerten Selbstbewusstsein" seiner Gruppe. Er bat seine Mitarbeiter "herzlich um Geduld", bis das neue Konzept stehe. Das sollte in ersten Überlegungen bereits Ende Februar vorliegen. Der neue Chefredakteur Dreyer will jedoch selbst daran arbeiten. Damit dürfte es noch bis Ende April oder gar Anfang Mai dauern, bis sowohl die Mitarbeiter, aber auch die Kunden bei Zeitungen und Sendern wissen, was auf sie zukommt. Der Eigentümer ließ sein Personal wissen, sie hätten "gemeinsam die Chance, einen neuen schlagkräftigen und wettbewerbsfähigen Nachrichtenanbieter von Weltniveau zu formen".
Die Mitarbeiter des ddp immerhin dürfen etwas Erleichterung spüren: Vorderwülbecke stellte ihnen per Memo höhere Gehälter in Aussicht. Vom Oktober 2010 an sollen alle ddp-Gehälter, die anders als bei den Ex-AP-Mitarbeitern deutlich unter Tarif liegen, um 1,5 Prozent steigen. Auch in den Folgejahren plant Vorderwülbecke den eigenen Worten zufolge "abhängig von der wirtschaftlichen Lage und Möglichkeiten", das ddp-Gehaltsniveau "systematisch weiterzuentwickeln, ohne dazu aber feste Zusagen machen zu können".
Der ddp meldete 2004 Insolvenz an. Seitdem verzichten die Mitarbeiter auf Tarif-Gehälter. Sie sollen nun auch "als Anerkennung für die Leistungen der letzten Jahre und aus Anlass der DAPD-Übernahme" eine einmalige Prämie erhalten: Für jedes volle Jahr Betriebszugehörigkeit seit "Neustart" im November 2004 gibt es laut Vorderwülbecke 100 Euro brutto. Auszahlung im Mai dieses Jahres.

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