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Burda gegen G+J: die Stunde der Hardliner

Im Streit um die vom Stern losgetretene "Bunte-Affäre" ist derzeit Säbelrasseln angesagt. Die Chefredaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins bleibt trotz des Störfeuers aus München bei ihrer redaktionellen Stoßrichtung, Bunte-Macherin Riekel fühlt sich vom Wettbewerber gemobbt, und der Burda-Chefjurist schwingt die Prozesskeule. Wohin steuert der Konflikt? Die Gefahren für die Verlagsszene haben vermittelnde Kräfte auf den Plan gerufen. Doch die scheinen ratlos, noch schlägt die Stunde der Hardliner.

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Im Streit um die vom Stern losgetretene "Bunte-Affäre" ist derzeit Säbelrasseln angesagt. Die Chefredaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins bleibt trotz des Störfeuers aus München bei ihrer redaktionellen Stoßrichtung, Bunte-Macherin Riekel fühlt sich vom Wettbewerber gemobbt, und der Burda-Chefjurist schwingt die Prozesskeule. Wohin steuert der Konflikt? Die Gefahren für die Verlagsszene haben vermittelnde Kräfte auf den Plan gerufen. Doch die scheinen ratlos, noch schlägt die Stunde der Hardliner.
Problem Nummer eins: Die reale Faktenlage ist zu unübersichtlich, um konstruktiv tätig zu werden, und das gilt für beide Seiten. Zwar zeigt der Stern-Artikel recht deutlich, was allem Anschein nach bei der Bespitzelung der Politiker geschah und geplant war. Offen ist hier aber die Frage, ob es sich um das eigenmächtige Verhalten freier Mitarbeiter oder im Umfeld der Agentur zumindest gebilligte Methoden gehandelt hat.
Egal, was der CMK-Geschäftsführer nun öffentlich kundtut: Das Ausspähen der Politiker dementiert er nicht, und wer mit Leuten, die so etwas professionell anbieten, schon mal zu tun hatte weiß auch: Diese Typen sind immer halbseiden und mit ernstzunehmenden Journalisten wohl hinsichtlich des Recherche-Eifers, nicht aber in punkto moralischen Urteilsvermögens vergleichbar. Und allzu oft verschwimmen im Jagdfieber die Maßstäbe. Vergessen wollen wir ja auch nicht, dass der Auftrag an die Fotografen mehr oder weniger lautet, einen Politiker in einer privaten Situation mit der Kamera "abzuschießen", um eine Affäre oder Beziehung zu dokumentieren. Selbst wenn dabei kein Recht verletzt wird, so gelten hier auch andere Gesetze, etwa die des Anstands. Eben dieser Anstand wird nun auch in München ins Feld geführt, wenn auch in anderer Hinsicht: Es gezieme sich nicht, einen direkten Wettbewerber in dieser Weise anzugreifen, heißt es dort. In der Tat ist dies ungewöhnlich und wird abseits der Fakten- und Paragraphen-Bewertung auf beiden Seiten für Diskussionen sorgen.
Problem Nummer zwei: Die justitiable Situation ist verworren. Verleumdung ist ein Tatbestand, der unterstellt, dass die Stern-Redaktion die Berufskollegen von der Bunten bewusst in einen direkten Zusammenhang mit den enthüllten Praktiken der Agenturmitarbeiter gebracht hat. Wer den Artikel genau liest, ist diesbezüglich skeptisch. Noch unberechenbarer wäre eine Schadenersatzklage. Man stelle sich vor, wie in einer öffentlichen Verhandlung vor Gericht Arbeitsweisen bei der Promi-Recherche ausgebreitet würden, wie Verlage gar offenlegen müssten, wie viel  sie an solchen Exklusivgeschichten verdienen. Ist die Klageandrohung etwa nur Wortgeklingel? Man ahnt, dass der juristische Konflikt am Ende keinen Sieger haben könnte.
Problem Nummer drei: Angesichts der weitverbreiteten Praktiken fragt man sich, ob es für den Einsatz eigener wie beauftragter Rechercheure und Beschatter nicht einen Kodex der Premium-Verlage braucht. Gruner + Jahr verlegt die Gala und vermarktet das Klambt-Magazin In. Sind die dort gedruckten Stories und Fotos etwa alle sauber? Hier scheint es eine Grauzone zu geben, in der mehr oder weniger seriöse Agenturen das Privatleben von VIPs für die People-Presse sehr profan ausspähen. Hier muss es Grenzen geben, die zu definieren sind.

Angesichts der Untiefen und Verwicklungen spricht viel dafür, dass der Konflikt entschärft wird, auch um Imageschäden am Magazinjournalismus abzuwenden. Immerhin haben die Verlage Burda und Gruner + Jahr zudem eine ganze Reihe gemeinsamer Anliegen, die nun Gefahr laufen, im Zuge einer aufziehenden Eiszeit  gleich mit "schockgefroren" zu werden. Gibt es diskrete Moderatoren auf beiden Seiten? Auch da sind wir gespannt.

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